Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Auria Lambrecht: Laut Betriebsrat steht Schließungstermin bereits fest

Auria Solutions schließt den Standort Lambrecht.
Auria Solutions schließt den Standort Lambrecht. Foto: Mehn

Der Betriebsrat der Firma Auria Solutions in Lambrecht hat am Dienstag mit großem Befremden auf den an diesem Tag veröffentlichten RHEINPFALZ-Bericht über „Schließungspläne“ für den Standort reagiert. Die Sache sei längst entschieden, es gebe bereits einen Termin für die Schließung, so der Betriebsratsvorsitzende.

Bernd Bay, Vorsitzender des Betriebsrats von Auria Solutions in Lambrecht, war, gelinde gesagt, erstaunt, als er am Dienstag in der RHEINPFALZ las, Auria Solutions „prüfe eine Schließung des Standorts“ in Lambrecht. „Das ist längst beschlossene Sache“, macht er deutlich. Warum die Pressestelle des Automobilzulieferers in den Vereinigten Staaten in diesem Stadium der Entwicklung die Schließung lediglich als „Möglichkeit“ bezeichne, könne er überhaupt nicht verstehen. Doch auch die Mitarbeiter seien „hingehalten“ worden.

Vorläufiger Schließungsplan

Der Betriebsrat sei bereits im April darüber unterrichtet worden, dass es Überlegungen zur Schließung gebe. Im Rückblick ist Bay der Meinung, dass die Entscheidung schon zu diesem Zeitpunkt gefallen war. Inzwischen liege ein vorläufiger Schließungsplan vor, demzufolge der Standort bis spätestens Juni nächsten Jahres geschlossen werden soll. Bay ist allerdings der Meinung, dass es etwas länger dauern wird. „Bei dem Zeitplan wurden einige Fakten ignoriert“, kritisiert er. So müssten die Kunden informiert werden, und die Verlagerung der Produktion müsse vorbereitet werden. Bay hält deshalb das dritte Quartal 2020 für realistisch.

Die Mitarbeiter seien am 10. Oktober offiziell über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt worden. „Das war ein großer Schock“, betont Bay. Zahlreiche der derzeit 87 Mitarbeiter – in der Produktion sind es ausschließlich Männer – seien bereits sehr lange bei dem Unternehmen, das mehrfach Namen und Besitzer geändert hat und letztlich auf die Heinrich Häussling KG zurückgeht. „Viele haben in jungen Jahren bei Häussling angefangen und sind mittlerweile zwischen 25 und 30 Jahren dabei“, so Bay. Nicht wenige Mitarbeiter hätten sich im Unternehmen hochgearbeitet und weiterqualifiziert, aber nie eine Berufsausbildung absolviert. Das Durchschnittsalter sei hoch, Bay schätzt es auf etwa 51 Jahre. Auch er selbst arbeite bereits seit 37 Jahren bei der Firma. Die Häussling KG war einst mit bis zu 400 Mitarbeitern die größte Arbeitgeberin in Lambrecht.

„Schwere Zeiten für Mitarbeiter“

„Auf die Mitarbeiter kommen jetzt schwere Zeiten zu“, macht Bay deutlich. Jetzt müsse ein Sozialplan und ein Interessensausgleich ausgearbeitet werden. Auch werde überlegt, Alternativvorschläge zu den Schließungsabsichten zu präsentieren. Am 13. November sei ein erstes Gespräch mit der Verhandlungskommission, der Vertreter der Geschäftsleitung aus der Deutschland-Zentrale sowie Vertreter des Betriebsrats und der IG Metall angehörten.

Zu den Gründen der Schließung sagt Bay: „Das war eine politische Entscheidung.“ Zwar sei es zutreffend, dass es bei einem Großauftrag für Opel einen Rückgang um zwei Drittel des Volumens gegeben habe. In Lambrecht werden Fußbodenbeläge für das Modell Insignia hergestellt. Was Bay kritisiert: „Es ist nicht versucht worden, ein Ersatzgeschäft nach Lambrecht zu holen.“

SPD-Abgeordnete schaltet sich ein

Möglichkeiten hat es aus seiner Sicht gegeben. So sei wegen des bevorstehenden Brexits ein Teil der Produktion aus Großbritannien abgezogen worden. Davon profitiert habe allerdings nicht Lambrecht, sondern der Osten Europas. Auria Solutions hat seinen Hauptsitz in London und beschäftigt weltweit knapp 7000 Mitarbeiter an 27 Produktionsstandorten.

Besorgt über die Entwicklung in Lambrecht hat sich am Dienstag auch die SPD-Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß gezeigt. Sie kündigte ein Gespräch mit den Vertretern des Betriebsrates sowie der IG Metall an.

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