Neustadt „Arbeit, die kaum jemand gerne macht“

Für Jennifer Schöler, Toilettenfrau beim Deidesheimer Advent (hier mit Hündin Emma vor den Toiletten unter der Stadthalle), sind
Für Jennifer Schöler, Toilettenfrau beim Deidesheimer Advent (hier mit Hündin Emma vor den Toiletten unter der Stadthalle), sind die Münzen, die Kunden in eine kleine Schale werfen, das Einkommen.

«Deidesheim.» „Freundlichkeit ist das Wichtigste. Man muss den Kunden einfach zuhören können und sollte bei dem großen Andrang, den ich hier immer wieder erlebe, ruhig und gelassen bleiben“, sagt Schöler. Dabei macht die 35-jährige Mutter von drei Töchtern auch kein Geheimnis daraus, dass auch der eine oder andere sich schon einmal respektlos vor den Toiletten verhalten habe. „Es gibt immer wieder Personen, die versuchen, sich vorzudrängen. Dann kommt es mal zu Diskussionen.“ Meist hilft ein gutes Zureden. Die Frau aus Lambrecht liebt ihre Arbeit. Sie ist schon seit Jahren selbstständig im Bereich Reinigung, Pflege und Betreuung, will dieses Tätigkeitsfeld ausweiten. Deshalb habe sie sich vor über drei Jahren nach einem Hinweis einer Bekannten bei der Tourist-Info in Deidesheim beworben und bekam für die Weinkerwe sowie den Weihnachtsmarkt immer wieder den Zuschlag. „Ich bin gerne in Deidesheim“, sagt Schöler. Man kennt sie auch inzwischen. Ihre Arbeit wird nicht weniger. Denn der Andrang bei den Toiletten, die sie „in Schuss hält“, wird immer größer. „Hier auf dem Weihnachtsmarkt gibt es vier Toilettenanlagen, aber ich habe das Gefühl, hier in die Stadthalle kommen immer mehr Leute“, meint Schöler. „Die Sauberkeit und der Service, das ist bei mir das A und O.“ Sie zieht ihre Handschuhe an und begibt sich in die Damentoilette. Dort wischt sie mit einem sauberen Lappen ab und desinfiziert mit biologischen Reinigungsmitteln, die sie selbst beschafft, die Toiletten. Viele ihrer Kunden, die an diesem Abend über die Wendeltreppe der Stadthalle ins Untergeschoss gehen, loben sie. Und die meisten werfen einige Cent oder Euro in die grüne Kunststoffschale, die auf dem Tisch neben der Treppe steht. Aber nicht jeder wirft dort Münzen hinein. „Die meisten Kunden schon“, sagt Schöler. Sie sieht dieses Münzen keinesfalls als Entgelt für die Nutzung der städtischen Toiletten, sondern vielmehr als eine Anerkennung dafür, dass die Gäste saubere Toiletten vorgefunden und mit ihrer Arbeit zufrieden waren. Die Münzen sind ebenfalls ihr Einkommen. Von der Tourist-Info erhält sie für diese Tätigkeit keine Aufwandsentschädigung. Schöler klagt nicht, sie ist mit dem, was ihre Kunden in die grüne Schale werfen, zufrieden. Man spürt auch ihre Bescheidenheit. Sie fordert niemanden auf, etwas zu geben. „Entweder jemand möchte was geben oder eben nicht. Das ist eine Frage der Einstellung.“ Deshalb bleibt ihr Stuhl am Tisch neben der Treppe, um das Ganze zu beaufsichtigen, leer. Sie hat auch kaum Zeit, um sich einige Minuten hinzusetzen. Manchmal sitzen dort ihre Töchter und beaufsichtigen ihren kleinen Hund. Jennifer Schöler ist stets in den Herren- und Damen-Toiletten unterwegs. „Nach jedem zweiten Kunden schaue ich nach der Sauberkeit, reinige und desinfiziere sofort“, erzählt Schöler, die stets wegen der Hygiene immer wieder frische, blaue Handschuhe bei ihrer nichtalltäglichen Arbeit trägt. Ihr ist keine Arbeit zu viel. „Ich muss aber ein Auge darauf haben, dass kein Unfall passiert“, sagt sie. Was meint sie damit? Sie möchte keinesfalls, dass jemand derart verunreinigt sein stilles Örtchen verlässt, so dass der nachfolgende Kunde es als ein Ekel empfindet, dort seine Notdurft zu verrichten. „Ich weiß, es ist eine Arbeit, die kaum jemand gerne macht. Aber zu einer guten Gastronomie gehören auch saubere Toiletten. Dafür will ich sorgen“, sagt sie mit Blick auf die Bewirtung im Foyer der Stadthalle und im Café-Bistro Dieden’s. Die junge Mutter ist schon im dritten Jahr beim Deidesheimer Weihnachtsmarkt für die Reinigung der Toiletten im Untergeschoss der Stadthalle zuständig. Eine Tätigkeit, die sie jeweils freitags und samstags von 16.30 bis 21.30 sowie an den Sonntagen von 10.30 bis 21.30 Uhr ausübt. Doch macht sie kein Geheimnis daraus, dass sie lieber an den beiden Containern bei der Weinkerwe das Sagen hat. „Da bin ich an der frischen Luft, da habe ich mehr Bewegung. Das Publikum ist aber das gleiche. Hier hat mancher etwas zu viel Glühwein getrunken und eben da oben neben dem Deidesheimer Hof einfach ein paar Weinschorle zu viel“, erzählt Schöler, die gerne mit ihren Kunden ins Gespräch kommt. „Es ist immer schön, wenn man für das, was man tut, noch ein gutes Wort erfährt.“

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