Neustadt Öko-Bewusstsein per Holzhammer
„Man muss ja nicht mit dem Auto zum Bäcker fahren, um Brötchen zu holen.“ Diese Aussage eines Teilnehmers der Bürgerveranstaltung zum Klimaschutzkonzept in der Verbandsgemeinde Wachenheim vergangene Woche würde wohl jeder so unterschreiben. Gerade in einer Kleinstadt wie Wachenheim sind die Wege kurz. Auch zu einer der beiden Bäckereien. Doch in leicht abgewandelter Form und in Briefkästen in einem Neubaugebiet geworfen, sorgt der Spruch derzeit für Gesprächsstoff: „Hallo Nachbarn, wäre es Ihnen vielleicht möglich, den kurzen Weg zum Bäcker Görtz zum Kauf von Brötchen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen, um unnötige Autoabgase zu vermeiden? Die Nachbarn würden es Ihnen sehr danken“, heißt es auf dem Zettel des Anstoßes, von dem ein Foto auf Facebook kursiert. Die Reaktionen in dem Wachenheimer Forum in dem sozialen Netzwerk reichen von Kritik an der „Blockwart-Mentalität“ bis hin zur Zustimmung für die Autoren des Zettels. „Wäre wirklich interessant, wie oft der- oder diejenige in Urlaub fliegt“, heißt es da beispielsweise. Die Art der Ansprache sei zwar wenig geeignet, so schreibt eine andere Userin – die Anregung, das Auto öfter mal stehen zu lassen, sei aber prinzipiell eine gute. Klar ist, dass ein Mentalitätswandel nötig ist, um die ehrgeizigen internationalen Klimaschutzziele zu erreichen. Und auch auf lokaler Ebene ist das Thema längst angekommen, wie die Bestrebungen um ein Klimaschutzkonzept in der Verbandsgemeinde Wachenheim und im benachbarten Bad Dürkheim zeigen. Dort wird derzeit auch an einem Mobilitätskonzept gefeilt, das nur dann signifikante Verkehrsentlastung bringen kann, wenn mehr Menschen das Auto gerade für kurze Wege stehen lassen. Ansonsten droht selbst bei einem noch so ausgeklügelten Konzept die Gefahr, dass der Verkehr nur verlagert wird. Also haben die Autoren des Zettels Recht? Inhaltlich vielleicht. Doch einen Wandel im Kopf der Menschen erreicht man besser über Einsicht als über Bevormundung. Öko-Bewusstsein mit dem Holzhammer zu vermitteln, ist da kein erfolgversprechender Weg.