Neustadt Besonderes von Frauen für Frauen
„Sei Pippi, nicht Annika“, rät ein Schild an einem der rund 30 Stände. In der Tat: Der „Markt der schönen Dinge“, der zum fünften Mal als kostenloses Angebot innerhalb der Frauenkulturtage stattfand, richtet sich an Frauen mit dem Blick für das Besondere. Von der Mode- bis zur Schokoladenmanufaktur, von der Raku Art bis zu Korbwaren aus Madagaskar reichte das bunte Angebot, gefertigt fast ausschließlich von Frauen für Frauen. Um den alljährlichen riesigen Andrang zu entzerren, wurden die Öffnungszeiten auf 11 bis 18 Uhr verlängert und die Ausstellungsfläche erweitert. „Wir haben gehofft, dass morgens weniger los ist, und das hat geklappt“, freut sich zum Beispiel Andrea Dressler aus Haßloch, die mit ihrer Tochter gekommen ist und zu den Stammbesucherinnen zählt. Zum ersten Mal fanden sich laut Mitorganisatorin Laura Leibrock von der Beratungsstelle für Alleinerziehende und Frauen auch Stände im Hof des Ältesten Hauses. Und im Hof des Kulturvierecks hatte Hiltrud Martha Kissel ihre Stahlskulpturen aufgebaut. „Um mich zu zeigen und mit Leuten ins Gespräch zu kommen“, begründete die in Köln und Haßloch lebende Künstlerin ihre erstmalige Teilnahme. „Meine Skulpturen brauchen viel Raum“, insofern sei der Hof ein passender Ort, diese zu zeigen. Dass der „Markt der schönen Dinge“ zum Programm der Haßlocher Frauenkulturtage gehört, ist für Kissel „ein schöner Zufall“. „Ich bin eine Frau“, insofern sei sie der Sache verpflichtet, obwohl sie „keine Kämpferin“ sei. Nach wie vor gebe es Vorurteile dem sogenannten sogenannten schwachen Geschlecht gegenüber. So werde sie sehr oft darauf angesprochen, wie sie als kleine zarte Frau denn Stahlarbeiten machen könne, schüttelt die Künstlerin den Kopf. Auch die aus Ungarn stammende Neustadter Malerin Agnes Fried ist mit ihren Frauenporträts unter den Ausstellerinnen. Ihr künstlerischer Kosmos kreist um die Weiblichkeit. Frieds fragile Frauengestalten vor goldenen Hintergründen, in Acryl auf Holz, Plexiglas und Leinwand gemalt, faszinieren und laden dazu ein, die Geschichte hinter der Gestalt zu suchen. Zerbrechlich und stark zugleich ist die Aura von Frieds Frauen – und damit reflektieren sie auf subtile Weise ein Stück weibliche Rollenproblematik. Insofern passt auch das Angebot der Malerin perfekt zu den Frauenkulturtagen. Für den „Markt der schönen Dinge“ habe sie sich extra auf die kleine Form kapriziert, erzählt Fried – und liefert damit erschwingliche Kunst, erdacht und gemacht von einer Frau für Frauen. Schon zur Morgenstunde dicht umlagert ist der Stand, an dem Julia Leibrock ihre selbst entworfene und hergestellte Mode präsentiert. Sie ist bereits seit den Anfängen im Pfarrheim St. Ulrich als Ausstellerin mit dabei. Der Markt sei für sie „ein Heimspiel“ mit vielen Stammkundinnen, erzählt sie. Jahr für Jahr kämen aber auch Besucherinnen, die ihre Mode neu entdeckten und daraufhin erstmals den Weg in ihr Haßlocher Atelier fänden. Während Mitorganisatorin Helga Fehrenbach im eigens eingerichteten Café Kuchenstücke auf Teller legt, schenkt Laura Leibrock draußen im Hof des Ältesten Hauses Punsch, Glühwein und Suppe aus. „Hier ist ein schönes Ambiente“, findet Leibrock. Zwei Beschicker hätten kurzfristig abgesagt, weswegen jetzt im Hof nur insgesamt vier Stände aufgebaut sind, darunter Metallobjekte und Korbwaren aus Madagaskar. Mit seinem aus Sisal und Raffiapalme hergestellten Angebot bildet Aza Razafindraboay aus Speyer, dessen Eltern zur indischstämmigen Bevölkerung der Insel im Indischen Ozean zählten, einen farbenfrohen Hingucker. Wer mit einem solchen bunten Korb einkaufen oder schwimmen geht, fällt sicher auf. Wie war das nochmal? „Sei Pippi, nicht Annika.“ Eben.