Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgerinitiative macht sich für einstige Prachtstraße stark

Die aktuelle Maximilianstraße.
Die aktuelle Maximilianstraße.

Eine neue Bürgerinitiative will Druck machen: Ihr geht es um das massive Verkehrsaufkommen in der Maximilianstraße. Der Verkehr soll nicht nur zu Rissen in Wänden geführt haben, sondern auch dazu, dass Anwohner nicht mehr im Garten sitzen wollen. Die Stadt möchte helfen, doch ihr sind die Hände gebunden.

Hans-Jürgen Witter kennt die Maximilianstraße seit Kindestagen. Er ist dort geboren und hat fast immer dort gewohnt. Als Witter noch ein kleiner Junge war, sei die Straße noch mit Kopfstein gepflastert und etwa das spätere Karstadt Kaufhaus noch lange nicht geplant gewesen. Mit der Zeit aber sei aus der Stadtstraße eine Hauptdurchgangsader geworden.

„Es kamen nicht nur mehr Fahrzeuge dazu, sondern irgendwann auch die neue Autobahnanbindung Neustadt-Nord, und mit ihr ein reger Lastwagen-Verkehr“, berichtet Witter. Und genau dafür sei die Maximilianstraße schlichtweg nicht gemacht worden. „Wir leiden hier unter Dreck und einem erheblichen Lärm, ich spüre die Vibrationen sogar bis unters Dachgeschoss“, verdeutlicht der geplagte Anwohner. Vor allem zu späterer Stunde seien Autos und Lkw deutlich schneller als mit den erlaubten 50 Stundenkilometern unterwegs.

Überquerung gefährlich

Auf dahingehende Hinweise und Beschwerden habe die Stadt aber bis heute nicht reagiert, betont Witter. Von baulichen Maßnahmen ganz zu schweigen. Weder habe sich bei der Umsetzung des 2017 beschlossenen Lärmschutzaktionsplans in der Maximilianstraße etwas getan, noch stehe Besserung in irgendeiner Form in Aussicht.

Daneben hake es in Sachen Verkehrssicherheit erheblich. Außer an den beiden Ampeln könnten Fußgänger die Fahrbahn kaum noch überqueren. Und wenn er mit seinem Auto die Hofeinfahrt verlassen wolle, vergingen regelmäßig mehrere Minuten, erzählt Witter. Weil außerdem geparkte Autos die Sicht behinderten, sei der ganze Vorgang sehr gefährlich.

Eine Bürgerinitiative um den in der Maximilianstraße ansässigen Geschäftsmann Frank Apfel hat sich genau diese Probleme jetzt auf die Fahne geschrieben. Seit einem halben Jahr treffen sich Anwohner und die, die in der Maximilianstraße arbeiten, regelmäßig, um ihre Forderungen gegenüber der Stadt zu formulieren. Eine Unterschriftenaktion haben laut Apfel bereits mehrere Hundert Unterstützer unterschrieben.

Forderung nach Tempo 30

Zu den Forderungen der Bürgerinitiative gehören eine Tempo-30-Zone sowie entsprechende Kontrollen und eine drastische Reduzierung des Lkw-Verkehrs. „Vielleicht durch eine Mautpflicht Richtung Tal“, schlägt Apfel vor. Immerhin gehe es auch um die Sicherheit der zahlreichen Schüler und Kita-Kinder, die die Maximilianstraße nun einmal queren müssten, und das bei rund 18.500 passierenden Fahrzeugen täglich.

Außerdem, so Apfel, müsse schlichtweg die Lebensqualität wieder erhöht werden. Früher sei die Maximilianstraße eine Prachtstraße gewesen. Natürlich könne und wolle die Bürgerinitiative die Zeit nicht zurückdrehen. Unter den heutigen Vibrationen, den Abgasen und dem Dreck des Straßenverkehrs litten aber beispielsweise auch die Hausfassaden. „Wir haben hier viele Gründerzeitbauten, und seit über 20 Jahren ist die Maximilianstraße eine Denkmalzone“, verdeutlicht Anwohner Hans-Jürgen Witter. In seinem Gewölbekeller zeigten sich inzwischen schon deutliche Setzungsrisse.

Keine schalldichten Fenster

„Außerdem kann ich ja nicht einfach schalldichte Fenster einbauen“, betont Witter. Stattdessen sei es dringend an der Kommunalpolitik, etwas zu unternehmen, um die Maximilianstraße nicht weiter verkommen zu lassen. Im eigenen Garten sei es gar nicht mehr auszuhalten – und von diesen schönen Flecken gebe es hier zur straßenabgewandten Seite hin viele. „Bei schönem Wetter zu Hause draußen sitzen, ist für uns gerade in den Hauptverkehrszeiten leider unerträglich“, so Witter.

Info

Die Bürgerinitiative „Lebenswerte Maximilianstraße“ hat eine Internetseite eingerichtet: www.verkehrsberuhigung.jetzt

Zur Sache: Was die Stadt zu den Beschwerden sagt

Baudezernent Bernhard Adams hat sich mit Vertretern der Bürgerinitiative Maximilianstraße getroffen. „Ich kann die Klagen der Anwohner nachvollziehen und dort, wo die Stadt helfen kann, sind auch Verbesserungen geplant“, so der parteilose Dezernent. Unter anderem würden Kanaldeckel ausgetauscht, um die Lärmbelastung zu reduzieren.

Die Forderung nach Bäumen und verkehrsberuhigenden Bau-Elementen sei nur schwer durchsetzbar, da es sich um eine Bundesstraße (B 38) handele, für die der Landesbetrieb Mobilität zuständig sei. „Eine Bundesstraße braucht eine Breite von 6,50 bis 7 Metern. An den engsten Stellen in der Maximilianstraße haben wir aber nur eine Gesamtbreite von etwa zehn Metern. Da können keine Bäume gepflanzt werden, und für einen Radweg ist leider auch kein Platz“, so Adams.

LBM zuständig

Es sei der Wunsch der Stadt, in Teilbereichen der B 38 Tempo 30 einzuführen. Das sei Bestandteil der Lärmaktionsplanung. „Es gibt Bereiche, wo der Lärmpegel Tempo 30 auch tagsüber erlauben dürfte, aber auch Abschnitte, in denen das Tempolimit nur in den Nachstunden angebracht ist“, erklärt Adams.

Der LBM wehre sich aber dagegen und zweifele die Berechnungen der Stadt aus der Lärmaktionsplanung teilweise an. „Wir sind da mit dem LBM in Speyer im Gespräch. Es ist ein konstruktiver Dialog, so gesehen hoffe ich auf Einsicht.“ Auch wie der Lkw-Verkehr eingedämmt werden könne, müsse der LBM klären.

Adams berichtet, dass es auch Stimmen gebe, die Maximilianstraße als Einbahnstraße für einen Innenstadtring auszuweisen. Den Vorschlag sieht er kritisch: „Das wäre dann auch zweispurig. Da würde viel schneller gefahren.“ Außerdem nehme der Verkehr in der Weststadt damit deutlich zu. Der Vorschlag sei nach der Aufgabe der Tunnel-Pläne für die B 39 mehrmals geprüft und stets verworfen worden.

Ansicht der einstigen Prachtstraße.
Ansicht der einstigen Prachtstraße.
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