Neustadt Bett statt Büro

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Über 1300 Grippefälle bislang in diesem Winter in Rheinland-Pfalz – gegenüber 53 im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen des Gesundheitsministeriums sind erschreckend. Auch bei den Neustadter Ärzten sind die Wartezimmer gefüllt, bei Behörden melden sich viele Beschäftigte krank.

Rita Mack würde am liebsten ein großes Schild an der Tür ihrer Arztpraxis anbringen: „Bitte bleiben Sie die ersten drei Tage zu Hause.“ Damit möchte die Neustadter Allgemeinmedizinerin die Menschen keineswegs vom Arztbesuch abhalten, sondern davon, krank zur Arbeit zu gehen. Zu wenig Schonung für den eigenen Körper, zu große Ansteckungsgefahr für andere, das sind auch für Benny Benker, Allgemeinmediziner in Gimmeldingen, die zwei Hauptprobleme der starken Grippewelle. Die hat mittlerweile auch Neustadt erreicht. Das merkt ebenso, wer dem Thema journalistisch auf den Grund gehen möchte. An einem Montagvormittag Hausärzte telefonisch zu erreichen ist ohnehin schwierig – in der Grippezeit ist das beinahe unmöglich. Um 7.30 Uhr gehe es los, manchmal arbeiteten er und sein Kollege bis 19.30 Uhr, sagt Benker und berichtet von einem vollen Wartezimmer. Unter den Patienten seien „sehr, sehr viele mit grippalem Infekt“, etwa zwei Drittel davon mit Verdacht auf Grippe. Denn nicht jede Erkältung ist gleich die „echte“ Influenza. Von der Behandlung her mache das aber keinen Unterschied, erklärt Benker. Auch Dr. Volker Isemann, Allgemeinmediziner in Lachen-Speyerdorf, hat viel zu tun. Die Anzahl der Impfungen sei jedoch im Vergleich zu den Vorjahren etwa gleich geblieben. Sollte man sich jetzt, mitten in der Grippewelle, noch impfen lassen? „Das kann man weder klar mit Ja noch mit Nein beantworten“, sagt Isemann. Der Impfstoff wirke erst nach acht bis zwölf Tagen. Älteren, immungeschwächten Personen rät er aber dazu. Rita Mack beobachtet ohnehin weniger Impfungen in den vergangenen Jahren. Die meisten habe es zu Zeiten der Schweine- und Vogelgrippe gegeben. Auch im Krankenhaus Hetzelstift macht sich die Grippe bemerkbar. Prof. Dr. Stefan Grüne, Chefarzt Medizinische Klinik II, berichtet von drei Patienten, die zurzeit stationär behandelt werden – wegen einer Lungenentzündung. Dazu kann es kommen, wenn Patienten sich nicht schonen und die Krankheit verschleppen. Unüblich sei das nicht, sagt Grüne und erklärt weiter, dass Grippe-Verdachtsfälle im Hetzelstift isoliert werden. Das heißt: Mitarbeiter und Besucher müssen das Zimmer in Schutzkleidung betreten. Für die Krankenhaus-Angestellten bietet das Hetzelstift freiwillige Impfungen an, die laut Grüne auch rege angenommen werden. In der Stadtverwaltung Neustadt hat es auch bereits einige Kollegen erwischt. „Laut Personalabteilung ist der Krankenstand ungewöhnlich hoch“, sagt Pressesprecherin Dagmar Staab auf RHEINPFALZ-Anfrage. Es werde allerdings nicht erfasst, ob Grippe die Ursache ist. Auch die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd vermeldet „eine leichte Erhöhung“ im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, was Krankschreibungen betrifft. Rita Mack hat unterdessen bei ihren Patienten noch eine andere Beobachtung gemacht: Die Grippe verlaufe in diesem Jahr nicht ganz so „ad hoc“. Meint: Sie habe sich bei den Betroffenen etwas allmählicher angekündigt als in den Jahren zuvor. Nicht jede Grippephase ist gleich, was aber nichts an Macks grundsätzlichen Ratschlägen ändert: regelmäßig und gründlich Hände waschen, Menschen-Ansammlungen meiden und natürlich bei Erkrankung zu Hause bleiben. (rxs)

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