Neustadt „... sonst bin ich immer nur hinterhergefahren“

Mountainbike-Camp im Kloster in Esthal für 65 Frauen: Sie haben nicht nur ihre Fahrtechnik verbessert, sondern auch die Ruhe und
Mountainbike-Camp im Kloster in Esthal für 65 Frauen: Sie haben nicht nur ihre Fahrtechnik verbessert, sondern auch die Ruhe und Gastfreundlichkeit im Kloster genossen.

«Esthal.»Lange schon ausgebucht und ein großartiges Erlebnis für die Teilnehmerinnen von Köln bis Bern und darüber hinaus war das dritte Mountainbike-Frauencamp im Kloster Esthal über das lange Pfingstwochenende. Die 65 Bikerinnen und ihre Guides waren begeistert von den optimalen Bedingungen im Pfälzerwald, dem Ambiente und der Gastfreundschaft des Klosters. Veranstalter ist die Touristinformation der Verbandsgemeinde (VG) Lambrecht, unterstützt von Fachgeschäften, professionellen Tour-Guides und Referenten.

„Es ist einfach toll hier“, meinen die Bikerinnen, die von der ersten Ausfahrt am Samstag mit ihren Tour-Guides Andrea Koengeter und Barbara Frilling zum Esthaler Kloster zurückkehren. Die zehn Anfängerinnen mit Vorerfahrung finden das Konzept gelungen. „Wir haben zuerst vor der Waldfesthalle Techniken geübt, beispielsweise Slalom und Kurvenfahren und auch das Bremsen – also alles, was kleine Kinder meist intuitiv machen“, erzählen Beatrice und Kathrin aus Darmstadt. „Wichtig am ersten Morgen ist der Bikecheck, ohne den kann niemand ins Gelände. Dann gab es Technikübungen auf dem Platz vor der Waldfesthalle. Bei einer kleinen Tour konnte das Gelernte im Gelände ausgetestet werden“, erklärt Barbara Frilling , die mit Zena Varga als Organisationspartner fungiert. Vor dem Stand des Geschäfts „In velo veritas“ von Christian Höfler (Neustadt) wartet man geduldig, um sein Bike mit Ersatzteilen optimieren zu lassen. Derweil trifft die Gruppe von Helge und Janina ein. Isabella aus Lambrecht ist das zweite Mal dabei. Sie fuhr früher eher Rennrad, findet aber Mountainbike-Fahren ohne Straßenverkehr über Stock und Stein viel schöner. „Mein Rad ist Baujahr 1993, also ein Fossil, ich kann mich von ihm aber nicht trennen. Nun will ich mir einen höhenverstellbaren Sattel besorgen“, sagt Isabella. Ihre Freundin Jenny schätzt das Briefing vor dem Start: „Es wird super gut erklärt, wie man steile Kurven nimmt, Steine oder Wurzeln überwindet. Man steigt auch mal unvorhergesehen ab, aber das gehört dazu.“ Und nach der Tour gebe es immer eine Besprechung, bei der die Teilnehmerinnen ihre Erfahrungen und Fragen vortragen könnten. „Es ist so entspannend, wenn Frauen unter sich den Sport treiben. Man hat keinen Druck“, sagt Isabella. Leo Brahm, der einzige männliche Guide unter den Coaches, leitet ein Fortgeschrittenen-Team. Schwerpunkte setzt er auf Fahrtechniktraining an Schlüsselstellen, so dass auch Treppen problemlos gemeistert werden. Auch für ihn ist die Besprechung nach der Fahrt wichtig: „Es ist eine Art Manöverkritik, jeder kann sich äußern, auch zum Aspekt, ob er sich über- oder unterfordert fühlt.“ Zufriedenheit mit der Veranstaltung und Freude an der Region sind auch das Anliegen von Pia Neumann und Heike Zinsmeister von der VG Lambrecht, die an den Pfingsttagen abwechselnd Ansprechpartnerinnen vor Ort sind. Inzwischen kehrt eine weitere der insgesamt sechs Gruppen, die von den elf erfahrenen Guides begleitet werden, zurück. Barbara Kiss-Nägele und Alexandra Ott, Sportmentaltrainer, wissen, wo man die Teilnehmerinnen auffängt. Nach vielen Rückmeldungen wie „ich finde es super, dass man schwierige Strecken vorher abläuft“ oder „sonst bin ich immer nur hinterhergefahren“, gibt es von den Guides viel Lob. Gleichzeitig wird der nächste Tag geplant: „Wir üben auch Wurzelfahren bei der Brücke, rauf und runter“, so die Leiterinnen. Ganz wichtig ist beiden die mentale Betreuung, was unterwegs auch gefragt war, denn eine Teilnehmerin hatte Pech. „Ich habe mir hier ein Testbike ausgeliehen, bei meinem alten Rad musste ich die Bremsen immer stark anziehen. Nun habe ich das eben falsch dosiert und bin über den Lenker geflogen“, berichtet Juliane aus Speyer. Die Schürfwunden an den Ellenbogen werden fachmännisch versorgt. Mehr Zeit braucht es, den Schock zu überwinden. „Man muss sich hinsetzen und durchatmen, wieder Kraft und Konzentration gewinnen“, rät Kiss-Nägele. „Letztlich soll man sich nicht ärgern über das, was nicht klappt, sondern sich über das freuen, was gelungen ist“, ergänzt Guide-Kollegin Ott. Die Gruppe verabschiedet sich gut gelaunt. Als weitere Belohnung warten Kaffee und Kuchen im Zelt beim Klostergarten, später das Abendbüffet und danach die Vorträge „Bikepflege – Selbst ist die Frau“ sowie „Abenteuer Alpen-Cross“. Die professionelle Bewirtung des Klosterteams und die Gastfreundlichkeit wird von allen gelobt. Alles strahle Ruhe aus, man fühle sich gut aufgenommen. „Das Frauencamp gibt mir jedes Mal persönlich sehr viel. Es ist wie ein Stück Urlaub, ich genieße die Atmosphäre“, so Kiss-Nägele. Auch schätzt sie zur Entspannung nicht nur das morgendliche Yoga: „Ich habe mit anderen an den Andachten im Kloster teilgenommen. Das hat besondere meditative Aspekte, die Gesänge der Klosterfrauen haben mich berührt.“ Letztlich sei es Ausdruck der Wertschätzung, sich für das Klosterleben der Gastgeber zu interessieren.

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