Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Als die Limburg zur Ruine wurde – das Sommerstück des „Theaters an der Weinstraße“

Die Widersacher der Mönche treffen sich: Graf Emich (Rudi Pachl, Mitte) empfängt den Dürkheimer Bürgermeister, gespielt von Dani
Die Widersacher der Mönche treffen sich: Graf Emich (Rudi Pachl, Mitte) empfängt den Dürkheimer Bürgermeister, gespielt von Daniel Fensel (rechts).

Zum 1000-jährigen Bestehen des Klosters Limburg inszeniert das TadW „Limburg 1504 – Kämpfe über den Dächern von Dürkheim“. Premiere ist am 7. Juni.

Wenn es stimmt, dass auch im Verfall Schönheit liegt, dann ist die Klosterruine Limburg hierzu ein herausragendes Beispiel. Für das mächtige Benediktinerkloster oberhalb der Stadt Dürkheim wurde 1504 ein Schicksalsjahr. Doch so schrecklich in jenem Sommer die Zerstörung über die Abtei hereinbrechen sollte, so wenig kam sie aus heiterem Himmel. Dass Hader und Streit schon lange zuvor schwelten und wie sich das Unheil zusammenbraute – das zeichnet sich in der diesjährigen Sommerproduktion des TadW ab.

Anlässlich des Jubiläums hat Autor Emanuel J. Horscht, seit rund 30 Jahren beim TadW als Darsteller und Regisseur dabei, ein eigenes Stück zu Ehren der Limburg verfasst. Die Klosterruine bildet für das „Theater an der Weinstraße“ eine wohlvertraute Heimat im wahrsten Wortsinn – als jahrzehntelange Wirkstätte und Hauptspielort. So ist es nur folgerichtig, dass sich das neue Bühnenstück um ihre bewegte Geschichte dreht.

Nicht allein Kulisse

Regie führt erstmals Coralie Wolff aus Wachenheim. Für die Schauspielerin, Regisseurin und Leiterin des Mannheimer „Theaters Oliv“ ist es ein Herzensanliegen, mit der Inszenierung die Klostermauern und ihre Vergangenheit zu würdigen. Ziel ist dabei nicht, ein realitätsgetreues Historienspiel in Szene zu setzen, das sich ausschließlich an Fakten orientieren würde. Vielmehr lässt die Handlung fiktive Elemente in die Geschichtsschreibung einfließen. Mit dieser Melange öffnet Wolff dem Publikum überraschende Möglichkeiten, sich in jene Zeiten hineinzuversetzen.

Überdies soll die Klosterruine mehr darstellen als einfach nur begleitende Kulisse. Die grandiose Anlage aus rotem Sandstein, von ihrer Geschichte dramatisch gezeichnet, verdient solchen Respekt allemal. Mit ihrem Zustand zwischen bewahrten Bauresten und weiter drohendem Verfall, zwischen menschlichem Schaffen und immer neuem Zerstören steht sie nunmehr seit Jahrhunderten für eine Abfolge von Kampf, Krieg und Frieden, die nie aufzuhören scheint.

Roman als Inspiration

Vor und zwischen den Mauern der einstigen Abteikirche spielen die mehr als 20 Szenen, aus denen sich das TadW-Sommerstück zusammensetzt, mal bitterernst, mal witzig oder sogar übermütig. Eine davon: Der Dürkheimer Bürgermeister namens Heinrich Frey sucht den Grafen Emich auf der Hardenburg auf. Unisono klagen beide über die Mönche, weil sie der Stadt mit ihren geforderten Abgaben zusetzen. „Ihr Drängen wird immer offensiver. Wenn dem nicht bald Einhalt geboten wird, kommt es zum offenen Streit“, so der Bürgermeister, gespielt von Daniel Fensel, der neu im TadW-Ensemble ist. Den Grafen verkörpert Rudi Pachl; er gehört zu den bekannten Gesichtern des Theaters.

Bestimmend für damalige Geschicke waren männliche Akteure. Bewusst nimmt die Inszenierung hier Änderungen vor und bringt mehrere weibliche Rollen ins Spiel. Das betrifft auch die Figur des Einsiedlers, auf der Bühne eine geheimnisumwitterte Frau. Die ursprüngliche Figur des Eremiten stammt aus dem Roman „Die Heidenmauer oder Die Benediktiner“, den der Amerikaner James F. Cooper über die Zerstörung der Limburg 1832 nach seinem Aufenthalt in der Pfalz veröffentlichte. Von diesem Werk lassen sich Autor und Regie inspirieren; auch fließen überlieferte Sagen und Legenden in die Handlung mit ein.

Etliche Akteure sind nach historischen Vorbildern modelliert, andere frei erfunden, und wieder andere erscheinen als allegorische Gestalten. Neben dem Teufel ist der aufgeweckte Perkeo eine dieser Symbolfiguren, gespielt von Naomi Hutomo. Schon auf der Probebühne zeigt sich, wie erfrischend sie als Hofnarr und Spaßmacher lustige Aspekte in die Szenerie bringt. So stellt Perkeo zwischen den Klosterbrüdern und den gräflichen Kombattanten ein handfestes Wettsaufen auf die Beine.

Wirren der Liebe

Ränkespiele und die Wirren der Liebe bringen zusätzliche Spannung ins Bühnengeschehen. Zwar darf bezweifelt werden, dass „Martin Ludder“ jemals den Weg nach Dürkheim fand. Auf der Bühne bringt das TadW ihn mit der Tochter des Bürgermeisters zusammen, und die heißt Katharina. Das wiederum gibt Stoff für den Beginn eines langen Bündnisses.

Erwähnt seien nicht zuletzt die prächtigen Kostüme, viele davon aus dem umfangreichen Fundus des TadW: Zeitgemäß erscheinen die Darsteller mit geschwungenen Überröcken, Beinlingen, edlen Hemdstoffen und samtenen Baretten. Wo die Ritter des Grafen Emich auftreten, haben sie viele Kilos Kettenhemd am Leib zu tragen, was die Standhaftigkeit beim erwähnten Wettsaufen zusätzlich erschweren dürfte.

Die atmosphärische Wirkung wird durch Musik noch verstärkt. Als eine ihrer ältesten Ausdrucksformen erschallt Chorgesang zwischen den Klostermauern. Dazu kommt die Technik der Beleuchtung in den bewährten Händen von Lars Henkes – mitsamt dem ruinösen Ende, wenn die Limburg letztlich in abgründigem Licht versinkt.

Noch Fragen?

Das „Theater an der Weinstraße“ feiert am Samstag, 7. Juni, um 20.30 Uhr mit seinem Sommerstück „Limburg 1504 – Kämpfe über den Dächern von Dürkheim“ Premiere auf der Limburg. Weitere Aufführungen gibt es dort am 8., 13., 14., 20., 21. und 27. Juni, gleichfalls jeweils um 20.30 Uhr. In diesem Jahr gibt es keinen Buspendelverkehr. „Dieser in der Vergangenheit von der Stadt Bad Dürkheim angebotene umwelt- und kundenfreundlichen Service kann aus Gründen der angespannten Haushaltslage in diesem Jahr nicht angeboten werden“, heißt es auf der TadW-Homepage. Und: „Ersatzweise bemühen wir uns zusammen mit dem Ordnungsamt um eine Lösung, mit der wir auf der Limburg und in der näheren Umgebung wenigstens ausreichend Parkplätze anbieten können.“ Karten (16-25 Euro) unter www.reservix.de und bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen – zum Beispiel der Tourist-Information in Bad Dürkheim. Weitere Infos unter www.tadw.de.

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