Neustadt Angst ist ein schlechter Ratgeber

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„Die kriegen mich nicht klein!“ Trotzig steht sie da, die 15-jährige, mitten in der Pubertät: Die Arme hat sie vor der Brust verschränkt, die Lippen kampflustig nach vorne gestreckt. Es geht darum, ob und wie lange sie heute Abend Ausgang hat. Die Eltern sind in Sorge, wegen der Vorkommnisse von Silvester in Köln und anderswo. Können sie die Jugendliche noch alleine fortgehen lassen? Kann man das noch verantworten? Recht haben sie beide! Die Jugendliche – und die Eltern. Letztere, weil sie genau die Gefahren sehen, denen die Tochter ausgesetzt ist und weil sie wissen: Man kann sich letzten Endes vor so etwas nicht schützen! Da hilft nicht mehr Polizei. Da hilft nicht mehr Überwachung. Da helfen keine härteren Strafen. Es gibt Risiken im Leben, gegen die kann man sich nicht absichern – es sei denn, man geht ihnen wenn möglich aus dem Weg. Recht hat aber auch die Jugendliche. Denn es kann ja nicht sein, dass nur noch die Angst diktiert, was zu tun und zu lassen ist. Es kann ja nicht sein, dass die Freiheit einer jungen Bürgerin nur noch Makulatur ist, weil verbohrte und alkoholisierte Horden junger Männer Angst und Schrecken verbreiten. Auch das ist Terror und man muss diesem Terror entgegentreten, wo man ihn antrifft. Was aber heißt das für uns und für unsere Jugendliche? Ich denke, zuerst muss man sich klar machen, dass sie die richtige Haltung hat! Denn Angst ist ein schlechter Ratgeber! Die richtige innere Einstellung habe ich im Januar-Monatsspruch der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) in Berlin gefunden: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Paulus schreibt das seinem Freund Timotheus, dessen Freiheit wohl auch von mancher Seite bedrängt wird. Es ist gut, wenn sich unsere Jugendliche – und nicht nur sie – von diesem Geist der Kraft leiten lässt und sich nicht ängstlich verkriecht. Es wird aber auch gut sein, wenn sie auf den Geist der Besonnenheit achtet – und sich dazwischen den richtigen Weg sucht, hin zu einem frohen und gelingenden Jahr 2016! (Archivfoto: LM) Der Autor Markus Diringer, ist evangelischer Pfarrer in Lambrecht und Lindenberg.

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