Neustadt Am Rande der Bande:
Ein Hauch von Hollywood weht durch das Neustadter Stadionbad: Die Spiele der ersten Wasserballmannschaft des SC Neustadt haben Blockbuster-Qualität. Denn laut SCN-Manager Michael Heinz sind sieben der acht Teams in der B-Gruppe annähernd gleich stark. Und Heinz hat als Losung für die laufende Saison ausgegeben: „Mindestens Platz vier nach Abschluss der Hauptrunde der B-Gruppe.“ Rang vier oder besser erlaubt Relegationsspiele in der Zwischenrunde zum Aufstieg in die A-Gruppe. Gelingt der Aufstieg nicht, ist aber zumindest Heimrecht beim ersten Spiel der Abstiegsrunde garantiert. Also gilt es, in den nächsten Wochen bei den kommenden Heimpartien keine Punktverluste einzufahren. Denn auswärts sieht es mitunter düster aus für die Pfälzer. Bislang stehen schon drei Niederlagen in der Fremde auf dem Konto. Gegen Wedding Berlin, Neukölln Berlin und in Duisburg gab es Auswärtsniederlagen, gegen Potsdam verloren die Pfälzer sogar zwei wichtige Heimpunkte. Also muss der SCN zu Hause nachlegen, damit der Anschluss an die vorderen Plätze der B-Gruppe gehalten wird. Ein unverzichtbares Mittel ist daher für Trainer Davorin Golubic die Analyse der jeweiligen Begegnungen. Und da kommt jetzt „Hollywood“ ins Spiel. Genau in der Mitte des Spielfeldes platzieren die Pfälzer während ihrer Heimspiele eine Videokamera auf einem Stativ auf der Tribüne. Die Kameramänner wechseln sich bei jeder Partie ab. Der „Regisseur“, also Coach Davorin Golubic, beauftragt damit überwiegend Nachwuchsspieler. Beim letzten Heimspiel vor der Winterpause gegen die Wasserfreunde Fulda übernahm Nico Berger den Platz hinter dem Stativ. Der 18-Jährige spielt seit sieben Jahren Wasserball. Vater Ingolf Berger engagiert sich als Trainer beim SCN. Mutter Grit Berger sitzt oft am Protokolltisch und schreibt die Ereignisse akribisch mit. Und Nico verfolgt durch die Linse der Kamera die Spielzüge. Er versucht, alle entscheidenden Szenen zu erwischen und kommentiert leise die jeweiligen Nummern auf den Badekappen ins Mikrophon. Das soll das Auswerten des Spiels erleichtern. „Man muss beim Filmen hochkonzentriert sein, um alles mitzubekommen. Denn die Situationen wechseln im Wasserball bekanntlich sehr schnell“, erklärt Nico. Er sitzt dann jeweils dienstags mit den Nachwuchswasserballern und den Stammspielern der Bundesliga-Mannschaft im Clubheim. Dann ist Premiere für den „Film der Woche“. Der Dienstag wird deshalb zum Filmabend, weil dieser Tag am besten in den wöchentlichen Trainingsrhythmus passt. Nach einem Samstagsspiel ist am Sonntag relaxen angesagt, dafür wird am Montag entsprechend hart trainiert. Der Dienstag ist eher zum Entspannen gedacht, nach dem Film wird noch eine Stunde im Becken gearbeitet. Doch vorher geht auf der 1,50 mal zwei Meter großen Leinwand die Post ab. In hervorragender Aufnahmequalität erleben die Spieler das Match noch einmal mit. „Der Trainer sucht sich vorher schon die entscheidenden Stellen heraus“, erklärt Nico Berger. Seine Erkenntnisse bei der Videoanalyse: „Man sieht, welche Fehler bei der Übernahme der jeweiligen Positionen gemacht wurden. Oder wie wir die Vorgaben des Trainers umgesetzt haben.“ Immerhin geht es im Clubhaus, anders als in manchen Kinos, eher gemütlich zu. „Das gemeinsame Betrachten eines Spiels dient auch der Teambildung“, betont Nico Berger. (kle)