Leichtathletik
Berglauf: TV Maikammer bei Masters-Weltmeisterschaft richtig stark
Fünf Athleten reisen zur Masters-Weltmeisterschaft WM nach Italien und kommen mit acht Medaillen zurück. Ein Geheimrezept hat nicht unwesentlich zum Erfolg beigetragen.
Regina Rieger, Marcel Job, Lennart Nies, Marko Martin und Dennis Mahle traten bei den „Masters Championships“ im italienischen Meduno mit dem Adler auf der Brust an.
Job liebt’s steil
Drei Läufe standen zur Auswahl. Zum Auftakt starteten Job, Mahle, Nies und Martin am Freitag beim mit 800 Höhenmetern gespickten „Uphill“ über fünf Kilometer. „Mir war es nicht steil genug. Dennoch ein schöner Berglauf“, stellt der 43-jährige Job fest. Der Bellheimer überquerte in 38:58 Minuten die Ziellinie und wird zusammen mit Marco Benz (Skivereinigung Amberg) und Marco Neumann (TSG Schwäbisch Hall) Mannschaftsvizeweltmeister der Altersklasse über 40 Jahre.
Mahle aus Ludwigshafen läuft bei seiner ersten WM-Teilnahme in 48:20 Minuten als 28. der Altersklasse M 35. Ihn verfolgt das Pech, denn beim Lauf am Samstag stürzte er und erlebt die beiden Rennen unfreiwillig als Zuschauer statt als Läufer. Lennart Nies hat den Lauf am Freitag und Sonntag bestritten und das überaus erfolgreich. Beim Uphill am Freitag ist er bis auf 100 Meter vorm Ziel auf Medaillenkurs.
Nies übersprintet
Im Zielsprint wird der 38-jährige Ludwigshafener von einem Algerier überholt und verliert Podestplatz drei. In 34:56 Minuten, vier Sekunden hinter dem Drittplatzierten, finisht er. „Das hat mich zwei Stunden nachdenken gekostet“, gibt der selbstständige Unternehmensberater zu. Die Vereinskameraden haben ihn schnell wieder „eingefangen.
Überhaupt schwärmen alle Maikammerer von dem besonderen Teamgeist innerhalb der Gruppe. Alle wohnten zusammen in einem Hotel und der gegenseitige Austausch kam dabei nicht zu kurz. Aufs Podest kommt Nies dennoch: Zusammen mit Jens Ziganke (TV Konstanz) und Ralf Kempf (TSG Schwäbisch-Hall) erläuft das Trio WM-Mannschaftssilber.
Marathonmann Martin
Marko Martin absolviert alle drei Läufe, wird Mannschaftsvizeweltmeister. Der 51-jährige Hauensteiner kommt in 39:45 Minuten ins Ziel. Die Königsdisziplin, der mit 1850 Höhenmeter anspruchsvolle „Long Distance“ Lauf über 34 Kilometer am Samstag, nehmen Martin, Job und Rieger in Angriff.
Die 41-jährige Bellheimerin, Lebensgefährtin von Marcel Job, hat bereits vor der WM das Heft in die Hand genommen und die besten deutschen Bergläuferinnen ihrer Altersklasse angeschrieben, ob sie nicht auch starten wollten. „Denn sonst hätten wir keine Mannschaft zusammenbekommen“, sagt sie. Daniela Köcher (SSC Hana Rodenback) und Melanie Beck (LG Allgäu) haben spontan zugesagt, sodass das Trio eine Mannschaft bildete.
Konzentrierte Rieger
Rieger finisht in 4:16:12 Stunden als Altersklassenfünfte und sichert sich mit Mannschaftskollegin Melanie Beck W40-Bronze. „Ich bin’s kontrolliert angegangen. Ich wusste, dass es gerade bei den Frauen ein Hauen und Stechen beim Überholen geben wird. Das habe ich als Zuschauerin am Freitag schon gesehen“, sagt sie.
Dass sie mit Stöcken läuft, übrigens ebenso wie Marcel Job, kommt ihr dabei entscheidend zugute. Nachdem es zu regnen beginnt, ist die Strecke extrem rutschig. So rutschig, dass einige Läufer aufgeben müssen. Als „Bergziege“ bekannt ist ihre Stärke beim Uphill, umso mehr hadert sie beim Downhill. „Den kann ich nicht gut, ich bin gelaufen, gefühlt wie auf Eiern“, stellt sie fest.
Italien besser
Zum Abschluss starten alle Maikammerer beim letzten der drei Läufe, dem „Classic“ über 14 Kilometer und 735 Höhenmeter am Sonntag. Das Läuferpaar Rieger und Job steht am Ende mit „Silber“ auf dem Podest. Das Trio Job, Benz und Neumann läuft auf Podestplatz zwei hinter den starken Italienern. In 1:18:00 finisht Job den finalen Lauf.
Lebensgefährtin Rieger läuft in 1:28:19 Stunden ins Ziel und sichert sich mit Daniela Köcher (SC Hanau Rodenbach) und Melanie Beck (LC Allgäu) ebenfalls WM-Platz zwei in der Mannschaft W40. Wie schon freitags, läuft Nies auch sonntags als schnellster deutscher Athlet in 1:06:36 Stunden als Altersklassenfünfter über die Ziellinie. Der frisch gebackene Pfalzmeister über zehn Kilometer auf der Straße zeigt sich etwas enttäuscht, dass es im Einzel nicht für eine Edelmetall gereicht hat.
Salztabletten helfen
Bleibt noch aufzuklären, was es mit dem Geheimrezept auf sich hat. Vor allem gegen Ende der Langdistanz am Samstag, antwortet der Körper oftmals mit Krämpfen. Ein Vereinskollege des TV Maikammer hat ihnen einfache „Salztabletten“ verordnet, die sie während des Laufes eingenommen haben und siehe da: Die Krämpfe sind weitestgehend ausgeblieben.
„Auf der Dopingliste stehen diese Salztabletten auch ganz sicher nicht“, sind sich die Maikammerer mit zahlreich Edelmetall im Gepäck, einig. Und dass das Läuferpaar Job und Rieger mit den gleichen Medaillen von der WM zurückkehrt, sei vorher abgesprochen gewesen, merken die beiden schmunzelnd an. Damit sei gewährleistet, dass der Läufer-Hausfrieden nicht schief hänge.