Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Asylcafé: Wenn sich viele Nationen begegnen

Menschen aus unterschiedlichen Nationen kommen einmal im Monat
Menschen aus unterschiedlichen Nationen kommen einmal im Monat

Seit 2016 gibt es das Asylcafé in Maikammer. Geflüchtete können sich hier ungezwungen treffen und austauschen. Dass in dem Projekt viel Arbeit und Herzblut steckt, berichtet die Initiatorin Martina Garrecht bei einem Besuch vor Ort.

„Möchtest du ein Fahrrad haben?“: Martina Garrecht strahlt den Jungen an, der soeben mit seinen Eltern den Raum betreten hat. Er müsse erst Rad fahren lernen, gibt dieser verlegen zur Antwort, scheint sich aber über das Angebot sehr zu freuen. „Es gibt hier eine Fahrradgarage, in der Leute ihre Räder abgeben können, die sie nicht mehr brauchen“, sagt Garrecht, die das Asylcafé in Maikammer organisiert. Denn dank des E-Bike-Booms würden einem herkömmliche Fahrräder praktisch hinterhergeworfen. Der Junge und seine Eltern, die aus der Türkei stammen, seien schon richtig gut integriert, berichtet Garrecht.

Währenddessen unterhalten sich die Drei bereits angeregt mit ehrenamtlichen Mitarbeitern und mit den anderen Besuchern, die nach und nach eintreffen, es wird viel gelacht. Einmal im Monat findet in den Räumen des Jugendtreffs Maikammer das Asylcafé statt. Organisiert wird das Projekt vom Arbeitskreis Flüchtlinge Maikammer (AFM).

Seit sieben Jahren bestehe das Café, erzählt Martina Garrecht, die als ehrenamtliche Helferin von der ersten Stunde an dabei ist. Ein Jahr zuvor hatten die Aktiven „überlegt, wie wir Ehrenamtliche und Geflüchtete zusammenbringen können“, sagt die 56-Jährige. Eine Begegnungsstätte für geflüchtete Menschen in Form eines Cafés schien die optimale Lösung zu sein.

Zu wenige Ehrenamtliche

Die Idee der Initiatoren war, mit einem Stamm von fünf oder sechs Leuten das Projekt zu einem Selbstläufer zu machen, sagt Garrecht. Der Haken an der Sache: Es gibt viele Geflüchtete, aber zu wenige Ehrenamtliche. Denn die Verantwortung für das Café zu übernehmen, davor schreckten die Leute dann doch zurück, so die Maikammererin. Zugleich betont sie, dass glücklicherweise aktuell zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen die Räume jeweils vorbereiten, Kaffee kochen und hinterher auch wieder aufräumen.

Mittlerweile hat sich das Café gut gefüllt, Menschen aus unterschiedlichen Nationen erfreuen sich an Kaffee, Kuchen oder frischem Obst. Die Mitarbeiter unterhalten sich mit Frauen, Männern und Kindern; etliche der Besucher werden wie alte Freunde begrüßt.

Dass es das Asylcafé gibt, erfahren die Geflüchteten meist direkt, wenn sie in Maikammer ankommen, berichtet Garrecht. Svenja Fassbender, die Integrationsbeauftragte in der Verbandsgemeinde Maikammer, begleitet den Einzug der Geflüchteten und informiert die Menschen über das Angebot. Aber auch im örtlichen Nachrichtenblatt finden sich immer Infos vom AFM.

„Papierkram“ großes Problem

Nach zwei Jahren Pause aufgrund von Corona sei der Angriffskrieg auf die Ukraine wieder ein „Auslöser“ für das Café gewesen, berichtet Garrecht. Zu Beginn seien viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ins Asylcafé gekommen. Zurzeit seien die Herkunftsländer „wieder gemischt“. Dabei stellen nach ihren Angaben Menschen aus Syrien oder Afghanistan die Mehrheit, aber auch die Türkei, Somalia, Irak und Iran sind vertreten. Die Frauen sind dabei derzeit in der Überzahl.

An ihrem Tisch haben inzwischen vier Frauen Platz genommen und werden von der Helferin herzlich begrüßt. „Das Problem ist zurzeit hauptsächlich der Papierkram“, sagt Garrecht. Die Geflüchteten müssten viele komplizierte Antragsformulare ausfüllen, was bereits für Menschen mit Deutschkenntnissen ein enormer Aufwand sei. Ganz zu schweigen davon, wenn diese Kenntnisse fehlten. Die Ehrenamtlichen wie Martina Garrecht nehmen sich deshalb in ihrer Freizeit der Menschen an. Ein Büroraum fehle genauso wie ein Sozialarbeiter, sagt sie. „Und so mache ich das alles in meiner Küche zuhause: Anträge ausfüllen, Schulanmeldungen, Impftermine.“ Das kostet viel Arbeit und Zeit.

Doch dass sich dieses Engagement lohnt, zeigt die ausgelassene Stimmung im Café. „Manche Familien bezeichne ich mittlerweile sogar als Freunde“, sagt die Helferin.

Und was wünscht sie sich für die Zukunft? „Mein Herzenswunsch wäre, dass so ungezwungene Begegnungen auch auf der Straße gelebt werden, und dass die Menschen in Kontakt miteinander kommen.“

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