Neustadt Auf Achse im „rollenden Hotel“

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Bei eingefleischten „Rotelianern“ gibt es nur einen Grundsatz. „Einmal und nie wieder – oder einmal und immer wieder“, heißt es für die Neulinge im rollenden Hotel. Solche „Rotels“ stehen in Form roter Reisebusse auf jedem Kontinent für abenteuerlustige Weltenbummler bereit. Ernst Meininger jedenfalls weiß seit über 40 Jahren genau, zu welcher Gruppe er sich selbst zählt. „Einmal und immer wieder“ reisen echte „Rotelianer“ So hat der 68-jährige Haßlocher noch immer die Worte seines damaligen Kollegen bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Speyer im Ohr: Freiheit. Ein rollender Hotelbus. Übernachten in der Schlafkabine unterm indischen Sternenzelt. „Unbedingt ausprobieren“ sollte jeder diese besondere Form des Reisens, habe der Mann „in den leuchtendsten Farben geschwärmt“. Als hätte er jeden einzelnen Fahrtkilometer seines Kollegen auf der mehrwöchigen Reise live miterlebt, ratterte es auch im Kopf von Ernst Meininger. Klares Ergebnis der Grübelei: „Das muss ich machen.“ Im Reisekatalog blätternd, wurde dem bereits fertig ausgelernten jungen Mann klar, dass er bei seiner Premiere lieber noch in Europa bleiben will. Die rund 800 Mark für zwei Wochen konnte er aufbringen - heute ist man bei einer Reise im „Rotel“ mit rund 90 Euro am Tag dabei. Seine spätere Ehefrau Roswitha verzichtete auf die campingartige Tour, ließ ihren Freund dafür in den Osterferien allein dem Fernweh nachgeben: 14 Tage Italien sollten es werden. Mit Bus und Schlafkabinenanhänger quer durch den Süden. „Drei-Tages-Tasche“ statt Drei-Tage-Bart Mit dem Zug in München angekommen, staunte Ernst Meininger am Treffpunkt nicht schlecht. In diesem imposanten roten Bus würde er nun also einen Großteil des Urlaubs verbringen. Männer wie Frauen jeden Alters, aber auch Paare freuten sich auf die begrenzt komfortable Tour: „Das muss einem schon liegen.“ Doch wohin mit Rasierzeug, Buch und Deoroller? Was „Rotelianer“ wirklich brauchen, um nicht 72 Stunden ungepflegt auf dem Polstersitz zu verharren, bringt ein Reiseleiter den Neulingen sofort bei. Da das limitierte Gepäck platzsparend in der Bodenluke verstaut wird, darf jeder Passagier nur eine „Drei-Tages-Tasche“ mit dem Nötigsten aus dem „großen“ Koffer mit in den Busraum nehmen. „Wenn es nicht um lebensnotwendige Medikamente geht, hat man sonst bis zur nächsten Kofferausgabe Pech gehabt“, weiß Meininger. Kleine Pause, große Ziele, ruhige Träume, wenig Platz Das Reisen an sich ähnelt am Tag einer gewöhnlichen Busfahrt. Nur die „kleine Pause“ kann, wie Meininger betont, höchstens alle zwei Stunden stattfinden. Viel öfter hält das „Rotel“ an der Wegstrecke für Besichtigungen, oft auch Erkundungstouren fernab der üblichen Wege. Abends wird ein Campingplatz oder Hotel mit Strom und Wasser angesteuert. Beim Aufklappen des Anhängers müssen Gäste mit anpacken, der Fahrer „mutiert“ zum Koch. Für die schubladenähnliche Schlafkabine im dreistöckigen Anhänger, in dem es in heißen Gefilden wie Australien auch mal bis zu 60 Grad Celsius heiß werden kann, sollte man frei von Platzangst und größeren Behinderungen sein. Nur 70 Zentimeter hoch und breit ist eine Etagenkoje, die durch eine Trennwand wahlweise in ein „Doppelzimmer“ umgewandelt und über Tritte erreicht werden kann, und ein kleines Stück länger als ein normales Bett. „Meistens bekomme ich doch wieder eine Kabine oben, weil ich ganz gut reinklettern kann“, berichtet Meininger. Am Kopfende gibt es ein Fenster. Vor neugierigen Blicken und Insekten schützen ansonsten nur Vorhänge. „Früher waren die aus dickem Filz, heute sind sie leichter und moderner“, so Meininger. „Aber ansonsten hat sich das Konzept nie geändert.“ Einmal um die halbe Welt, aber immer „auf Achse“ Sein Kollege aus Speyer behielt Recht. Bei „einmal Rotel“ würde es auch bei Ernst Meininger nicht bleiben. Zwar legte er nach der Premiere eine arbeits- und familientechnische Reisepause ein. Aber in den 90er Jahren zog er mit Sohn Thomas los: Zwei Wochen USA sogen Vater und Sohn in den Bann der Busgemeinschaft. „Viele Ältere, teils über 80 Jahre, reisen mit“, berichtet Meininger. Das habe ihn anfangs gewundert. „Aber oft sind die dann fitter als Jüngere.“ Mit dem Hubschrauber über den Grand Canyon fliegen ergänzte das Busfahren um ein Abenteuer zum Erzählen. Seit dem Ruhestand erlebt Meininger noch mehr: drei Wochen Südafrika. Safaris und eine Elefantenherde in sieben Metern Entfernung vom Bus sorge „für viel Abenteuer-Adrenalin“. Eine Panne blieb bisher aus. Den Fuß auf jedem Kontinent und in allen Ozeanen baden 2012 rollte der rote Bus mit Ernst Meininger an Bord durch Norwegen, samt Lofoten, und Finnland. Ein Jahr später legten die Mitreisenden in vier Wochen 10.000 Fahrtkilometer in Australien zurück, natürlich auch zum zentral gelegenen Ayers Rock. Seine digitalen Speicher sind nach einer solchen Reise um über 2000 neue Bilder reicher, die ihr Besitzer regelmäßig aussortiert und ordnet. In diesem Jahr waren zwei Wochen Spanien dran. Im Frühjahr 2018 will Meininger - der außer den „Rotel“-Trips auch mit seiner Frau per Flugreise oder regulärem Reisebus in Urlaub fährt - sich noch einen „Rotel“-Traum erfüllen und vier Wochen durch Südamerika rollen: „Ich habe vor, meine Füße einmal auf jeden Kontinent zu setzen und in allen Ozeanen zu baden.“ Noch Fragen? „Rollende Hotels“ im Internet: www.rotel.de; persönliche Blogs auf reiseblog.rotel.de

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