Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel 102-Jährige verrät Geheimrezept für ein langes Leben

Auch im hohen Alter lässt sich Lieselotte Martin ihre Lebensfreude nicht nehmen.
Auch im hohen Alter lässt sich Lieselotte Martin ihre Lebensfreude nicht nehmen.

Lieselotte Martin feiert Geburtstag. Es ist nicht irgendein Geburtstag, die Neustadterin wird 102 Jahre alt. Hinter ihr liegt ein bewegtes Leben mit vielen Höhen und Tiefen. Eine Sache hat sie sich dennoch nie nehmen lassen.

Die Reihe der Gratulanten zum besonderen Anlass ist lang, wenngleich sie im Laufe der Jahre abgenommen hat. Beigeordnete Waltraud Blarr wird die Glückwünsche der Stadt überbringen und auch ihr Betreuer Matthias Koch lässt sich die Gelegenheit nicht nehmen, der Jubilarin persönlich zu gratulieren. Ebenfalls in Feierstimmung sind die Bewohner und Mitarbeiter der Römergarten Residenz Haus Florian, in der die 102-Jährige lebt.

Geboren wurde Lieselotte Martin am 16. Februar 1922 im Schöntal in Neustadt. 1941 heiratete sie ihren Mann Karl in der Stiftskirche. Das junge Glück war schnell von den Auswirkungen des Kriegs betroffen und Karl wurde eingezogen. Er kämpfte in Frankreich und wurde in Metz verwundet. Lieselottes Sorge war groß. Doch Karl überlebte den Krieg und kehrte wieder zu ihr zurück.

Regelmäßige Besuche im Kurhaus

Die 50er-Jahre waren von Mühe und Aufbau geprägt. Lieselotte arbeitete in der Mack KG, in Neustadt besser bekannt als Nudel Mack. Mack galt zeitweise als der führende Nudelhersteller in Süddeutschland. Bis zu 120 Mitarbeiter, davon 80 Frauen, stellten Nudeln, unter anderem die Makkaroni her, deren Namen auf den Firmengründer Mack zurückgeht.

Doch auch die Lebensfreude kehrte in die Pfalz zurück. Das Paar Martin liebte es, im Kurhaus Kohler die Tanzveranstaltungen zu besuchen. Das Kurhaus Kohler hatte eine bewegte Vergangenheit und avancierte nach den Kriegsjahren zur angesehenen Adresse in Neustadt. Nicht nur die Neustadter liebten das Kurhaus, von dem man einen wunderbaren Blick genießen konnte. Auch berühmte Persönlichkeiten wie Hildegard Knef und Zarah Leander, ebenso wie Theo Lingen und Peter Frankenfeld besuchten das Hotel mit Gaststätte und Tanzsälen.

Der Natur und der Familie verbunden

Die kleine Familie wuchs mit der Geburt ihres Sohns Herbert. Trotzdem arbeitete die junge Mutter weiter – bis zu ihrer Rente war sie berufstätig. Ungewöhnlich für diese Zeit. Über viele Jahre blieben die Martins ihrer großen Leidenschaft, dem Wandern, treu. Sie waren zu dritt oder in Gruppen unterwegs und liebten es, aktiv in der Natur zu sein. Sie verreisten regelmäßig, waren gesellig und luden Freunde und Familie zu sich ein.

Lieselotte war eine leidenschaftliche Köchin, die ihre Kochkunst gerne mit ihren Gästen teilte. Ganz Dame sei sie gewesen und immer auf ihr Äußeres bedacht – eine gepflegte und schöne Frau.

Fleißig bis ins hohe Alter

Untätigkeit war nicht ihre Sache. So beschäftigte sie sich abends mit Handarbeit, erinnert sich eine Cousine, die noch heute eine Strickjacke besitzt, die Lieselotte im Alter von 80 Jahren angefertigt hatte. 2005 starb ihr Mann Karl. Ein herber Schlag. Auch ihr Sohn Herbert litt unter gesundheitlichen Problemen. Beide zogen ins Altersheim und verbrachten viel Zeit gemeinsam. 2019 musste sie den Tod ihres Sohnes verkraften.

Lieselotte Martin ist eine freundliche Dame geblieben, die trotz großer Hörprobleme gerne noch Besuch empfängt. Täglich studiert sie ausgiebig die RHEINPFALZ. Sie überstand zwei Corona-Infektionen und kämpft sich durch die altersbedingten Einschränkungen wie Rollstuhl und Vergesslichkeit. Ihr Rezept für ein langes Leben: Lebensfreude, aktiv sein und ein fester Kampfgeist.

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