Deidesheim
„Allein in der Sauna“ im Boulevardtheater Deidesheim
as ist irgendwie blöd gelaufen für Karl-Heinz, genannt Kalle, König. Statt den obligatorischen Saunabesuch mit seinem Kumpel Thorsten zu verbringen, muss er feststellen, dass der Mittwoch in der Sauna zum Männertag erklärt wurde, was bedeutet: keine weiblichen Wesen weit und breit. Thorsten lässt aus diesem Grund den Termin sausen, weshalb Kalle sich nun alleine in dem heißen Schwitzkasten wiederfindet und sich und das amüsierte Publikum fragt: „Was sollen Männer in der Sauna, wenn keine Frau kommt?“. Er gibt offen zu, keineswegs wegen des „Avocado-Peelings“ hierherzukommen. Er könne auch keinen verstehen, der freiwillig in die Dampfsauna gehe, denn da könne man ja nicht seine Umgebung betrachten. Natürlich meint er damit die Frauen. Denn schauen sei erlaubt, immerhin sei das ja typisch Mann.
Doch „welcher Mann hört schon gerne den Satz: Du bist ein typischer Mann?“ Und was bedeutet das eigentlich genau? Fragen, die der erfolgreiche Jurist im Laufe des Abends versucht zu ergründen. Zum Glück hat er entdeckt, dass ihm jemand dabei zur Seite steht: das Publikum, das ihm als Ansprechpartner während seines etwas anderen Saunabesuchs dient.
Feine Unterschiede
Dank diverser Handyanrufe seines Sohnes, seiner Geliebten oder seines Topmandanten erfahren die Zuschauer so einiges über den Mann im Bademantel, der mit seiner Brille hadert, weil er erstens eitel ist und diese zweitens nicht saunatauglich ist. Nach Telefonaten mit seiner Frau Susanne, die er Sunny, die „Sonne meines Lebens“ nennt, analysiert er die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Verhaltensmustern. So haben Frauen 100 verschiedene Arten zu lächeln, die sie alle gekonnt einzusetzen wüssten. „Frauen sind nur dazu da, um uns zu verunsichern“, meint Kalle, während er in der beeindruckenden Saunakulisse samt Saunaofen und Entspannungslandschaft hin und her läuft und mit Hilfe seines rotierenden Handtuchs, das den Dampf im Raum verteilt, genau weiß, wie er seinen Aussagen nachhaltig Bedeutung verleiht.
Ronald Spiess kann in diesem Ein-Mann-Stück eindrucksvoll seine ganze Bandbreite an Emotionen präsentieren. Egal ob machomäßig, eitel, schelmisch, verletzlich oder nachdenklich – der routinierte Schauspieler überzeugt in jeder Szene. Besonders beeindruckend ist sein emotionaler Wutausbruch, den er erleidet, als seine Welt über ihm einzustürzen droht. Genau darin liegt die Stärke des Stücks, das auf unterhaltsame Art und Weise Beziehungsgeflechte demontiert und somit einen nachdenklichen Unterton mitschwingen lässt. Der Saunabesuch endet für Kalle daher ganz anders als erwartet. Weniger überraschend war allerdings der stürmische Applaus, mit dem Ronald Spiess für seine grandiose Leistung in einem Stück, in dem jede Szene wunderbar stimmig in die nächste mündet, gefeiert wurde.