Neustadt Aus dem Stand zu den Sternen
Sie haben sprichwörtlich den Vogel abgeschossen: Mit ihrer Kollektion, die sie zum ersten Mal beim Vinum Weinguide angestellt haben, landeten Yvonne Libelli und Martin Lucas einen Volltreffer. Ihre Rieslinge verblüfften die Verkoster derart, dass sie die Geschwister nicht nur als Entdeckung des Jahres 2019 in ihren neuen Führer aufnahmen, sondern ihre Kollektion mit zwei Sternen dekorierten – ein Novum in der Weinwelt. Der Margarethenhof ist durchgestartet. „Da waren wir selbst überrascht, als wir von diesem Ergebnis erfuhren“, berichtet Martin Lucas (29). Auch seine drei Jahre ältere Schwester hatte mit diesem Urteil nicht gerechnet. „Es zeigt, dass wir mit der aktuellen Philosophie nicht falsch liegen“, meint Libelli. „Mehr Tiefe, mehr Substanz und mehr Biss im Wein“, heißt ihre Devise. „Wir wollen den Riesling trockener, als unser Vater ihn gemacht hat“, erzählt Libelli. Die frühere Weinprinzessin der Verbandsgemeinde Deidesheim ist gemeinsam mit ihrem Bruder Martin stets auf der Suche, den Weinen ihre gemeinsame Handschrift zu geben. Dazu gehört, dass sie auch auf die Klassifikation der Lagen setzen. „Die Spitze“ heißt die Riesling-Kollektion mit jeweils einem Riesling aus den besten Lagen wie Ungeheuer, Musenhang, Pechstein, Jesuitengarten und Elster. Die beiden jungen Leute wissen, wovon sie sprechen. Sie sind nicht nur experimentierfreudig, sondern sie besitzen auch schon Erfahrung im Keller. Martin Lucas, geprüfter Weinbautechniker, der seine Ausbildung bei den Weingütern Bassermann-Jordan (Deidesheim), Egon Schmitt (Bad Dürkheim) und Münzberg (Landau-Godramstein) absolviert hatte, verantwortet seit 2011 den Keller im elterlichen Weingut. Seine Schwester Yvonne trägt nach der Ausbildung im Weingut Weegmüller (Neustadt-Haardt) und Weingut Wittmann (Westhofen), ihrem Studium für Weinbau und Oenologie an der Hochschule in Geisenheim sowie Praktika in Kalifornien, Südtirol und Neuseeland unter anderem im Keller des Weinbaubetriebes der Lebenshilfe in Bad Dürkheim die Verantwortung. Und da ist noch Nicola Libelli, der Ehemann von Yvonne, der als Kellermeister im Weingut Bürklin-Wolf in Wachenheim tätig ist. „Natürlich reden wir auch nach Feierabend über Wein, auch wenn Nicola nicht in unseren Betrieb involviert ist“, meint Libelli. „Der Keller ist die eine Seite, aber die Grundlage für unsere Weine wird in den Lagen rund um Forst gelegt“, meint Martin Lucas. Keine einfache Aufgabe. Schließlich bewirtschaftet der Margarethenhof 17 Hektar Rebfläche und produziert jährlich 140.000 bis 150.000 Flaschen Wein. 80 Prozent sind Weiß- und 20 Prozent Rotweine, die zu 70 Prozent an Endverbraucher verkauft werden. Gemeinsam mit ihrem Vater Franz, der seit 2013 ausschließlich auf die Selbstvermarktung setzt, gehen sie auch in der Bewirtschaftung moderne Wege. „Wir haben viele Ideen. Es ist noch Luft nach oben, denn wir wollen auch noch effizienter werden“, sagt Libelli. So ist sie auch froh, dass ihre Mutter Elisabeth sich noch um den Verkauf und das Büro kümmert. In den nächsten beiden Jahren will sie Schritt für Schritt ganz in den elterlichen Betrieb, den sie in vierter Generation führen, zurückkehren. „Spätestens 2020 wollen Martin und ich uns ganz um den Betrieb kümmern“, sagt Libelli. In den vergangenen sieben Jahren haben sie schon einiges verändert. Die Behandlung des Lesegutes erfolgt inzwischen viel schonender als zuvor. „Wir lesen wesentlich mehr mit der Hand“, erzählt Yvonne Libelli. Sämtliche Beeren kommen in Boxen, werden dann schonend gepresst. Nur gesundes und reifes Lesegut soll verarbeitet werden. Ein Grund, weshalb auch mehrere Vorlesen stattfinden, um höchste Qualitäten zu erreichen. Und die vergorenen Weine sollen dann möglichst lange auf der Fein- oder Vollhefe lagern. Sie geben den Weinen einfach die Zeit, sich zu entwickeln. Besonders bei den Rieslingen ist dies zu spüren. Sie überzeugen durch ihre Ruhe, Tiefe und Vielschichtigkeit. Genau jene Eigenschaften, die Libelli und Lucas im Sinn haben.