Neustadt Am Rande der Bande:

Placeholder-Image

Was Kurt Büttler, Bundestrainer für Rasenkraftsport, in Haßloch am Leichtathletikstadion auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen lassen. Auf dem gegenüberliegenden Gelände, das die Leichtathleten von der Firma Ball Packaging zur Verfügung gestellt bekommen haben, hat Büttler seit seinem Ruhestand vor rund drei Jahren einen kompletten Wurfplatz angelegt. Sorgfältig mit Absperrband gesichert, können hier die starken Jungs und Mädels seiner TSG-Spezialwurf-Abteilung ungestört mit Hammer, Steingewichten und Diskus auf Weitenjagd gehen. Büttler hat aus dem verwilderten Acker mit seinen tiefen Bodenlöchern durch regelmäßige Pflege einen fast englischen Rasen gemacht. „Alle fünf Tage“, betont er, fährt er mit dem Rasentraktor über die Halme. Und weil Büttler keine halben Sachen macht, hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen. Die Werfer müssen während der Wettkämpfe ihre Geschosse schließlich immer in einem bestimmten Sektor zu Boden gehen lassen. Eine Übung, das sieht man auch oft bei Fernsehübertragungen, die selbst gestandenen Athleten Probleme bereitet. Der Normalfall bei Wettbewerben ist, dass dieser Sektor vorher mit einem stabilen Plastikband mühsam gekennzeichnet werden muss. Büttler dagegen hat einen Sektor mit Kegel markiert, die im Boden verankert sind. Auf die Kegel steckt er die Markierungsschilder, die gleichzeitig zur Orientierung bei den erzielten Weiten dienen. Dass er die Schilder jedes Mal entfernt, bevor er mäht, bereite ihm keine Mühe. Es wäre viel umständlicher, den Sektor mit einem Band zu markieren, meint er. Mit seinen 68 Jahren kennt der quirlige Haßlocher noch keine Grenzen. Wie viele Stunden er täglich auf „seiner“ Anlage verbringt, hat er zumindest nicht verraten. (kle) Einmal ganz nah dran an den Profis sein, davon träumen viele kleine Fußballer: Am Dienstagabend ist dieser Traum für Nachwuchskicker des VfL Neustadt vor dem Freundschaftsspiel des 1. FC Kaiserslautern beim Verbandsligisten VfL Neustadt an der Haidmühle in Erfüllung gegangen. Hand in Hand sind sie mit den berühmten Roten Teufeln aufs Spielfeld gelaufen. Der zehnjährige Tarik Duman und sein Mannschaftskollege Dimitri Vathylakis aus der Neustadter E-Jugend sind zwei von ihnen. Die beiden sind in gelbe VfL-Trikots gekleidet. Das bedeutet, dass sie die FCK-Spieler auf den Rasen begleiten dürfen. Bevor es losgeht, ist vor allem Tarik aufgeregt. „Ich möchte mit Lakic einlaufen“, hofft der Zehnjährige, der eigentlich dem FC Bayern München die Daumen drückt, darauf, den FCK-Kapitän zu begleiten. Sein Teamkamerad Dimitri bleibt da gelassener. „Ich bin nicht aufgeregt. Ich habe ja alle schon mal gesehen“, meint der Jugendspieler. „Nur der Torwart sollte etwas nervös sein, weil er mit Tobias Sippel auflaufen darf“, sagt Teamkollege Artur zum erst siebenjährigen Torsteher Alessandro. Als die FCK-Profis vom Aufwärmen auf dem Rasen zurückkommen, merkt man dann doch allen Jungs die Nervosität an. Schüchtern halten sie ihre Hände zum Abklatschen hin. Als die FCK-Profis darauf reagieren, ist vor allem der Handschlag mit Lakic gefragt. Wenige Minuten vor Spielbeginn kümmern sich noch einmal die Mütter der Jungs und VfL-Jugendtrainer Berthold Loy um die Einlaufkinder. „Es war etwas problematisch wegen den Ferien, so viele Kinder zu organisieren“, erzählt der Jugendtrainer. Als die Mannschaftsaufstellung durchgegeben wird, hören die VfL-Nachwuchskicker genau zu. Kurz darauf kommen auch schon die Spieler aus der Kabine. Tarik läuft mit Sebastian Jacob ein. Dimitri mit Srdjan Lakic. Auf dem Rasen lachen die Einlaufkinder in die Kameras, winken und rennen schnell wieder vom Rasen. „Jacob hat mir gesagt, dass ich einmal nach hinten und einmal nach vorne winken soll“, erzählt Tarik. Das sei noch mal etwas anderes, wenn man dann wirklich mit den Spielern einlaufe, gibt der Zehnjährige zu. Dimitri erzählt stolz von seinem kurzen Gespräch mit seinem Lieblingsspieler Lakic: „Er hat mich gefragt was ich mache und ob ich gut bin.“ Für Loy ist indes besonders wichtig, dass die Jüngeren der Gruppe mit den FCK-Spielern auflaufen. „Sie sind dann noch begeisterter als die Größeren, die vielleicht schon einmal auf dem Betzenberg waren“, meint der Jugendtrainer. Während des Spiels sind die Einlaufkinder dann rund um das Spielfeld unterwegs. Mit aufgeschlitzten Fußbällen sammeln sie Geld für die Jugendkasse oder verkaufen frisch gebackene Brezel. Nach dem Abpfiff haben dann auch die zahlreichen anderen Kinder und Erwachsenen die Möglichkeit, ihren Idolen näher zu kommen. Die scheuen keinen Kontakt, schreiben zahlreiche Autogramme und posieren für Fotos. (nhe) Viele FCK-Fans kennen ihn, den Anhänger der Lauterer Fußballer mit dem rot bemalten Kopf. Matthias Gehring wohnt in Mannheim, betont aber, dass er Pfälzer sei. Und seit gut 26 Jahren verfolgt er die Spiele der Roten Teufel mit rotem Kopf. Doch plagen ihn manchmal auch Probleme beim Fußballgucken, manchmal wird er tatsächlich blass dabei – und das ganz unabhängig von den Leistungen der Kicker auf dem Rasen. „Meine ärgsten Feinde sind extrem heiße Witterung und Sturzbäche vom Himmel“, verrät er grinsend. (sab) Und noch einmal zurück zum VfL Neustadt und dem 1. FC Kaiserslautern: Der Abend bedeutet viel Arbeit für den Neustadter Verein. Rund 60 Helfer seien im Einsatz, erzählt der Vorsitzende Jürgen Johannes, der von der guten Atmosphäre an der Haidmühle angetan ist. Unter den Helfern sind auch die Mütter der Neustadter C- und B-Jugend-Kicker, die nicht nur 20 Kuchen selbst gebacken haben, sondern sie auch selbst verkaufen. „Das funktioniert ohne große Vorbereitung“, erzählen Tanja Rausch, Silvia Leonhard, Brigitte Obenaus und Stephanie di Lernia. „Wir organisieren das immer bei Veranstaltungen.“ Und das Geld werde dann den Junioren zur Verfügung gestellt. Die Kuchen müssen geschmeckt haben. FCK-Teammanager Roger Lutz kommt schon vor dem Anpfiff mit vollem Mund vom Kuchenstand zurück. „Lecker“, bestätigt er kauend. „Insgesamt ist es aber schon ein Mordsaufwand“, betont Johannes. „Aber ich wusste nach 2010, was ich zu machen habe.“ 2010 hatte es ein Benefizspiel für eine neue Haardter Turnhalle zwischen dem damaligen Erstligisten 1. FC Kaiserslautern und dem Zweitligisten FSV Frankfurt an der Haidmühle gegeben. Mit einer bösen Überraschung im Nachhinein: In der Nacht nach jenem Benefizspiel hatten Langfinger drei Kühlschränke, eine Gefriertruhe und zwei Bräter gestohlen. Diesmal, so Johannes, seien sämtliche Geräte noch am gleichen Abend weggeräumt worden. (sab)

x