Handball
Aufstieg in Gefahr: Innere Leere wegen 13 Minuten bei der TSG Haßloch
Der Stachel sitzt tief bei der TSG Haßloch. Noch kurz vor Mitternacht war die Enttäuschung bei den Spielerinnen und ihrem Umfeld deutlich anzusehen. Statt Aufstiegsparty herrschte Tristesse. „Der Weg zum Aufstieg war bereitet, dementsprechend sind wir alle sehr enttäuscht“, klagte Teammanager Peter Wingerter. „Egal wie es jetzt kommt, wir werden wieder angreifen. Mit dieser Qualität der Mannschaft gehören wir in die Dritte Liga“, so der 59-Jährige, der zunächst eine innere Leere verspürte.
Ob die „Bärinnen“ auf Schützenhilfe hoffen können, da blieb Wingerter zurückhaltend: „Wir warten ab“. Zum Feiern war weder den Spielerinnen noch dem Staff zumute. Statt Schampus gab es das eine oder andere Frustbier. So blieb die Bühne mit einem eigens engagierten DJ im TSG-Sportzentrum so gut wie leer. Niemand hatte Lust, die Saison feiernd und tanzend nach der Niederlage im letzten Heimspiel der „verlängerten“ Saison ausklingen zu lassen.
Crunchtime wird zum Problem
Bis 13 Minuten vor dem Abpfiff schien die Welt noch halbwegs in Ordnung, nachdem die Gastgeberinnen nochmals durch Katharina Scheid zum 22:22 ausgleichen konnten. Denn zuvor lag Haßloch um Kapitänin Ina Bühl noch kurzzeitig in Front und durfte vom Aufstieg träumen. Dabei war Haßloch gegen die Gäste aus der Nähe von Stuttgart über weite Strecken mit den Gastgeberinnen auf Augenhöhe, kämpfte sich nach Rückständen immer wieder zurück, in der Crunchtime fehlte der letzte Punch.
Larissa Bürkle und Linda Leuckert, die beiden Topwerferinnen, die zusammen 22 der 34 Tore erzielten, waren nicht zu stoppen. „Als wir zehn Minuten vor Ende mit drei hinten waren, war bei vielen der Kopf nicht mehr da, sie haben immer öfters auf die Anzeige geschaut“, sagte der sportliche Leiter Marvin Gerdon. „Die Enttäuschung ist heute unfassbar brutal. Wir waren auf den Aufstieg fokussiert“, so der ehemalige Drittliga-Spieler. „Trotzdem kann jede Spielerin in den Spiegel schauen, wir haben im Wesentlichen das umgesetzt, was wir vorgenommen hatten. Wir kamen auch heute gut ins Spiel, aber wir haben zu viele Tore aus der zweiten Reihe bekommen“, klagte Gerdon. Cheftrainer Marc Robin Eisel wurde konkreter: „Ich glaube nicht, dass wir heute die schlechtere Mannschaft waren, aber mit 29 Fehlwürfe und 34 Gegentoren gewinnt man kein Spiel“.
TSG-Frauen hadern mit sich selbst
Nach dem Spiel wurde es in der Kabine emotional. Das Trainerteam hatte dort sein Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass der Aufstieg nicht direkt geschafft wurde. „Das habe ich noch nie erlebt, dass die Trainer uns gesagt haben, dass es ihnen so leidtut, dass wir es heute nicht geschafft haben. Damit hatten wir nicht gerechnet“, bestätigte Maike Fetzner. „Die Chance war da, wir haben gekämpft, aber leider nicht die Bälle reingeworfen“, so die Rückraumspielerin.
Auch Lucy Krein, Anführerin und Torjägerin, wirkte hin- und hergerissen. „Es tut sehr weh. Wir haben Lust auf Dritte Liga“, so die bald 28-jährige Pädagogin. „Die Mannschaft, der Sport liegt mir so sehr am Herzen, ich hätte mich für die Mädels, aber auch für das Team im Hintergrund und für die Fans, die so viel für uns getan haben, sehr gefreut“, betonte Eisel. Trotzdem habe die Mannschaft Vereinsgeschichte geschrieben. Mit der Meisterschaft in der Regionalliga erzielte sie die dritte Meisterschaft innerhalb von zehn Jahren seit der Gründung der Frauen-Mannschaft. Ob der fünfte Aufstieg folgen wird, bleibt abzuwarten. „Sicherlich sind wir enttäuscht, aber wir können auf das, was wir bis heute erreicht haben, stolz sein. Wir haben eine tolle Saison gespielt, jede von uns hat alles gegeben. Ich ziehe viel Positives aus meiner ersten Saison in Haßloch“, erzählt Lourdes Joao.
Aufstieg von vielen Faktoren abhängig
Noch ist die endgültige Entscheidung, wo Haßloch in der kommenden Saison spielen wird, nicht gefallen. Die TSG ist auf Schützenhilfe von Frisch Auf Göppingen oder TSV EBE Forst United angewiesen. Wenn eines der beiden Teams gegen HC Schmiden/Oeffingen gewinnt, wären die Bärinnen trotz der zwei Niederlagen drittklassig. Doch es gibt Zweifel.
Erst im letzten Spiel trifft Göppingen auf HC Schmiden/Oeffingen. Und sollten die Mädels von der Alb zuvor die beiden Partien gegen TSV EBE Forst für sich entscheiden, dann ist für sie die letzte Partie nach dem vorzeitigen Aufstieg bedeutungslos und dies dürfte dem HC Schmiden/Oeffingen in die Karten spielen. „Ich sehe unsere Chance bei 30 zu 70 für einen Aufstieg mit Schützenhilfe von Göppingen“, meinte Eisel nüchtern. Da ist Peter Wingerter nicht so optimistisch. Schmiden/Oeffingen habe in der Regionalliga Baden-Württemberg bereits eine Partie in Göppingen für sich entschieden. Trotzdem bleibe noch ein Fünkchen Hoffnung.