Neustadt Bienenseuche: Warum Imker verärgert sind
Herr Frey, was ist da im Landkreis Bad Dürkheim genau passiert?
So wie sich die Situation darstellt, hat ein Imker wohl teils ohne Rücksprache mit den Grundstückseigentümern mehrere infizierte Völker – die Rede ist von bis zu 263 – im Landkreis Bad Dürkheim aufgestellt. Betroffen sind bislang die Gebiete Leistadt, Dürkheimer Bruch und Friedelsheim, um die von der Kreisverwaltung Bad Dürkheim jeweils Sperrkreise von mehreren Kilometern eingerichtet worden sind.
Was genau bedeutet das?
Aus Bienenvölkern innerhalb der Sperrkreise wird Bienenfutter entnommen und von einem Labor auf Befall mit dem Bakterium Paenibacillus larvae beprobt. Die Bienenvölker dürfen nicht weggebracht und neue Völker nicht dort hingebracht werden, damit sich die Krankheit nicht weiter verbreitet. Imker, die ihre Völker innerhalb der Sperrkreise haben, müssen der Kreisverwaltung die entsprechenden Standorte melden, damit sie beprobt werden können.
Wieso ist die Faulbrut denn so gefährlich?
Sie befällt den Bienennachwuchs und nimmt dem Volk so die Möglichkeit, sich zu verjüngen. Die Sporen sind sehr widerstandsfähig, lösen die Larven auf und verbreiten sich im Stand. Auch die Weiterverbreitung über Blüten oder gemeinsame Wasserstellen ist möglich. Fremde Bienen, die in das schwächer werdende Volk eindringen, können die Infektion weiter verbreiten und so andere Bienenvölker infizieren. Für den Menschen ist sie ungefährlich.
Und was kann man dagegen tun?
Die Amerikanische Faulbrut ist eine weltweit verbreitete Tierseuche, die leider Gottes immer mal wieder ausbricht. Die betroffenen Völker müssen in der Regel getötet werden, bisweilen ist aber auch eine Sanierung möglich, die allerdings ungeheuer aufwendig ist, weil auch noch sämtliche Gerätschaften desinfiziert werden müssen. Wie im vorliegenden Fall zu verfahren ist, wird die Kreisverwaltung entscheiden, wenn die Laborergebnisse vorliegen.
Gibt es Möglichkeiten zur Vorbeugung?
Man kann Futterproben im Winter nehmen und im Labor auf Spuren des Erregers untersuchen lassen. Dann hat man die Möglichkeit, frühzeitig gegenzusteuern, ohne dass das ganze Bienenvolk gefährdet ist.
Im Landesverband spricht man von großer Verärgerung bei den Imkern. Warum genau?
Abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden ist die Frage, welche Bienenvölker noch infiziert wurden. In Leistadt beispielsweise gibt es viele Edelkastanien, derentwegen Wanderimker eigens ihre Bienenvölker in der Pfalz aufstellen. Die sind unter Umständen schon längst wieder weg und müssen nicht zwangsläufig etwas vom Ausbruch der Faulbrut hier mitbekommen haben. Ihre Bienenvölker verbreiten den Erreger möglicherweise anderswo.
Zur Person
Matthias Frey, 61, ist Richter, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Justizministerium und passionierter Imker. Der verheiratete Vater von vier Kindern lebt in Gimmeldingen und ist seit 2004 Vorsitzender der FDP-Fraktion im Neustadter Stadtrat.