Neustadt
Bahnhofsvorplatz: Stadt schließt Vertrag mit Bahn -Baustart 2022
Alle Signale stehen auf Grün, fasste Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel am Freitagmorgen im Saalbau zusammen. Um sich gleich darauf bei den Herren von der Deutschen Bahn (DB) zu versichern, dass es grüne Signale auch im Zugverkehr gibt. Die beiden Herren, Regionalbereichsleiter Mitte der DB Station&Service AG Stefan Schwinn und der Leiter des Bahnhofsmanagements Kaiserslautern Ulrich Demmer, waren aus gutem Grund nach Neustadt gekommen: Sie unterzeichneten einen sogenannten Gestattungsvertrag mit der Stadt. Damit darf die Stadt den Bahnhofsvorplatz, der auf DB-Gelände liegt, für zunächst 25 Jahre nutzen und – in Absprache mit dem Unternehmen – nach ihren Vorstellungen umbauen. 2022 soll es losgehen, so der Oberbürgermeister.
Der Vorplatz soll die Visitenkarte Neustadts werden. Denn wirklich attraktiv ist er aktuell nicht. Weigel bezeichnete das Vorhaben als wichtigstes Projekt in der Stadtentwicklung, auf das die Verwaltung unmittelbar einwirken kann – anders als zum Beispiel im Fall Hertie. Zudem sei der Hauptbahnhof einer der wichtigsten Verkehrsknoten in Rheinland-Pfalz, vor allem im Süden des Landes.
Noch Luft nach oben
Der Bahnhof selbst sei in recht gutem Zustand, schließlich sei er erst vor wenigen Jahren erneuert worden, sagte Regionalbereichsleiter Schwinn. Die Kundenfrequenz sei hervorragend. Anders sehe die Situation jedoch beim Gelände davor aus. Mit den Augen des Kunden betrachtet, wird laut Schwinn deutlich: „Da ist noch viel Luft nach oben.“
Die Verkehrsangebote – also Bus, Bahn und weitere – seien nur relativ unsortiert miteinander verknüpft. Und der Platz sei in die Jahre gekommen. Doch all das biete auch Chancen. So soll künftig „Bike & Ride“ angeboten werden: Das sind zum Beispiel teilweise überdachte und beleuchtete Fahrradstellplätze, die nach Angaben des Bahnhofsmanagers Demmer schon im nächsten Jahr und damit ein Jahr vor Baubeginn entstehen könnten.
Eigentlich hatte die Stadt das Vorplatz-Areal der Bahn abkaufen wollen. Doch die hatte abgelehnt, aus logistischen Gründen. Was das bedeutet, erklärte Schwinn: Die Bahn habe vom Bund den Auftrag, die Anzahl der Fahrgäste bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln. „Im Sinne der Nachhaltigkeit und der Intermodalität müssen wir deshalb genauer hinschauen, was wir an Flächen abgeben und was nicht, auch in Bezug auf den Ausbau des Schienennetzes.“ Intermodalität bedeutet, dass die Menschen auf einem Weg mehrere Transportmittel nutzen können, die aufeinander abgestimmt werden, Stichwort Bus-Bahn-Anbindung.
Den Osten im Blick
Bislang hat die Stadt vor allem den Vorplatz und den rückwärtigen Teil des Hauptbahnhofs bei ihrer Planung berücksichtigt. Auf dem Vorplatz sollen unter anderem ein zentraler Omnibusbahnhof, Taxistellplätze, Plätze für das Ruftaxi und Angebote für „Mobility on Demand“ entstehen. Jener neue Fahrdienst, der ab Dezember den Öffentlichen Personennahverkehr ergänzen soll. Zudem soll der Platz für Veranstaltungen der Stadt genutzt werden können. Richtung Hambacher Höhe sind unter anderem ein Parkhaus sowie ein Fahrradparkhaus geplant.
Aber auch der Osten des Areals soll attraktiver werden. „Diese Seite haben wir bei der Planung nie aus den Augen verloren“, betonte Weigel. So wolle die Stadt auch dort künftig mit der Bahn zusammenarbeiten. Um diese Absicht zu unterstreichen, haben die beiden Parteien – neben dem Gestattungsvertrag – gleich noch eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet.
Neues Gleis möglich
Laut dem städtischen Baudezernenten Bernhard Adams läuft 2023 der Pachtvertrag der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) mit dem Mineralölkonzern Esso aus. Die Tankstelle könnte also wegfallen; stattdessen seien dort Parkplätze etwa für Car-Sharing, E-Mobilität, Fahrräder und Autos möglich. Denkbar sei auch, der Bahn Platz für ein neues Gleis 1B freizuhalten. Bevor die Pläne den Gremien vorgelegt werden, müssten sie aber noch mit der WBG und der Deutschen Bahn abgestimmt werden, so Adams. Auch die untere Terrasse, wo aktuell noch geparkt wird, könne neu gestaltet werden.
