Neustadt Über den Kirchturm hinaus: Was Politik bewirken kann und was nicht
Dank an Menschen, die sich politisch engagieren: ob auf kommunaler Ebene, wo Feste geplant werden oder die Sanierung des Schwimmbads, oder auf Landesebene, wo entschieden wird, ob mehr Lehrer oder mehr Polizisten eingestellt werden. Oder man nehme die Bundesebene, wo Entscheidungen zu Steuern beschlossen werden und Europa gestaltet wird. Es ist ein hohes Maß an Verantwortung, ein öffentliches Amt zu bekleiden. Meist fällt man nur auf, wenn man was ans Zeug geflickt bekommt oder gar Schlimmeres geschieht. Im Rampenlicht stehen wenige. Viele Politiker machen ihren Dienst, weil er getan werden muss.
Ja, Macht muss genutzt werden. Und es ist zwingend unsere Aufgabe, dass wir geistvolle Menschen an die Macht bringen. Wer etwas Gutes bewirken will, muss an die Erreichbarkeit des Guten glauben. Natur, Produktion und menschliche Beziehungen müssen ins Gleichgewicht gebracht werden. Kein Bereich soll dem anderen Lebensraum nehmen. Wie verteilen wir Gaben und Lasten fair und dem Gemeinwohl dienlich? Ein klares Nein zu völkischem, rassistischem, demokratie- und menschenfeindlichem Gedankengut ist dabei unentbehrlich.
Pragmatische Entscheidungen treffen
Politik muss Menschen nicht unbedingt glücklich machen, aber Leid verringern, Hunger verhindern, Lernen fördern, oder bei drei von vier deprimierenden Alternativen die am wenigsten schädliche wählen. Und sie sollte nicht elitär daherkommen. Es kommt nicht darauf an, recht zu haben, sondern für eine fundierte Einsicht Mehrheiten zu gewinnen. Es gehört zum Job dazu, zu überzeugen, freundlich zu sein, beherrscht, wissend und manchmal auch unterhaltend. Man wird beäugt, ausgefragt und bewertet.
Wer hohe öffentliche Ämter anstrebt, sollte deshalb Gottvertrauen haben – also wissen, dass Gott, das Herz aller Dinge, der Freund des Lebens, ihn mittels Volkes Stimme in dieses Amt gehoben hat. Denn wer, wenn nicht der Amtsinhaber, braucht Gnade, Bewahrung, den Heiligen Geist, Intuition und Vertrauen in ein gutes Gelingen? Kritik wird Politiker dann nicht umhauen – sie sollten aber hellhörig sein in Gewissensdingen. Ihre erste Sorge sollte nicht einer guten Presse gelten, nicht der nächsten Umfrage, nicht der eigenen Klientel, sondern den Bürgern. Bescheidene Politiker hüten sich vor dem Wahndenken, der oder die einzig Wahre zu sein. Wichtig ist es, zu wählen. Ob Regierende oder Opposition, sie haben das Recht zu wissen, dass sie von sehr vielen von uns gewollt sind.
Der Autor
Frank Schuster ist Pfarrer an der Martin-Luther-Kirche in Neustadt-Winzingen.