Neustadt Ballermann auf Salzwasser
«Deidesheim.»Mit Michael Ellers Standup-Comedy-Programm „Ahoi, die Kreuzfahrer kommen“ meldete sich am Samstagabend das Deidesheimer Boulevardtheater aus der Sommerpause zurück und unterstrich mit dem äußerst gelungenen Auftritt des gebürtigen Bingeners seinen Anspruch, beste Unterhaltung auf die kleine Bühne in der Stadthalle zu bringen.
Seit 2012 ist Eller regelmäßig als Gast-Comedian auf den Schiffen der Aida-Flotte gebucht. Auf seinen insgesamt 47 Kreuzfahrten hatte er reichlich Gelegenheit, den Menschen dabei zuzusehen, wie sie einander auf dem Luxusliner beobachten. Er hat daraus ein abendfüllendes Programm gestrickt, das sein Publikum kurzweilig und brillant zu unterhalten vermag. Seine Karriere als Komiker auf Salzwasser habe mit einer nächtlichen Polizeikontrolle begonnen, als er sich auf der Autobahn zwischen Hannover und Mainz beim Sekundenschlaf erholt habe, erzählt Eller: Eine Zivilstreife habe ihn angehalten und er – ganz Komiker – habe der „übergewichtigen, kleinen, missmutigen“ Beamtin und ihrem Kollegen „mit dem Gesichtsausdruck von Klaus Kinski nach einer Wurmkur“ auf die Frage nach dem Grund des Angehaltenswerdens entgegnet, ob sie denn einsam seien. Dies und die Frage der Polizistin, ob er wisse, was ihr gar nicht passe – „Klar, Größe 36“ hätten seine Autofahrerkarriere jäh unterbrochen und ihn dahin geführt, wo er keinen Führerschein brauchte – aufs Schiff. Die Begegnung auf der Autobahn und die Unterhaltung mit einer attraktiven Frau, die „Currywurst für Mord“ hielt und bei der er auf die Frage nach seinem Beruf mit „Ich rülpse den Fleischgeruch auf die veganen Frikadellen“ antwortete, hätten in ihm die Erkenntnis reifen lassen, dass auch ein Komiker manchmal besser die Klappe hält, berichtet Eller. So bezeichne er sich in seiner Freizeit auch gerne mal als Schaufensterdekorateur bei Aldi, um seine Ruhe zu haben. Auf seinen Kreuzfahrten erlebe er sämtliche deutschen Eigenheiten, und er habe gelernt, dass alle Vorurteile über die Schiffstouristen stimmten, sagt Eller: Sachsen beispielsweise könne man nichts recht machen – für die sei auch bei einem dreieinhalb Kilometer langen Buffet nichts Passendes dabei, auch wenn es Bananen gebe. Und Schwaben seien überwiegend damit beschäftigt, den Preis der Reise über die Nahrungsaufnahme zu kompensieren. „Exotische deutsche Dialekte“ bekomme er insbesondere morgens um 11 Uhr zu hören, wenn die letzten Gäste betrunken die „Ocean Bar“ verlassen. Und auch die auf allen Schiffen obligatorische „Anytime Bar“ habe ihren Reiz – könne man doch dort beobachten, wie Waldorfschüler einander ihren Lebenslauf vortanzen. „Viel Spaß beim Auslaufen“ wünsche er nach dem Landgang den über 80-jährigen Kreuzfahrern, die mitunter munter mit einem „lieber blass um die Nase als nass um die Blase“ kontern. Insbesondere auf Touren in den Norden steige der Altersdurchschnitt, weiß Eller von „Friedhofsdeserteuren, die Katheterpolonaise zur Gebisspolka tanzen“ zu berichten, Drei-Tagesfahrten rund um die Balearen ähnelten hingegen eher „einem Ballermann auf Salzwasser“. Von anderen Flotten sagt Eller, dass zwei komplette Decks aus dem Wasser kommen, wenn 6300 adipöse Amerikaner an Land gehen. Nicht fehlen darf bei einem Programm über Kreuzfahrten natürlich das Thema Liegestuhl-Reservierung: Kapitäne mit Humor wiesen auf den Seetagen zwischen den Landgängen schon mal ihr Personal an, morgens um 5 Uhr 50 Liegen vom Sonnendeck zu nehmen. Spaß könne man freilich schon auf den Zubringerflügen, meint Eller und zitiert den gut gelaunten Piloten mit „Wir haben soeben London getroffen“ nach einer „sportlichen“ Landung – und die treten dann auch mal kurz kräftig auf die Bremse, wenn alle im noch rollenden Flieger ihr Handgepäck wollen. Alles nicht ganz politisch korrekt, aber sehr unterhaltsam. Chapeau!