Neustadt Bahnfahrer mit Sitzfleisch

Von Erschöpfung ist keinem etwas anzumerken, als Michael „Mike“ Becker (37) und Stefan Janse (33) zwischen ihren Fahrten vor der „Expedition GeForce“ im Holiday Park eine Pause einlegen. Die beiden selbsternannten „Coaster Junkies“, zu Deutsch so viel wie „Achterbahn-Süchtige“, sind schon seit Parköffnung um 10 Uhr auf der Achterbahn unterwegs. In den knapp sechs Stunden haben sie bereits 32 Fahrten hinter sich gebracht und sind noch immer bester Laune. Jeder hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Parkschluss mehr Runden als der andere zu schaffen – auch wenn es nur sehr schwer vorzustellen ist, dass einer der beiden erfahrenen Achterbahnfahrer aufgibt. Die „Expedition GeForce“ zählt zu den bekanntesten Attraktionen des Holiday Parks. 2001 eröffnet, wurde sie vom amerikanischen Fachmagazin „Amusement Today“ bereits elfmal in Folge zur besten Achterbahn Europas und von Fans sogar mehrmals zur besten Achterbahn der Welt gewählt. Mit bis zu 120 Stundenkilometern – bei G-Kräften von maximal 4,5g – rast die „GeForce“ über die Köpfe der Besucher hinweg. Das Besondere an der Achterbahn: die hohe Anzahl und Dauer der sogenannten „Airtimes“, also der Zeiten, in denen der Fahrgast aus dem Sitz gehoben und nur noch vom Gurt gehalten wird. Dadurch entsteht für einen kurzen Moment das Gefühl der Schwerelosigkeit. Auch Mike schätzt den hohen Fahrspaß der „GeForce“ und hat diese deshalb für den spontanen Wettkampf ausgewählt. Der Frankfurter ist schon von klein auf von Achterbahnen fasziniert und fährt auf ihnen seit seinem elften Lebensjahr. Inzwischen hat er mehr als 140 Achterbahnen auf der ganzen Welt befahren und noch lange nicht genug davon. Im August bricht er mit anderen „Coaster Junkies“ zu einer 14 Tage langen Rundreise an die Ostküste der USA auf, um dort insgesamt neun verschiedene Freizeitparks zu besuchen. „Das erste Mal auf einer neuen Achterbahn ist immer etwas Besonderes“, weiß Mike. Trotzdem reizt ihn gerade das mehrmalige Fahren, da man dann ein spezielles Gefühl für die Bahn bekommt. Seine Lieblingsachterbahn, die „Shambhala“ im Port Aventura Park (Salou/Spanien), kennt er so gut, dass er sich sogar einmal bei „Wetten, dass ...?“ bewerben wollte: Mit verbundenen Augen in einen der neun Wagen gesetzt, wollte Mike anhand des Fahrgefühls erkennen, auf welchem der 18 Plätze er gesessen hatte. Am Ende des Tages im Holiday Park hat es nicht ganz für die angepeilten 40 Runden gereicht. Auf jeweils 39 Fahrten mit der „GeForce“ ist jeder der beiden insgesamt gekommen. „Ungefähr mit dieser Zahl hatten wir auch gerechnet. Durch das Anstehen haben wir leider viel Zeit verloren“, bedauert Mike. Eine Wiederholung der Aktion können sich die zwei Achterbahnliebhaber gut vorstellen. Am liebsten wäre den beiden, sie hätten die Bahn einen Tag lang ganz für sich allein und einen Sponsor, der am Schluss, abhängig von den gefahrenen Runden, einen Betrag spendet. „Dann könnten wir die Runden für einen guten Zweck drehen“, fügt Mike lachend hinzu. Für alle „GeForce“-Fahrer hat Stefan außerdem noch einen Tipp: „Auch wenn die Aussicht im ersten Wagen am besten ist, der Fahrspaß ist in den hinteren Wagen am größten. Das liegt an der höheren Geschwindigkeit. Gerade an der ersten Abfahrt brauchen die vorderen Wagen länger, um richtig in Fahrt zu kommen.“