Neustadt Als „Nichtschwimmer“ in die Bundesliga

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Neustadt. Auch „Nichtschwimmer“ können im Wasserball etwas erreichen. Der 16-jährige Maikammerer Benedikt Hummel spielt seit fünf Jahren beim SC Neustadt. Anders als die meisten Mannschaftskameraden hat Hummel vorher keine „Kacheln gezählt“ beim normalen Schwimmtraining, sondern ist gleich in den Mannschaftssport eingestiegen. In dieser Saison spielt er in der Bundesliga-Mannschaft des SSV Esslingen in der B- sowie der A-Jugend.

Für einen Wasserballer ist Hummels sportliche Vorgeschichte durchaus als kurios zu bezeichnen. Er begann als Sechsjähriger mit dem Turniertanzen. Damals hat er einen Freund zum Training der Tänzer begleitet und gemerkt, „Tanzen ist cool“. So cool, dass er es bei Schwarz Gold Pforzheim zu mehreren baden-württembergischen Landesmeisterschaften der D- und C-Klasse gebracht hat. Schließlich tanzte er auch ein Jahr beim TSC Saltatio im TV Mußbach. Vor fünf Jahren erlag der Oberstufenschüler des Gymnasiums Edenkoben der Faszination Wasserball. „Anfangs bin ich den Teamkollegen immer zwei Bahnen hinterhergeschwommen“, gesteht er. Seine Methode, den Anschluss zu bekommen: „Ich habe einfach versucht, Gas zu geben, aber trotzdem nie ein spezielles Schwimmtraining absolviert.“ SCN-Jugendtrainer Peter Kuhn hat dabei genau die richtige Dosis Lob und Kritik gefunden, um die Jungs zu motivieren. „Ich habe schließlich von den älteren Mitspielern am meisten gelernt und mir einfach abgeguckt, wie ihre Wurftechnik war“, sagt Hummel. Im Vorjahr stand er auch wiederholt im Bundesliga-Kader des SCN. Doch zum Einsatz kam er erst, als die Stammspieler beim Spiel in Potsdam nach Hinausstellungen nicht mehr zur Verfügung standen. „Da wurde ich auf der Bank schon ziemlich nervös, denn ich merkte, es wird eng, wenn die Kollegen nach drei Fouls komplett aus dem Wasser müssen.“ Schließlich war es im letzten Viertel so weit. Trainer Janusz Gogola schickte den Nachwuchsspieler ins Wasser. Gogolas Urteil nach dem Spiel: „Der Benedikt hat gut mitgehalten.“ Und Hummel meint: „Ich wollte unbedingt zeigen, was ich kann. Mein Ziel war, keinen Gegenspieler vorbei zu lassen. Das ist mir gelungen.“ Der Jugendliche mit den Leistungsfächern Geschichte, Biologie und Deutsch orientierte sich früh noch weiter nach oben. So fiel er bei einem Turnier den Esslinger Trainern auf, die ihn zum Probetraining einluden. Weil Hummel vor zwei Jahren auf ein Stuttgarter Sportinternat gemusst hätte, zögerte er damals noch mit diesem Schritt. „Nun wollte ich schon einmal ein Jahr in der höchsten Jugendspielklasse antreten. Leider waren jetzt alle Plätze auf dem Sportinternat belegt“, erzählt Hummel. SCN-Manager Michael Heinz unterstützte die Pläne des Talents, das nun in der laufenden Saison für Esslingen in der U17-Bundesliga antritt. So fährt Hummel jeden Mittwoch zum Training nach Esslingen, die restlichen Tage trainiert er mit dem SCN-Erstliga-Team. Um 15.20 Uhr fährt der Zug in Landau ab, zurück ist Benedikt Hummel um Mitternacht. „Die weite Fahrt schreckt schon ab, doch das Training macht Spaß“, erklärt er. Mit der „Bahncard 50“ kostet ein Trainingsbesuch 20 Euro. Er vertreibt sich die Zeit in der Bahn mit einer Deutsch-Lektüre, die im Leistungskurs schließlich meist ziemlich umfangreich ist. Hummel spielt in der „ersten Sieben“ in Esslingen, ist also Stammspieler. Der Linksaußen hat bereits elf Tore auf dem Konto, seine Mannschaft musste erst zwei Niederlagen kassieren. Hummel „Aber da waren wir nicht komplett, sonst hätten wir nicht verloren.“ Seine taktische Aufgabe ist dabei, das Spiel mit Pässen von der Seitenlinie zu öffnen. Beim Überzahlspiel, dann wenn der Gegner wegen einer Hinausstellung nach einem Foul dezimiert ist, kommt er auch in gute Schusspositionen. Seine Trefferausbeute zeigt, dass er diese Verantwortung erfolgreich umsetzt. Nach Abschluss der Runde für die B-Jugend hat er 14 Treffer auf dem Konto stehen und etliche Vorlagen. Die B-Jugend von Esslingen hat die Runde als Dritter abgeschlossen. Hummel bedauert, dass bei den entscheidenden Spielen zwei wichtige Esslinger Jugendnationalspieler verletzt gefehlt haben und es dadurch zwei Niederlagen gegeben hat. Die A-Jugend-Saison startet erst im Juni mit fünf Vereinen auf süddeutscher Ebene. Hummels Können ist dort auch bemerkt worden. Beim Kadertraining der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Saarland und Baden-Württemberg fiel er positiv auf, wurde für die süddeutsche Auswahl nominiert. Mit 1,88 Metern Körpergröße und 76 Kilo bringt er in seiner Altersklasse gute körperliche Voraussetzungen mit, um auch mit „Masse“ bei den heftigen Zweikämpfen zu bestehen. Vier Mahlzeiten täglich braucht er. „Ich muss auch noch vor dem Training etwas essen, so zwei Stunden vorher, damit mir nicht schwindlig wird“, erklärt er. Danach gibt es „typische Sportlernahrung“ wie Reis und Nudeln. Auf die Frage, wie er Leistungssport mit der Schule vereinbare, und ob er ein guter Schüler sei, kontert er schlagfertig und fragt: „Wie definiert man ,gut’?“ Dann lächelt er. „Also ich stehe in den meisten Fächern auf zwei. Schwachpunkte sind eher die musischen Fächer.“ In der nächsten Saison wird er wieder für Neustadt spielen. Sein Fazit: „Ich habe viele gute Erfahrungen in Esslingen gesammelt. (kle)

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