Neustadt Altenheim bei Aldi-Markt?

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Timon-Projektentwickler Ernst Hennrich ärgert sich über die Neustadter Stadtverwaltung: „Wir haben im Juli 2013 angefragt und immer noch keine Entscheidung.“ Die Timon-Gruppe betreut 130 Gewerbe-Immobilien im In- und Ausland. Unter anderem hat sie die „Tortenschachtel“ in Ludwigshafen gekauft und will dort das frühere Kaufhof- und Karstadt-Gebäude abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Für die 7000 Quadratmeter große Neustadter Industriebrache zwischen Eduard-Jost-Straße und Gutleuthausstraße hat Timon eine Kaufoption. Geplant sind ein Seniorenpflegeheim mit 120 Betten sowie 40 bis 45 barrierefreie Wohnungen. Timon hat bereits einen Mieter: Die Casa-Reha-Gruppe, einer der größten privaten Altenheim-Betreiber Deutschlands. „Wir wollen viel Geld investieren, um das Gebiet städtebaulich aufzuwerten“, erklärt Hennrich und versteht nicht die zögerliche Haltung der Stadt. Anke Priester, Referentin von Oberbürgermeister Hans Georg Löffler (CDU), erklärt auf Anfrage, dass mehrere Fachabteilungen intensive Gespräche mit Timon geführt hätten: „Aufgrund der diffus bebauten Umgebung und der baulichen Dimension des beabsichtigten Altenwohn- und Pflegeheimes ist ein Bebauungsplanverfahren notwendig.“ Wegen der Nähe zur Bahn und der Vornutzung seien ein Schallschutzgutachten und eine Altlastenuntersuchung vorzulegen. Der Oberbürgermeister plane, das Projekt dem neu konstituierten Bauausschuss sobald als möglich vorzulegen. Die Firma Fütterer reinigte auf dem Gelände einst Tanks und Kanister der amerikanischen Streitkräfte. Das Grundstück liegt direkt an den Schienen gegenüber dem Aldi-Markt in der Speyerdorfer Straße. Nach Angaben von Hennrich liegt das Altlastengutachten bereits vor. Es habe 20.000 Euro gekostet. Die Schallschutzuntersuchung sei ebenfalls beauftragt. Auch Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer ist in die Gespräche eingebunden. Die Unterbringungskosten in einem Pflegeheim setzen sich aus dem Pflegesatz und einen Investitionskostenanteil zusammen. Bei bedürftigen Bewohnern, die Anspruch auf Grundsicherung haben, muss die Stadt diesen Anteil zahlen. „Der Investitionskostenanteil war uns zu hoch und ist nach konstruktiven Gesprächen reduziert worden“, erklärt Röthlingshöfer. Der Sozialdezernent wundert sich über das Vorhaben: „Es gibt im Umland von Neustadt ein Überangebot im Pflegebereich. Casa-Reha muss wissen, was sie tun. Es ist nicht unsere Aufgabe, Überkapazitäten zu verhindern.“ Der Markt sei derzeit für die Betreiber sehr attraktiv. Es vergehe kein Monat, zu dem nicht ein Unternehmen der Pflegebranche bei der Stadtverwaltung anfrage. „Wir müssen dabei aufpassen, dass wir uns nicht die Überalterung künstlich schaffen. Ein Studentenwohnheim wäre mir an dem Standort lieber“, erklärt Bürgermeister Röthlingshöfer. Am Zug sei jetzt aber die Bauabteilung der Stadt. Timon-Projektentwickler Ernst Hennrich kann die Bedenken nicht teilen: „Die Nähe zur Innenstadt macht den Standort ideal für uns. Und die Nachfrage nach Pflegeheimen wird in den kommenden Jahren weiter steigern.“ (wkr)

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