Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Mögliche Gefahrenlage sorgt für Polizeieinsatz an der Berufsbildenden Schule

Die Jungen und Mädchen der BBS Neustadt waren verwundert über den Polizeieinsatz an ihrer Schule.
Die Jungen und Mädchen der BBS Neustadt waren verwundert über den Polizeieinsatz an ihrer Schule. Foto: Mehn

An einen gewöhnlichen Schultag war am Montag an der BBS Neustadt nicht zu denken. Schüler befürchteten Schlimmes, weil ein Klassenkamerad unentschuldigt fehlte. Ein Großaufgebot der Polizei war im Einsatz, um die Einrichtung zu sichern. Entwarnung gibt es erst nach dreieinhalb Stunden.

Für Jamie stand am Montagmorgen an der Berufsbildenden Schule (BBS) in Neustadt unter anderem Wirtschaft auf dem Stundenplan. Es sei um das Thema Brutto- und Nettoeinkommen gegangen, erzählt der 16-Jährige. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Der Unterricht verlief jedoch unter besonderen Bedingungen. Während in den Klassenräumen Schulstoff behandelt wurde, standen um beide Gebäudeteile der BBS in der Robert-Stolz-Straße 30 und 36 zahlreiche Polizisten. Sie sicherten die Einrichtungen ab, nachdem sie am Morgen gegen 8.30 Uhr alarmiert worden waren. Sie hatten einen „vagen Hinweis auf eine mögliche Gefahrenlage“ erhalten. Die Polizei bestätigt auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass es um die Bewältigung einer sogenannten lebensbedrohlichen Einsatzlage ging. Unter diesem Fachbegriff fallen besonders gefährliche Situationen, schlimmstensfalls handelt es sich um einen Amoklauf beziehungsweise Anschlag.

Benachbarte Schulen über Einsatz informiert

Rund 2400 Schüler besuchen derzeit die BBS, sie kommen teilweise aus allen Ecken des Landes, also auch aus der West- und der Nordpfalz. Wie die Polizeidirektion Neustadt mitteilt, war das unentschuldigte Fehlen eines Schülers der Grund für den dreieinhalbstündigen Polizeieinsatz. Mitschülern sei es verdächtig vorgekommen, dass ihr Klassenkamerad am Montag fehlte. Einige Jungen und Mädchen hatten die Befürchtung geäußert, dass etwas passieren könnte. Als die Polizei davon Wind bekam, rückte sie mit einem Großaufgebot aus. „Es bestand aber zu keinem Zeitpunkt eine konkrete Gefahr für die Lehrer, Schüler und betroffenen Anwohner“, erklärte der Neustadter Polizeisprecher Stefan Molter.

Die Polizei prüfte, ob der betreffende Schüler sich im Schulgebäude oder in der Nähe davon aufhielt. „Dabei wurde jeder Winkel abgesucht, Auffälliges wurde dabei nicht festgestellt“, erklärte Molter. Die Polizei stand dabei im Austausch mit BBS-Schulleiter Manfred Bug und dem eigens für solche Fälle eingerichteten Krisenpräventionsteam. Darüber hinaus hatte sie die benachbarten Schulen über den Einsatz informiert, um Gerüchten entgegenwirken zu können. Das gelang jedoch nicht ganz. Zwischenzeitlich war in Medien und in den sozialen Netzwerken davon die Rede, dass die Realschule plus der Ort des Geschehens sei.

Eltern machen sich Sorgen

Während die Beamten im Hintergrund dem Fall nachgingen, sollten sich die Schüler sicherheitshalber in den Klassenräumen aufhalten. Das wurde ihnen per Lautsprecher-Durchsage mitgeteilt. Nach Rücksprache mit der Polizei konnten sie sich später innerhalb des Gebäudes bewegen. Trotz dieser Ausnahmesituation habe es in den Klassen keine Aufregung gegeben, erzählt die 16-jährige Sofie. „Die meisten waren ganz entspannt“, erklärt die Schülerin. An einen gewöhnlichen Unterricht war jedoch nicht zu denken. Weder für die Schüler, von denen einige immer wieder neugierig aus dem Fenster schauten, noch für die Eltern. Manche wurden von ihren Söhnen und Töchtern über die außergewöhnliche Situation benachrichtigt, mit der Bitte, sie abzuholen.

Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen war es nämlich freigestellt, ob sie den Unterricht besuchen. Volljährige Schüler durften sich selbstständig auf den Heimweg machen. Minderjährige mussten dagegen auf ihre Eltern warten. Die Mütter und Väter wurden von Polizisten in das Schulgebäude hinein- und mit ihren Kindern wieder herausgeführt. Sonst durfte während des Einsatzes niemand das Schulgebäude verlassen, der Zutritt wurde ebenfalls verweigert. Dabei war auch eine Lehrerin betroffen, die draußen vor dem Gebäude stehenbleiben musste.

Einsatzkräfte aus allen Bereichen der Polizei

Viele Passanten rieben sich verwundert die Augen, als sie die unzähligen Sicherheitskräfte vor der Schule sahen. Es waren deutlich mehr als 50 Beamte aus allen Bereichen der Polizei im Einsatz, darunter auch Spezialisten von anderen Präsidien. Sie agierten nicht nur an der BBS. Darüber hinaus waren zwölf Einsatzkräfte der Bundespolizei am Bahnhof postiert. Jan Westendorf war zufällig in der Gegend unterwegs. Weil er Angst hatte, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte, fuhr er zur BBS, die auch seine 17-jährige Tochter besucht. „Als Vater macht man sich natürlich Sorgen, weshalb ich mich hier absichern wollte“, berichtet Westendorf.

Der Einsatz wurde gegen 12 Uhr beendet, nachdem die Polizei den fehlenden Schüler daheim angetroffen hatte. Aus gesundheitlichen Gründen war er dem Unterricht am Montag ferngeblieben. Ihn erwartet zwar kein Strafverfahren, da nichts passiert ist. „Allerdings wird mit ihm gesprochen, um zu klären, weshalb solche Gerüchte in Verbindung mit seiner Person verbreitet werden“, erklärt Polizeisprecher Stefan Molter. Nach Ende des Einsatzes erklärte Schulleiter Bug den Unterricht für beendet.

Deutlich mehr als 50 Polizisten, darunter auch Sondereinsatzkräfte, zählten zum Großaufgebot.
Deutlich mehr als 50 Polizisten, darunter auch Sondereinsatzkräfte, zählten zum Großaufgebot. Foto: Mehn
x