Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung bei Ingrid Bürgy-de Ruijter: Kraftvolle Impressionen

Im Atelier von Ingrid Bürgy-de Ruijter: Sophie Casado (links) und Anne Katrin Schreiner.
Im Atelier von Ingrid Bürgy-de Ruijter: Sophie Casado (links) und Anne Katrin Schreiner.

„Le murmure de la nature“ titelt die neue Ausstellung in der buergyderuijter-gallery in Neustadt und die beiden Künstlerinnen Sophie Casado und Anne Katrin Schreiner füllen diesen lautmalerische Titel mit sinnlichen und kraftvollen Impressionen über die Natur und ihre Randzonen.

Schilfgras und Bäume, Elchgeweihe und Leopardenfelle, Wasser und Wald, Luft und Licht, Kraft und Zerbrechlichkeit, Entstehen und Vergehen – die Natur hat viel zu bieten und zum Glück sind die urigen Räume der Galeristin Ingrid Bürgy-de Ruijter groß genug, um die mannigfaltigen Eindrücke auf den Besucher wirken zu lassen.

Denn die in der französischen Auvergne geborene, heute in Landau lebende Malerin und Objektgestalterin Sophie Casado und die in Köln geborene, heute in Frankfurt beheimatete Künstlern Anne Katrin Schreiner schöpfen für ihr Arbeiten aus dem Vollen der Natur und lassen das, was sie wahrnehmen, in ihren Bildwelten weiterwachsen. Dementsprechend wallt und wuchert, mäandert und irrlichtert es durch die einstigen Fabrikhallen in der Winziger Straße 80 bis 82. Das, was man sieht, ist nichts Unbekanntes und doch kann man es nicht so richtig begreifen. Denn beiden Frauen ist nicht an einer naturalistischen Umsetzung der Wirklichkeit, sondern an ihren magisch anmutenden Zwischentönen – den murmures – gelegen.

Meditative Pinselstriche

Bei Sophie Casado, die vor ihrem Kunststudium in Landau und der École Art in Clermont-Ferrand schon Biologie studierte, mischt sich wissenschaftliches Interesse mit sinnlicher Wahrnehmung. Wenn sie mit ihrem Kajak übers Wasser gleitet, dann hat sie vor allem die Uferkante im Blick, beobachtet, wie sich das Schilf im Wind wiegt, wie es knickt, welche Schatten es wirft, welche Durchlässe es erlaubt. Diese Studien werden in ein Skizzenbuch gezeichnet und auf großer Leinwand mit Ölfarben und fast meditativen Pinselstrichen zu sinnlichen Impressionen verdichtet. „Ich suche die Logik im Chaos“, erklärt die Malerin ihre Intention, die sie besonders im Winter, wenn die Bäume kein Laub mehr tragen, auch in den Wald lockt. Hier ist es die Kraft einer Wurzel, die Erhabenheit einer Baumkrone oder die Zartheit einer Samenkapsel, die vor Ort als Vorlage „geborgen“ werden, um dann in Gemälden, aber auch als Papierskulpturen (etwa „Capsules“ oder „Kissen“) zu poetischer Märchenhaftigkeit zu erwachsen.

Auch Anne Katrin Schreiner findet Inspiration in der Natur. Vor allem „das schöpferische Element“ ist ihr dabei wichtig. „Ich spiele sehr viel mit gleichen patterns of the nature“, also mit Mustern der Natur, die sich in verschiedenen Bereichen wiederholen „Ein Vogel kann Ähnlichkeit mit dem Aufbau eines Blattes haben“, ein Hirschgeweih mit einer Baumkrone, ein Leopardenfell mit dem Schattenspiel von Schäfchenwolken. Wie Sophie Casado sieht auch Anne Katrin Schreiner „eine Logik, die in der Natur steckt“. Aber während die Französin diese „Ordnung“ mit mystischer Wahrnehmung durchdringt, wird sie von ihrer deutschen Malerkollegin in spielerisch-experimenteller Weise in viele Einzelteile zersetzt und immer wieder neu aufgebaut. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinn, denn Schreiner arbeitet mit Schere und Papier. Das fertige Bild ist also eine Gesamtkomposition aus übereinandergeschichteten, oft bunt bemalten, manchmal grell besprühten Scherenschnitten.

Skizzen aus dem Fundus

Jede Arbeit besteht aus vielen einzelnen Gedankenskizzen, Zeitungsausschnitten oder Fotos, die Schreiner in ihrem Fundus sammelt und – oft über Jahre hinweg – als kolorierte Collagen zu neuen Bildwelten zusammenfügt. „Irgendwann stimmt die Logik“, lacht Schreiner und ergänzt: „Zum Schluss muss da aber immer etwas sein, das die Harmonie stört, das irritiert, mich selbst erstaunt“. Diese latenten Brüche und Spannungen ziehen freilich auch den Betrachter in ihren Bann. Denn je länger er ein Bild bestaunt, um so dreidimensionaler wird sein Charakter und umso turbulenter wird die Geschichte, die sich daraus in immer neuen Varianten spinnen lässt. Plötzlich sieht man in einem Strauch ein Pferd, eine Pflanze wird zum Kopfschmuck, eine Wiese zur Wasseroberfläche, die Haut eines Leguans zum grafischen Muster. So wird die Natur in einer ausgedienten Fabrikhalle zu einem verheißungsvoll murmelnden Sehnsuchtsort.

Info

„Le murmure de la nature“; Werke von Sophie Casado und Anne Katrin Schreiner bis 31. August in der buergyderuijter-gallery, Winzinger Straße 80 – 82 in Neustadt. Mittwoch 15 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung

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