Neustadter Straßennamen
Alban-Haas-Straße: Der Geschichte auf der Spur
Mit den Zweigen von Einzelbäumen wie Trauerweide oder Atlaszeder in Gärten auf der linken Seite verbindet sich das Blätterdach der Platanen der rechten Straßenseite am Himmel fast zu einer Baumallee. Oben am Ende der Straße angekommen, bietet sich neben dem erst kürzlich neu geschaffenen zweiten Zugang zum Hauptbahnhof ein herrlicher Blick über die Dächer der Stadt.
In einigen der am Hang stehenden, ehemals großbürgerlichen Villen haben sich Dienstleister angesiedelt, andere werden noch oder wieder privat bewohnt. So zum Beispiel ein 125 Jahre altes Anwesen, in dem seit zehn Jahren eine junge Familie lebt und das kontinuierlich renoviert wird. Die aktuellen Bewohner wissen die Vor- und Nachteile so eines historischen Hauses mit seiner Geschichte eigenen Aussagen nach zu schätzen.
Verwunschene Schätze
Wie in anderen bereits vorgestellten Straßen fällt auch in der Alban-Haas-Straße auf: Es verbergen sich wahre Schätze an historistischen oder gründerzeitlichen Villen in Neustadts Straßen, manche noch ganz verwunschen im Dornröschenschlaf, andere schon zeitgemäß renoviert und wieder beziehungsweise weiter genutzt.
Der Namensgeber der Straße, Alban Haas, geboren 1877 in Diemantstein im bayerischen Schwaben, studiert in München Religion und Germanistik, wird 1900 zum Priester geweiht, wirkt 13 Jahre in Günzburg als Priester und Lehrer bei den Englischen Fräulein. Ab 1908 ist er an der Lehrerbildungsanstalt in Speyer, zuletzt als deren Präfekt.
Sprachliches Talent
Nach Neustadt kommt der spätere Ehrenbürger der Stadt 1923, als er beginnt, am damaligen humanistischen Gymnasium Religion, Italienisch und Hebräisch zu unterrichten. Er beherrscht sieben Fremdsprachen. Nachdem er sich zur Ruhe gesetzt hat, findet er die Zeit, sich unter anderem wissenschaftlich mit der Geschichte Neustadts zu beschäftigen.
Das Ergebnis seiner Studien fasst er zusammen in dem 1951 erschienen Werk „Aus der Niuwenstat – Vom Werden und Leben des mittelalterlichen Neustadt an der Haardt“. Grundlage seiner Forschungen ist hauptsächlich das damals in der Pfarrei St. Marien entdeckte Seelbuch des St. Aegidienstifts. Ein in Latein auf Pergament geschriebenes Verzeichnis aller Todestage, Stiftungen und Testamente von 1382 bis 1556. In minutiöser Kleinarbeit überträgt er die gefundenen Daten in verständlichen Text und ermöglicht dadurch ein Abbild des mittelalterlichen Lebens in der Stadt. Dieses Buch bildet seit dem Erscheinungsjahr der Chronik von Dochnahl 1867 das erste umfassende Werk zur Stadtgeschichte Neustadts. Haas hat somit einen unermesslichen Beitrag zur wissenschaftlichen Erforschung der Stadt geleistet.
Haas wird Ehrenbürger
Zahlreiche Ehrungen werden Haas zuteil. Vom damaligen Papst zum päpstlichen Hausprälaten und Monsignore ernannt, erhält er später das Bundesverdienstkreuz. Anlässlich seines diamantenen Priesterjubiläums 1960 verleiht ihm die Stadt Neustadt in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt und vor allem um die Erforschung der historischen Stadtgeschichte die Ehrenbürgerwürde.
Während seiner Neustadter Jahre wohnt Haas erst in der Bismarckstraße 10, dann im Altenheim St. Ulrich und später im Schwesternhaus in der Nähe der Marienkirche, wo er 1968 im Alter von 91 Jahren verstirbt.
Die Serie
Neustadt zählt 650 Straßen. 150 davon sind nach Persönlichkeiten benannt, andere nach Gewannen, historischen Begriffen, Partnerstädten, Orten oder ganz allgemeinen Dingen. In unserer Serie sollen einige dieser Straßennamen und die Geschichte dahinter vorgestellt werden.