Neustadt „Bewahrung der Natur geht alle an“

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Haßloch

ist nach Bornheim in der Südpfalz die zweite Gemeinde in Rheinland-Pfalz, die zukünftig kommunale Brachflächen in Lebensräume insbesondere für Wildbienen verwandeln will. Umweltdezernent Dieter Schuhmacher (SPD), Initiatoren und Experten stellten das „Eh-da“-Konzept für mehr Artenvielfalt in den Kommunen vor. Flächen, die „eh da“ und zudem durch die Gemeinde zu „pflegen“ sind, sollen erfasst und entsprechend den Vorgaben des Konzepts aufgewertet werden. „Eh-da“-Flächen unterliegen bisher keiner besonderen Nutzung: Es sind Wegrandstreifen, Straßenböschungen, Kreisel, Bahndämme oder Geländestufen. Bis Sommer 2016 sollen in der Gemeinde zahlreiche Maßnahmen, die zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen, realisiert sein. Dazu gehören beispielsweise die Durchführung von Staffelmahd, die Anlage von Blühstreifen, der Erhalt von Alt- und Totholz, Rohbodenbiotope, Steinhaufen und -mauern. „Wir wollen ein nachhaltiges Projekt auf unseren Flächen umsetzen“, so Schuhmacher. Nachhaltigkeit betreffe auch eine große Anzahl bisheriger „Eh-da-Aufgaben“: Der Einsatz von Personal und die Aufgaben sollen überprüft und neu festgelegt werden, ebenso die „Eh-da-Kosten“ im Bereich Umwelt, differenzierte Schuhmacher weitergehende Aspekte des Projekts. Die Dokumentation aller Arbeiten sei selbstverständlich, das „längst überfällige“ Grünflächenkonzept der Gemeinde könne aus dem Projekt resultieren. Kerstin Krohn (Initiative „Innovation & Naturhaushalt“ des Forums Moderne Landwirtschaft) betonte, das „Eh-da-Konzept“ stecke bundesweit noch in den Kinderschuhen, Rheinland-Pfalz sei aber eine „regelrechte Hochburg“, Ziel sei es, „massiv über den pfälzischen Tellerrand hinaus das Thema zu verbreiten“. Mit „Eh-da-Flächen“ bezeichne man freie ökologische Potenzialflächen, die auch als Indikator für Artenvielfalt herangezogen werden. Notwendig seien mehr Lebensräume für Blütenbestäuber: im Fokus sei die Wildbiene. Bestäubung als „Ökosystemdienstleistung“ habe insbesondere für den Obstanbau eine große Bedeutung. „Wir sind noch weit entfernt, die gesetzten Ziele zu erreichen“, so das Fazit Krohns. „Wir müssen Menschen sensibilisieren, die Bewahrung des Naturhaushaltes geht alle was an.“ Und dies angesichts des Spannungsfeldes der Nutzung der Ressourcen durch die Landwirtschaft und knapper Flächen. Wie wichtig es sei, die Artenvielfalt aufrechtzuerhalten und dem Mangel an komplexen Lebensräumen entgegenzuwirken – gerade im Hinblick auf die Bienen –, betonte der Biologe Christoph Künast (Eco-System Consulting). Ziel seien „kombinierte Lebensräume“, also Verbindungskorridore zu anderen wichtigen ökologischen Flächen zu schaffen. „Eh-da-Flächen“ könnten nennenswert zur Steigerung der biologischen Vielfalt beitragen. Matthias Trapp vom Institut für Agrarökologie (IfA), RPL AgroScience, erläuterte die geodatenbasierten Methoden zur Erfassung der „Eh-da-Flächen“ (wir berichteten). Bornheims Bürgermeister Karl Keilen berichtete über die Praxiserfahrungen des ersten „Eh-da-Projekts“. Die Aufwertungsmaßnahmen hätten sich ohne großen Mehraufwand oder zusätzliche Kosten durch den Bauhof realisieren lassen. Winzer und Landwirte arbeiteten bei der Umsetzung des Konzeptes mit. (uhk)

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