Maikammer
„Außergewöhnliches Setting“ bei Premiere des Vereins „Maikammer Jazz“ mit „Triovision“
Der musikalische Part der Vereinspremiere kam von der Formation „Triovision“, ein Trio, wie der Bandname vermuten lässt, das sich gelegentlich zum Quartett erweitert. Obwohl „Triovision“ seit seiner Gründung 2011 schon einige Konzerte gegeben hat, bot das Premierenkonzert von „Maikammer Jazz“ auch für die Band zwei Premieren: „Das hatten wir noch nie, dass Applaus und Jubeln vorher geübt wird“, sagte Sebastian Wind, Schlagzeuger von „Triovision“. Das mit dem Applaus und Jubeln üben gehörte zur etwas eigenwilligen Begrüßung von Mark Felix Rettberg und Bodo Redner, Gründungs- und Vorstandsmitglieder von Maikammer Jazz. Und wäre nicht notwendig gewesen, denn „Triovision“ überzeugte musikalisch.
Eingeschränkte Sicht
Die Bühne stehe deshalb mitten im Raum, weil „außergewöhnliche Settings“ Teil des Konzepts von Maikammer Jazz seien, sagte Mark Felix Rettberg, Vorsitzender des Vereins. Der Standort hatte aber auch einen praktischen Grund. Der Maikammerer Gemeindesaal hat durchaus etwas von Jazzkellern, doch ist im hinteren Teil des Saals die Akustik eher bescheiden und im vorderen Teil kein Platz für eine Bühne. Zwar hätte man sie auch an den beiden Seiten des Saals aufbauen können, doch wäre das kein „außergewöhnliches Setting“ gewesen.
Für die Zuhörer war das teilweise etwas problematisch. Nicht nur, dass man von den meisten Plätzen einen Teil der Musiker nur von hinten sah, auch die Musik klang an verschiedenen Plätzen recht unterschiedlich, vor allem das von Roman Nagurski gespielte Klavier kam an einigen Plätzen nicht wirklich gut an. Was etwas schade war, aber die Musik von „Triovision“ nicht wirklich beeinträchtigte.
Zeitgenössisch, nicht zu elektronisch
Das Repertoire besteht aus Kompositionen verschiedener Musiker des zeitgenössischen Jazz, die aktuellen Jazz mit elektronischen Elementen verbinden, ohne dabei allzu zeitgenössisch oder allzu elektronisch zu sein. So etwa das Stück „Seven Days of Falling“ des schwedischen Esbjörn Svensson Trios, dessen sich steigernde Intensität der Tonfolgen von Sebastian Wind am Schlagzeug, dem Bassisten Joschka Pressler und dem Pianisten Roman Nagurski sehr ausdrucksvoll gespielt wurde.
Überwiegend spielten die Musiker sehr melodische, ruhige und dadurch eingängige Stücke, denen man entspannt zuhören konnte. Etwa „Ode“, eine Komposition des amerikanischen Jazzpianisten Bred Mehldau, die mit einem sanft dahin perlenden Klavier-Solo begann, in das Bass und Schlagzeug sich einklinkten. Nur gelegentlich sind in den Stücken Anklänge an traditionellen Jazz zu hören, so klang beispielsweise in „The Pines“, eine Komposition des britischen Fusionmusikers Bill Laurence, gelegentlich etwas Swing durch.
Saxophon ergänzt hervorragend
Die drei Musiker ergänzten sich sehr gut; die Instrumente gingen aufeinander ein, griffen Klänge der beiden anderen auf, sodass ein harmonisches Klangbild entstand. Bei einigen Stücken wurde das Trio durch den Saxophonisten Joachim Stopp zum Quartett. Durch ihn kamen zusätzlich Akzente in die Musik; sie wurde dichter, ausdrucksvoller, lebhafter.
„Maikammer Jazz“ wolle nicht nur Musik präsentieren, sondern Veranstaltungen mit faszinierenden Künstlern, einem außergewöhnlichen Setting und einem begeisterten Publikum, so Vereinsvorsitzender Rettberg. Das Publikum, das am Freitagabend zahlreich in den Gemeindesaal gekommen war, war begeistert. Während und nach den Stücken gab es immer wieder verdienten Beifall für die Musik. Und am Ende wurde ausdauernd geklatscht, worauf „Triovision“ zwei Zugaben spielte.
Immer am zweiten Freitag in ungeraden Monaten will „Maikammer Jazz“ zu Konzerten einladen. Das nächste ist für 8. November mit „Jazz against the Machine“ geplant. Wo das Konzert sein wird, ist noch nicht klar.