Neustadt Beim Saubermachen der Opfer gedenken

Leni Sturm, Basima Khan und Leni Koch beim Laubrechen.
Leni Sturm, Basima Khan und Leni Koch beim Laubrechen.

20 Schüler der Klassen 8 a und b der Integrierten Gesamtschule (IGS) Deidesheim/Wachenheim haben sich kürzlich gemeinsam mit ihrem Stufenleiter Frank Laska, der betreuenden Lehrerin Antje Rothkamp und Franz-Josef Ratter um die Pflege des jüdischen Friedhofs in Deidesheim gekümmert. Sie entfernten vor allem Laub, Unkraut und Efeu.

Franz-Josef Ratter ist Mitglied im Sprecherrat der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz. Er ist auch privat am Erhalt historischer Gedenkstätten interessiert. Dass sich auch Jugendliche mit dem Thema NS-Zeit und der Verfolgung von Minderheiten befassen, ist ihm besonders wichtig. Mit dem Einsatz auf dem jüdischen Friedhof sind die jungen Leute direkt mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte befasst und werden zum Nachdenken angeregt. „Das ist sicher mehr wert als manche reine Informationsveranstaltung“, sagt Ratter. Natürlich stand am Anfang dieser Aktion auch ein Informationsgespräch, bei dem die Schüler der IGS, eine „Schule ohne Rassismus“, darauf hingewiesen wurde, welche Bedeutung der 9. November hat: Am 9. November 1918 wurde die deutsche Republik ausgerufen. Am 9. November 1989 fiel die Mauer, die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ging als die Reichspogromnacht in die Geschichte ein. Wichtig war es Ratter und den Lehrern vor allem, das Erinnern an die NS-Zeit in Bezug zu setzen zur Gegenwart und zur Zukunft. Eine kleine Einführung erhielten die jungen Menschen auch in die jüdische Friedhofskultur. Jüdische Friedhöfe sind Kultstätten und Erinnerungsstätten zugleich. Nach der jüdischen Tradition, der „Halacha“, ist der Friedhof als Ruhestätte für die Toten ein „Haus der Ewigkeit“ und darf nie aufgegeben werden. Die meisten jüdischen Friedhöfe werden nicht mehr genutzt, es kommen auch keine Angehörigen mehr, die sie pflegen könnten. Damit diese Orte der Erinnerung nicht verwahrlosen, haben andere die Pflege übernommen.

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