Neustadt
100 Jahre SV Geinsheim
Bevor der SVG 1989 in die Fußball-Oberliga, die damals höchste deutsche Amateurspielklasse, aufgestiegen ist, hat er schon einen ganz anderen sportlichen Erfolg feiern dürfen: 1979 empfing der damalige Verbandsligist in der Hauptrunde um den DFB-Pokal den Zweitligisten DSC Wanne-Eickel auf seiner Anlage am Wäldchen. Und 3000 Zuschauer jubelten, als Reinhard Nebel die Gastgeber zunächst mit 1:0, später Günther Bergdolt per Elfmeter mit 2:1 in Führung brachten. Letztendlich unterlagen die Außenseiter den Profis aus dem Ruhrgebiet mit 2:4. Je zweimal Norbert Lücke sowie Ingo Peter trafen für den DSC. „Der Schiedsrichter war schlecht“, sagt SVG-Vorsitzender Ronald Helf heute und lacht. „Es ist wie heute, es hat sich nichts geändert.“
Auftritt in den Medien
Helf war 1979 unter den 3000 Zuschauern. In der Sportchronik des SVG ist zu lesen, dass seinerzeit auch die Medien ihren großen Auftritt hatten. Im Südwest-Fernsehen sei vom SV Geinsbach die Rede gewesen. In der Landesschau habe ein Journalist Geinsheim nach Speyer verlegt. Und in einer Boulevardzeitung seien gleich zwei Fehler aufgelistet gewesen: Greinsheim - Wanne-Eickel 2:0.
Apropos Schiedsrichter: Denen hat der SVG schon immer Betreuer bei Spielen am Wäldchen zur Seite gestellt. Und nach dem Schlusspfiff wurden sie auch früher ins Vereinsheim zum Essen eingeladen. Die Getränke gab’s gratis dazu. Dabei hat sich ein Unparteiischer aus der Trierer Gegend als großer Weinfreund entpuppt, erzählt Karl Röther, einer der Betreuer, schmunzelnd. Wenn der gekommen sei, hätten alle gewusst, „es werd nach de Zwölfe“. Besagter Schiedsrichter habe sich quasi durch die Weinkarte der Geinsheimer probiert. „Wir hatten damals Geinsheimer, Deidesheimer und Königsbacher Weine“, weiß Röther noch. Und die Linienrichter hätten den Unparteiischen dann nach Hause gefahren.
Erster Wirt im Geinsheimer Clubheim war übrigens Herrmann Kaufmann, Onkel von Sabine Kaufmann. Sie ist die Frau des heutigen Trainers Rudi Brendel und zugleich Geinsheimer Ortsvorsteherin. Ernst Urich, Vorsitzender von 1980 bis 1984, habe eingeführt, dass das Clubheim in Eigenregie geführt werde, erinnern sich Röther und der frühere Geinsheimer Schiedsrichter Heinz Birkle, auch Papa Birkle genannt.
1972 ans Stromnetz angeschlossen
In den Anfängen hat es im Geinsheimer Clubheim keinen Strom gegeben. „Erst haben wir mit Gasflaschen gekocht und beleuchtet, dann hatten wir ein Stromaggregat“, erzählt Papa Birkle. 1972 sei der Verein ans Stromnetz angeschlossen worden. „Das Stromaggregat, das wir nicht mehr gebraucht haben, hat Oberbürgermeister Wolfgang Brix sofort für die Hellerhütte genommen“, sagt Heinz Birkle.
Der heute 83-Jährige, der 51 Jahre lang als Schiedsrichter aktiv war, erinnert sich auch noch, wie sich die Fußballer früher, in den 1950er-Jahren, nach einem Spiel gereinigt haben: „Wir haben uns in einem verzinkten Brunnen unter einem Vordach gewaschen – mit kaltem Wasser.“ Spieler ohne Handtuch hätten seinerzeit warten müssen, bis die, die ein Handtuch gehabt hätten, fertig gewesen seien. „Die haben sich mit ihrem Trikot gewaschen und abgetrocknet“, verrät Birkle schmunzelnd.
Früher hat es auf dem Rasen des SVG übrigens auch Flutlicht gegeben – im Gegensatz zu heute. Die Pfalzwerke hätten Strommasten nicht mehr gebraucht und zur Verfügung gestellt. „Die haben wir dann aus einem Feld in Freisbach geholt und in den Wald gebracht“, sagt Birkle. Wir, das waren er und vor allem Jugendspieler. „Die Rentner haben samstags immer alle auf dem Feld gearbeitet.“ Karl Kegel habe die Fundamente gemacht. Und Paul Hofmann sei die 14 Meter hohen Masten hinaufgeklettert und habe die Lichter montiert. Diese Masten sind inzwischen alle verschwunden. Der letzte ist 2010 entfernt worden. Dort ist jetzt der Spielplatz. „Der letzte Mast ist als Halterung für den Bohnensuppenkessel umfunktioniert worden“, erzählt Ronald Helf.
Wo einst ein Schrottplatz war
Besagte Suppe hat es auch in sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Helf gesteht lachend, dass er mal hineingefallen sei. „Ich habe immer die Suppe gerührt. Es war nass, es war glitschig, und ich bin ins Feuer gefallen.“ Otto Müller, der zwölf Jahre lang fast jeden Tag als ehrenamtlicher Wirt in der Gaststätte gewesen sei, habe ihn herausgezogen. Helf lachend: „Seitdem esse ich keine Suppe mehr.“
Auch die Umzäunung des Sportgeländes nimmt ein Kapitel in der Vereinsgeschichte ein. Seit es die Zäune gebe, „sind die Wildschweine hier keine Gäste mehr“, berichten die Geinsheimer. Die Betonpfosten für den Zaun hat der SVG vom Parkplatz des Golfclubs geholt. In den frühen 1970er-Jahren sei dort ein Schrottplatz gewesen, weiß Birkle. „Wir sind froh, dass der Golfclub unser Nachbar ist. Sonst wäre dort jetzt der Monte Scherbelino.“
Termine
Sein 100-jähriges Vereinsbestehen feiert der SV Geinsheim mit folgenden Terminen: 22. Februar Kinderfasching mit DJ JJ, abends Party mit der Band Chris Epp & Friends in der Festhalle; 26. Februar Fischessen im Sportheim; 1./2. Mai Jugend-Fußball-Turnier mit Einlagespiel der Traditionsmannschaft; 16. Mai Festabend in der Festhalle; 30. Mai Open-Air-Party auf dem Vereinsgelände mit der Rockband „Fine R.I.P.“; 5. Juli Festgottesdienst mit Frühschoppen auf dem Pater-Theodor-Schneider-Platz; im August ist ein Tag der offenen Tür geplant; 29. August SVG ist Mitgestalter des Kerweumzugs; 28. November Vereinsball mit der Tanzband Celebration in der Festhalle.
Eine 136 Seiten starke Festschrift hat Norbert Kästel zusammengestellt. In der Ortsverwaltung gibt es eine Ausstellung zum SV Geinsheim. Öffnungszeiten: montags 14 bis 17 Uhr, donnerstags 8 bis 11 Uhr oder nach Absprache mit dem SVG-Vorsitzenden Ronald Helf.