Neustadt Überraschungsheldin für eine Nacht

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Mannheim. Nach den negativen Nachrichten im vergangenen Jahr hat der Mannheim-Marathon in diesem Jahr wieder sportliche Schlagzeilen geschrieben – mit einer guten Organisation und sympathischen Siegern (RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete).

Als es am Samstagabend auf Mitternacht zuging und der SAP-Arena-Marathon durch Mannheim und Ludwigshafen so richtig seinem Beinamen Dämmermarathon gerecht wurde, saß Organisationschef Christian Herbert auf dem Podium der Pressekonferenz und schaute zufrieden. Das lag daran, dass die Dämonen vom Wochenbeginn (Stichworte Terrorgefahr, Unwetterprognosen, Hochwassergefahr) schnell wieder verschwunden waren. Das lag aber auch daran, dass es in diesem Jahr kein Desaster gegeben hatte. Im Vorjahr war die Spitzengruppe von einem Betreuer falsch geleitet worden, kürzte ab, sodass zwei Sieger gekürt werden mussten. Dieses Missgeschick lastete bleischwer ein Jahr lang auf dem Marathon, der dieses Jahr quasi unter genauer Beobachtung stand. Noch so ein Lapsus und der Ruf der Großveranstaltung wäre wohl ruiniert gewesen. Doch dann lief, wie man hörte, eigentlich alles glatt und problemlos. Herbert jedenfalls sagte: „Es ist diesmal alles gut gelaufen, wir können zufrieden sein.“ Und dann war da ja auch noch Miriam Ostermann. Die Überraschungssiegerin bei den Frauen, die aus Nordrhein-Westfalen stammt und derzeit in Mannheim studiert, gab quasi das Gegenbild zum Marathon des Vorjahres ab. Hängen bleiben wird von der Austragung 2015 vor allem das Gesicht einer jungen Frau, 23 Jahre alt, die den ganzen Abend ein Lächeln im Gesicht hatte und so herrlich natürlich wirkte. Lachen statt leiden war also angesagt. Ostermanns Auftritt auf und neben der Strecke passte, als wäre dieser perfekt inszeniert worden. Die Veranstalter sehen den Mannheim-Marathon eher als ein Breitensport- denn ein Spitzensportevent. Topzeiten haben einen eher ungeordneten Wert. Und dann kommt da eine wie Ostermann, Breitensportlerin durch und durch, Psychologie-Studentin mit Hang zu außergewöhnlichen Sportarten wie Tae-Bo und läuft in ihrem erst zweiten Marathonrennen zum Sieg. Wie Phönix aus der Asche. „Ich kann das alles gar nicht fassen“, stammelte sie, völlig von den Emotionen überwältigt, im Ziel. Ostermann, die an eine vordere Platzierungen vor dem Rennen ungefähr so viele Gedanken verschwendet hatte wie der FC Bayern München an eine Erstrunden-Niederlage im Fußball-DFB-Pokal bei einem Sechstligisten, siegte in 3:11:26 Stunden. Das ist natürlich keine klasse Zeit. Simret Restle-Apel (Kassel), die Siegerin 2014, war fast eine halbe Stunde schneller gewesen. Aber für die Mannheimerin war’s ziemlich, ziemlich gut. „3:25 Stunden hatte ich angepeilt“, erzählte Ostermann: „Wenn alles perfekt läuft.“ Nun ja, es ist dann wohl mehr als perfekt gelaufen, und ihr Rennen hat sie zumindest zur Heldin für eine Nacht gemacht. Die avisierten Starts von Ostafrikanerinnen waren im Vorfeld an Visaproblemen gescheitert. Wie auch eine Teilnahme von Werkuneh Aboye (Äthiopien), dem Sieger von 2012 und 2014. So lief Benson Waweru bei den Männern ein einsames Rennen an der Spitze und siegte in 2:21:29 Stunden. „Eine schnellere Zeit war alleine an der Spitze nicht möglich“, sagte der Kenianer. Als Dritter auf das Podest lief Carsten Herrmann (LAZ Saarbrücken) aus Mehlingen bei Kaiserslautern (2:41:41 Stunden). Auch der 35-Jährige saß am Samstagabend, als es auf Mitternacht zuging, zufrieden auf dem Podium bei der Pressekonferenz: „Ich bin ein Abendläufer, ich mag es, den Tag locker anzugehen und dann abends zu laufen.“

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