Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel 17-Jähriger des SC Neustadt verblüfft die Experten

SCN-Kapitän Matteo Ananias (am Ball, hier gegen den Ludwigshafener Joost Chrisstoffels) verlässt altersbedingt die U18.
SCN-Kapitän Matteo Ananias (am Ball, hier gegen den Ludwigshafener Joost Chrisstoffels) verlässt altersbedingt die U18.

Die U18-Bundesliga-Junioren des SC Neustadt erreichen in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft Platz acht. Sie stellen den deutschlandweit besten Torschützen.

Die Wasserball-Junioren des SC Neustadt beenden die Saison deutschlandweit auf Rang acht. Im Endrundenturnier um die Plätze fünf bis acht in Krefeld lief es nicht richtig rund für die Neustadter, dennoch ist das Team um Trainer Peter Jacqué stolz über die Teilnahme und zufrieden mit dem gesamten Saisonverlauf.

Drei Spiele gegen die erfahrenen A-Bundesligisten waren zu absolvieren. Der SCN qualifizierte sich als einziger B-Bundesligist für die Endrunde. Im ersten Spiel am Samstag gegen Duisburg kam es genau so, wie von Jacqué befürchtet: Duisburg führte nach zwölf Minuten mit sechs Toren, die Partie endete 13:18 (0:3, 4:5, 5:5, 4:5). „Wir bekamen die Duisburger Angreifer nicht in Griff. Nach wenigen Minuten war der „Markt verlaufen“, grollte der Coach.

Chancen auf Platz fünf

Dann folgte eine längere Pause für das Team, der SCN konnte beobachten, wie Favorit Nürnberg in zwei Partien jeweils einen Punkt abgab und erst im Fünfmeterschießen gewann. Damit wäre das Tor für den SCN immer noch offen gewesen, um das Turnier als Sieger und damit auf Platz fünf abzuschließen, wenn die beiden noch ausstehenden Partien siegreich verlaufen wären.

Doch das „was wäre wenn“ ist Vergangenheit. Es hat nicht funktioniert. Dabei begann der SCN im Abendspiel gegen Gastgeber Krefeld optimal. Der SCN startete furios und lag mit 5:2 vorne. Aber dann begann im Kopf der Buben wieder das Gedankenkarussell „wir liegen vorne, wir holen was“.

Krefeld holt auf

Und genau hier lag der Knackpunkt. Vorne wurden die Chancen nicht verwertet, die Westdeutschen schlossen dagegen ihre Konter erfolgreich ab. Das Blatt wendete sich schnell, die Partie endete mit 6:10 (2:1, 3:1, 1:5, 0:3). Jacqué: „Die Begegnung verlief enger, als es das Ergebnis aussagt. Wir waren dran.“ Das Spiel am Sonntag gegen Nürnberg sei ähnlich verlaufen: Der SCN verlor mit 11:16 (3:6, 3:2, 3:4, 2:4).

Ein positives Fazit zogen Spieler und Trainer dennoch über den gesamten Saisonverlauf. Und Jacqué berichtete noch Erstaunliches: „Die Trainer der drei anderen Teams, Spielbeobachter und auch die Schiedsrichter haben einen Spieler ausgeguckt, den sie als besten Spieler des gesamten Turniers ansahen. Es gab zwar keine offizielle Ehrung dafür, doch es ist eine besondere Sache für uns.“

Ananias beeindruckt

Tatsächlich beeindruckte Matteo Ananias, Angreifer des SCN, die Wasserballexperten. Sie rieben sich die Augen, wie der 17-Jährige auch unter Bedrängnis erfolgreich Tore erzielte. Bei dem einen oder anderen Fachmann herrschte wohl Verwunderung darüber, warum er nicht in den Nationalkader berufen worden ist.

Auf dem Turnier in Krefeld war Matteo zwangsläufig nicht ganz so erfolgreich wie sonst, weil die Aktionen seiner Mitspieler und Passlieferanten von den Gegnern extrem eingeschränkt wurden. Doch wenn er aussichtsreich am Ball war, dann rappelte es im Netz der Gegner. Jacqué: „Matteo erzielte beispielsweise gegen den Krefelder Junioren-Nationalkeeper fünf der sechs SCN-Tore.“

Doch für Matteo Ananias ist die Zeit in der U18 vorbei. Alle Spieler des Jahrgangs 2007 sind nun aus dem Juniorenbereich „herausgewachsen“. Ananias sagte nach dem Turnier: „Wir können nicht mit dem Verlauf in Krefeld zufrieden sein, es war mehr drin. Aber trotzdem haben wir eine gute Saison gespielt. Und haben im Stadionbad vor ein paar Wochen das Unentschieden gegen Nürnberg geholt, um überhaupt hier in die Endrunde zu kommen.“

Berufswunsch des Elftklässlers

Der Elftklässler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums hat bereits im Zweitliga-Team der Männer Fuß gefasst. Sein Ziel: „Einfach so weitermachen wie bisher. Wasserball ist schon seit Jahren mein Ausgleich zur Schule. Ich kann es zeitlich gut vereinbaren. Eigentlich wird sich für mich nicht viel ändern.“ Immerhin hat er schon im Blick, wohin sein Weg nach dem Abitur führen soll. Er möchte zur Kriminalpolizei. Um überhaupt für eine Polizeiausbildung zugelassen zu werden, ist sportliche Fitness Voraussetzung. Die körperliche Eignung bringt er also auf jeden Fall mit. Und als Spielführer des Teams ist er sozial kompetent und bringt die Informationen immer zuverlässig auf den Punkt. Als Kapitän der U18 weiß er auch, dass weitere fünf Spieler des Jahrgangs 2007 die Junioren verlassen. „Wir haben noch nichts Konkretes geplant, aber wir machen noch einen gemeinsamen Abschluss“, verspricht er.

Max Boeckmann verlässt die U18 ebenfalls wegen der Altersbegrenzung. „Ich möchte auf jeden Fall weitertrainieren. Aber auch Dinge machen, die ich wegen des Trainings an fünf bis sechs Tagen in der Woche noch zurückgestellt habe, beispielsweise möchte ich den Führerschein machen“, sagt der 17-Jährige. Seine Aufgabe im Team lag meist in der Verteidigung. „Es ist nicht einfach, gegen so starke Spieler wie in Krefeld. Ich möchte mich körperlich noch weiterentwickeln“, betont er. Für ihn waren die zwei Tage ein „schöner Abschluss“. Für die Jungs und ihn sei es zwar mittlerweile etwas Normales gewesen, im Land in neue Städte zu kommen, dort zu übernachten, aber wenn man wirklich darüber nachdenke, sei es schon verrückt, wo man überall hinkomme, wenn man Wasserball spiele, so Boeckmann. Und er schwärmt von den Fahrten nach Hamburg, Berlin, Leipzig und Krefeld. Auch wenn es im letzten Turnier kein Happy End gegeben hat. Turniersieger wurde Nürnberg, gefolgt von Krefeld, Duisburg und Neustadt. Deutschlandweit bester Stürmer ist Matteo Ananias mit 96 Treffern in 18 Partien. Er hat 23 Tore mehr erzielt als der Zweitplatzierte Aleksandar Mityska (Hannover).

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