Deidesheim
Architekturkritiker Wolfgang Bachmann legt seinen ersten Krimi vor
Recht angenehme Berührungspunkte findet Nelly aus Haßloch an Horst Kupferschmid. Der Prokurist der Ludwigshafener Rhein-Bau AG hatte geschäftlich in der Nähe des Massagesalons zu tun und traute sich erstmals, sich dort verwöhnen zu lassen. Kurz davor hat er noch mit Markus Bender, einem Karlsruher Architekten gesprochen. Bender ist einer dieser Architekten, die sich zuerst als Künstler fühlen. Praktischer Nutzen und Häuser, die den Geschmack von Laien treffen, sind ihm egal. Deshalb ist er sehr genervt, als ihm Kupferschmid eine Studie vorlegt, die zeigen soll, was Laien gefällt. Denn Kupferschmid will den Geschmack seiner Kunden bedienen und seine Häuser teuer verkaufen. Spannend wird die Geschichte, weil Nelly den Prokuristen fotografiert und erpressen wird.
Im Gespräch mit dem Autor wird klar, dass Bachmann aus jahrzehntelanger Erfahrung schöpft, wenn es um Architektur und die ewigen Auseinandersetzungen zwischen Baufirmen, Architekten, Hauskäufern und Bauherren geht. „Diese Studie, die den Kundengeschmack erforschen soll, gibt es wirklich“, sagt er. Und vieles, das im Buch zwischen den verschiedenen Figuren der Baubranche in Dialogen gesagt wird, habe er tatsächlich so gehört, versichert er. Offenbar gibt es zwischen den Beteiligten nicht viele Berührungspunkte.
Architekturdebatte oder Krimi – was dominiert?
Etwas stutzig macht Bachmann, dass der Rezensent das Buch offenbar ganz anders gelesen hat, als vom Autor intendiert: „Ich wollte den ernsthaften Hintergrund populär darstellen und zeigten, was Bauträger und Architekten diskutieren“, erklärt er. Der Rezensent, völlig ahnungslos in Sachen Architektur und Baubranche, hat das Buch als Krimi im Rotlichtmilieu gelesen, mit einigen Einsprengseln zum Thema Architektur. Und das geht auch sehr gut, denn Bachmanns Erzählstil hat alles, was ein guter Krimi braucht. Die Charaktere sind gut gezeichnet, Nelly hat durchaus sympathische Züge, ihr Macker, genannt Fetzer, ist ein Macho, der sich für ein kriminelles Genie hält. Gerade diese Überheblichkeit führt zu einigen sehr amüsanten Passagen.
Es gibt zwei Stellen in der 275 Seiten langen Geschichte, in denen wohl vorwiegend Architekten ihren Spaß haben. Krimileser werden das Gefühl haben, dass das Tempo der Handlung unnötig ausgebremst wird. Hier sei verraten, dass der Rezensent ein-zwei Seiten überblättert hat – was problemlos geht, denn für den Verlauf der Handlung spielen die Gedanken zur Architektur keine Rolle.
Hätte da nicht ein Lektor den Gedankenfluss ein wenig lenken können? „Ich hatte sogar zwei Lektoren, aber die stehen wohl der Architektur zu nahe“, sagt Bachmann. Ihm ist das Thema auch wichtig. „Ohne Architektur hätte ich die Geschichte zu banal gefunden, das hätte dann jeder schreiben können“, sagt er – hat aber nicht recht. Denn das wäre dann immer noch ein sehr gut geschriebener Krimi. Aber Bachmann wollte auch Leute ansprechen, die mit Architektur zu tun haben. So wird das Buch auch in diesen Kreisen beworben. „Ich habe da ein bisschen einen pädagogischen Ansatz und wollte erklären, was ich in meinem Beruf kennengelernt habe“, erklärt er. Tatsächlich gibt es noch einen kurzen Essay als Abspann: „Berührungspunkte oder: Architektur hassen“ sind die knapp neun Seiten überschrieben. Wer sich für Architekturkritik interessiert, kann das lesen. Mit dem Essay hat das Buch 286 Seiten, es gibt einige Zeichnungen, die die architektonischen Teile der Geschichte illustrieren.
Zum Autor wäre noch Folgendes nachzutragen: Wolfgang Bachmann, geboren 1951 in Ludwigshafen, hat Agrarwissenschaften und Architektur studiert, 1981 promovierte er über „Die Architekturvorstellungen der Anthroposophen“. Er arbeitete für die Zeitschrift „Bauwelt“ in Berlin, wurde Chefredakteur, dann Herausgeber von „Baumeister“ in München. Sein erster, 2019 erschienener Roman „Alles Geier! Eine Farce über Architektur, eine Zeitschrift und einen Verlag“ wurde ebenfalls an dieser Stelle vorgestellt. Bachmann lebt seit 2015 in Deidesheim.
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