Neustadt Bisher keinerlei Annäherung

Wie berichtet, will der Segelflugsportverein nach 1988, 1997 und 2007 zum vierten Mal den Versuch unternehmen, die Genehmigung für Starts und Landungen von Motorseglern und Ultraleichtflugzeugen zu bekommen. Ohne eine Zustimmung der Gemeinde als Eigentümerin des Geländes hat ein neuer Antrag, der bei der Fachgruppe Luftverkehr des Landesbetriebs Mobilität am Flughafen Hahn gestellt werden muss, allerdings keine Chance. Nachdem sich nach Bekanntwerden der Pläne Widerstand in der an den Segelflugplatz angrenzenden Wehlachsiedlung geregt hatte, stellten die Segelflieger den Anwohnern ihr Vorhaben am vergangenen Dienstag bei einer von etwa 300 Bürgern besuchten Infoveranstaltung vor. Wie am Donnerstag berichtet, war dabei deutlich geworden, dass zahlreiche Anwohner eine Ausweitung des Flugbetriebs ablehnen. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ betonen Ingo Nicolaus und Dieter Sauerhöfer von der Bürgerinitiative (BI) „Gegen Motorflug über Haßloch“, die Infoveranstaltung habe bei ihnen für kein Umdenken gesorgt. Nach wie vor befürchten die Gegner, dass ihre Wohn- und Lebensqualität vermindert und der Erholungseffekt an Wochenenden und Feiertagen eingeschränkt werde, wenn künftig auch Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge starten und landen dürfen. Lärm und zusätzliche Umweltbelastungen durch Abgas-Emissionen seien außerdem zu erwarten. Zudem werde eine Ausweitung des Flugbetriebs für einen Wertverlust der Immobilien in der Wehlachsiedlung und anderen Vierteln sorgen, die in der Nähe des Segelflugplatzes liegen. Nach Ansicht von Nicolaus und Sauerhöfer müsste der Eindruck der Veranstaltung vom Dienstag bei den Segelfliegern zu der Einsicht führen, „dass der Antrag nicht genehmigungsfähig ist“. Die BI setze darauf, dass die Verantwortlichen des Vereins „so vernünftig sind, angesichts des Gegenwinds keinen Antrag zu stellen“. Auch in Böhl-Iggelheim, wo bereits 500 Unterschriften gegen die Ausweitung des Flugbetriebs gesammelt wurden, formiere sich Widerstand. Inzwischen, so Nicolaus, könne keiner mehr von „ein paar Gegnern“ sprechen. Bei der Gemeinde werde die BI weiter „darauf hinwirken“, dass sie dem Vorhaben nicht zustimmt. „Wir sind nicht kompromissbereit“, betonen Nicolaus und Sauerhöfer. Auch einen ein- oder zweijährigen Probebetrieb, den der Segelflugsportverein vorgeschlagen hatte, lehnt die BI ab. Außerdem werde die zuständige Behörde in Hahn keinen Probebetrieb zulassen, sondern nur eine Genehmigung auf Dauer erteilen. Dass keine Wohngebiete überflogen werden, wie die Segelflieger erklärt hatten, nimmt ihnen die BI nicht ab. „Den Segelfliegern traut keiner über den Weg“, so Nicolaus. Denn um Auflagen hätten sie sich in der Vergangenheit nicht gekümmert: So sei ungenehmigt eine Halle errichtet und aktuell seien Bäume gefällt worden, ohne vorher die zuständigen Stellen zu fragen. Sollte der Verein an seinem Vorhaben festhalten, den Flugbetrieb auszuweiten, fordert die BI eine öffentliche Behandlung des Themas im zuständigen Ausschuss beziehungsweise im Gemeinderat. Vom Ablauf der Informationsveranstaltung am Dienstag zeigt sich Peter Winklmüller, Vorsitzender des Segelflugsportvereins, enttäuscht. Teilweise hätten die Gegner unsachlich argumentiert und falsche Behauptungen aufgestellt, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Verein, der sachlich über seine Pläne habe informieren wollen, fühle sich „unfair“ behandelt. Er betont seine Bereitschaft, mit der BI noch einmal zu sprechen. Auch den Kompromissvorschlag, zunächst für ein oder zwei Jahre einen Probebetrieb laufen zu lassen, werde der Segelflugsportverein aufrechterhalten. Winklmüller widerspricht der Ansicht der BI, ein Probebetrieb sei nicht genehmigungsfähig: „Das geht auf jeden Fall. Auch unser Flugplatz lief damals erst einmal ein Probebetrieb.“ Wenn man sich wenigstens darauf einigen könnte, so der Vorsitzende, „wären wir einen großen Schritt weiter.“ Noch nicht entschieden sei, ob die Segelflieger daran festhalten werden, den Antrag auf Ausweitung des Flugbetriebs zu stellen. Ende kommender Woche werde der Vorstand das Thema beraten. Auch mit den Fraktionen will der Verein noch einmal darüber sprechen, ob diese eine Chance für das Anliegen des Vereins sehen. „Wir wollen keinen Streit mit den Anwohnern, sondern eine gute Beziehung“, betont Winklmüller. Aber die Segelflieger müssten auch ihren Verein weiterentwickeln, und dazu gehöre eine Ausweitung auf Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge. Ärgerlich findet er, dass den Segelfliegern beim der Lärmbelastung der „Schwarze Peter“ zugeschoben werde. Motorflugzeuge, die über Haßloch brummen, stammten zumeist von anderen Flugplätzen in der Region. Das sei nicht zu verhindern, weil der Luftraum nicht gesperrt werden könne. Die Haßlocher Segelflieger würden nicht über bebautes Gebiet fliegen, so Winklmüller. (guh)