Neustadt Arthouse: Die Tänzerin

Neustadt. Dieses Leben hat darauf gewartet, filmisch erzählt zu werden: 1892 schifft sich die 30-jährige Vaudeville-Künstlerin Loïe Fuller von New York nach Europa ein, um mit ihrem neu entwickelten Tanz aufzutreten und ihn patentieren zu lassen. Ihr Serpentinentanz, bei dem Fuller mit Bambusstöcken und wirbelnden Bahnen aus hauchdünnen Seidenstoffen eine Art Schleiertanz vollführte, war während der Belle époque sehr in Mode. Die Ausdruckstänzerin inspirierte den Maler Toulouse Lautrec und wurde von den Gebrüdern Lumière schon 1895 gefilmt. Fuller stieg zum Star der Folies Bergères und der Pariser Oper auf, gründete eine Tanzschule, arbeitete als Choreographin und befreundete sich mit der jüngeren Tänzerin Isadora Duncan. Doch ihre kräftezehrenden Auftritte ruinierten ihre Gesundheit. Der Film zeigt diese realen Vorkommnisse, nimmt sich daneben aber viele Freiheiten; so wird Fuller einen unglückliche Kindheit angedichtet, und auch ihre Beziehung zu Duncan war möglicherweise weniger ungut als hier gezeigt. Hinreißend sind die Tanzszenen, die einer multimedialen Performance ähneln. Denn Fuller entwarf ausgeklügelte farbige Lichteffekte und beschäftigte 25 Bühnentechniker, die ihre wirbelnden Bewegungen ausleuchteten. Neben der französischen Punkrock-Sängerin Soko als Fuller ist Johnny Depps Tochter Lily-Rose als tanzende Isadora Duncan ein ansehnlicher „Spezialeffekt“. Termine Heute um 17.30 und 20 Uhr in der Kunstfilmreihe „Arthouse“ im Neustadter Roxy-Kino. |chy