Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Haßloch stammender Fußballer Marc Volkmer lebt auf Hawaii

Es gefällt ihnen in ihrem Paradies auf Kauai, der Garteninsel: Marc Volkmer, seine Frau Christie und seine Tochter Valentine.
Es gefällt ihnen in ihrem Paradies auf Kauai, der Garteninsel: Marc Volkmer, seine Frau Christie und seine Tochter Valentine.

In der Fußball-Bezirksliga Vorderpfalz beginnen die Auf- und Abstiegsrunde. Wenn der VfB Haßloch und der 1. FC 08 Haßloch spielen, liegt Marc Volkmer im Tiefschlaf. Er ist der wohl am weitesten von Haßloch entfernt wohnende frühere Fußballspieler aus dem Großdorf. Volkmer erzählt Thomas Dill-Korter, dass er sogar als Schauspieler aktiv war.

Herr Volkmer, wie kam es dazu, dass Sie auf Hawaii wohnen?
Ich bin im Jahr 2000 dank eines Fußballstipendiums zum Studieren an die Oklahoma-City-Universität gegangen. Dort hab ich dann meinen Bachelor und Master gemacht und in der Zeit auch meine Frau Christie kennengelernt. Nach 16 Jahren in Oklahoma sind wir dann 2016 mit unserer Tochter nach Hawaii umgezogen, genauer gesagt auf die Insel Kauai, die wegen ihrer Pflanzenvielfalt auch „die Garteninsel“ genannt wird. Hier ist alles etwas ländlicher und ruhiger als zum Beispiel in der Großstadt Honolulu auf der Insel Oahu. Mittlerweile bin ich hier selbstständig. Meine Familie und ich genießen das Wetter, den Strand und die Wanderwege hier so oft wie möglich.

Haben Sie sich schnell eingelebt? Oder hatten Sie zunächst noch Heimweh?
Natürlich vermisst man Familie und Freunde, aber zum Glück konnte ich während des Studiums in den Semesterferien immer wieder nach Deutschland reisen. Als Berufstätiger ist das dann aber schon etwas schwieriger. Und so schaffen wir es etwa nur alle drei bis fünf Jahre, mal wieder nach Haßloch zu kommen.

Was gefällt Ihnen am Leben in den USA besser? Und was ist schlechter als in Deutschland?
Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, was ich nicht vermisse, ist die deutsche Bürokratie. Aber im Gegensatz dazu vermisse ich deutsche Feste, insbesondere die Pfälzer Weinfeste. Im Allgemeinen kann man die pfälzische Geselligkeit wohl nirgendwo anders so finden. Im Gegensatz zu Paul Kuhns Lied gibt es aber Bier auf Hawaii.

Bekommen Sie noch mit, was in Haßloch passiert?
Ja, ich telefoniere sehr oft mit meinem Vater Winfried und auch noch mit meiner Oma Rosemarie. Über diverse soziale Medien habe ich auch noch Kontakt zu anderen Familien und einigen Freunden in der Pfalz. Und außerdem habe ich immer noch ein Online-Abo der RHEINPFALZ.

Sie stammen aus einer traditionsreichen Haßlocher Fußballfamilie. Ihr Großvater Walter Volkmer und dessen Vorfahren waren Urgesteine des 1. FC 08. Ihr Vater Winfried wechselte zu Beginn seiner Zeit als Aktiver von den 08ern zum VfB, in dessen Ü60-Mannschaft er immer noch spielt. Wie verlief Ihre Karriere bis zum Umzug in die USA?
Für den VfB habe ich nie gespielt. Ich bin bei 08 groß geworden, habe von der F- bis zur A-Jugend alle Jahrgänge durchlaufen, bevor ich dank der Stichtagsänderung ab 1997 noch zwei Jahre für Phönix Schifferstadt in der A-Junioren-Regionalliga Südwest spielen konnte. Danach folgte noch ein Jahr in der aktiven Mannschaft von 08, bevor es mich dann in die USA verschlagen hat.

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an diese Zeit?
Meine schönsten Erinnerungen sind die Meisterschaft der C-Junioren-Bezirksliga Vorderpfalz, die wir mit nur einem Verlustpunkt und einem Torverhältnis von 132:8 erreichten, und die beiden anschließenden Jahre in der B-Junioren-Verbandsliga Südwest mit Peter Schlegel im ersten Jahr als Trainer und meinem Vater im zweiten. Uns hatte damals kaum einer den Klassenverbleib zugetraut, und nach zehn Spieltagen befanden wir uns auf einem der ersten vier Tabellenplätze. Martin Schlegel, Marko Speicher und ich haben damals prima harmoniert. Außerdem waren Spiele gegen den FSV Mainz 05 und den 1. FC Kaiserslautern immer Höhepunkte, besonders wenn einem gegen Torwart Roman Weidenfeller, einen der späteren Weltmeister von 2014, ein Treffer gelang.

Verfolgen Sie noch die Ergebnisse der Haßlocher Mannschaften?
Na klar. Mittlerweile kenne ich zwar keine Spieler von den aktiven Mannschaften der Haßlocher Vereine mehr, aber die Ü32- und Ü40-Spielgemeinschaften interessieren mich sehr. Denn da spielen nicht nur alte Mannschaftskollegen mit, sondern auch noch meine zwei Cousins Markus und Mario Schmidt.

Sind Sie auch auf Hawaii dem Fußball noch verbunden? Wie ist der Fußball dort organisiert?
Ich habe eine Tochter namens Valentine. Sie ist acht Jahre alt und spielt hier in der Jugendliga in einer U10-Jungenmannschaft. Fußball ist in den USA der beliebtste Sport für Kinder. Vor allem viele Mädchen streben den Erfolgen der Frauennationalmannschaft nach. Ich spiele auch noch in einer Herrenmannschaft, aber da unsere Insel nur etwa 73.000 Einwohner hat, ist es schwer, eine eigene Liga aufrechtzuerhalten. Momentan gibt es drei Mannschaften. Der Altersschnitt ist wohl Ende 20. Aber allein in unserer Mannschaft haben wir vier Spieler über 40. Wir trainieren einmal pro Woche. Bei konstant angenehmen 24 bis 29 Grad ist das halt auch sehr gut ganzjährig möglich.

Möchten Sie für immer in den USA bleiben?
Oder ist eine Rückkehr nach Deutschland möglich?Meine Frau und ich leben nach dem Motto „Sage niemals nie“. Momentan gefällt es uns hier im Paradies. Vergangenes Jahr hatten wir zum Beispiel die Ehre, dank unseres Bekannten, des Drehbuchautors und Regisseurs Mike White, an der Fernsehsatire „The White Lotus“ als Schauspieler mitzuwirken. Aber wenn unsere Tochter ein wenig älter ist, kann es sein, dass das Leben auf einer kleinen Insel ein wenig langweilig wird. Dann schauen wir mal, was das Leben so bringt.

Interview: Thomas Dill-Korter

Termine

Der VfB Haßloch empfängt am Sonntag, 15 Uhr, als Vorletzter der Bezirksliga-Aufstiegsrunde den SV Rot-Weiß Seebach. Der 1. FC 08 Haßloch tritt zur gleichen Zeit in der Abstiegsrunde beim noch punktlosen Schlusslicht SC Bobenheim-Roxheim an. Zur Zeit des Anpfiffs ist es übrigens auf der Hawaii-Insel Kauai 4 Uhr am Morgen.

Abstiegsrunde Landesliga Ost: FC Fortuna Mombach - SV Geinsheim (Sonntag, 15 Uhr); Abstiegsrunde A-Klasse Rhein-Mittelhaardt: FSV Schifferstadt II - TuS Diedesfeld (Freitag, 19.30 Uhr).

Marc Volkmer spielt auf Kauai in einem Herrenteam.
Marc Volkmer spielt auf Kauai in einem Herrenteam.
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