Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wildschweine nicht überall auf dem Vormarsch

Wildschweine sind im Gegensatz zu Rehen beim Thema Futter nicht wirklich wählerisch.
Wildschweine sind im Gegensatz zu Rehen beim Thema Futter nicht wirklich wählerisch.

Wildschweinen bietet sich in den Wäldern der Region ein idealer Lebensraum. Milde Winter und ein reichhaltiges Futterangebot sorgen für eine muntere Vermehrung der Tiere. Während die Situation in Mannheim derzeit entspannt ist, sprechen Experten in Heidelberg von einer Wildschweinplage.

Begünstigt durch den Klimawandel mit milden Wintern und einem reichen Futterangebot haben die Wildschweinbestände in den letzten Jahren überall erheblich zugenommen. Während in Heidelberger Stadtteilen wie Neuenheim und Kirchheim schon von einer Wildschwein-Plage die Rede ist, zeigt die im Käfertaler Wald in Mannheim gestartete verstärkte Bejagung spürbare Erfolge. In dem großen Waldgebiet bis nach Südhessen hinein gelingt es inzwischen offenbar, die Wildschwein-Population einigermaßen in den Griff zu bekommen.

„Die gegenwärtig milden Winter mit großem Futterangebot erlauben weit mehr Jungtieren das Überleben als in früheren Jahren. Dazu ist die Reproduktionsrate extrem hoch“, verweist Marko Kratz, Revierförster im Käfertaler Wald, darauf, dass gut genährte weibliche Frischlinge schon nach sechs Monaten geschlechtsreif werden und selbst Nachwuchs bekommen können. Die rapide Vermehrung sorgt dafür, dass sich hungrige Wildschwein-Rotten auch in der Region immer wieder aus den Wäldern wagen, landwirtschaftliche Flächen heimsuchen und auf der Suche nach Fressbarem Vorgärten in Wohnsiedlungen umgraben.

Besuch im Garten

Erst in diesem März beklagten sich Gartenbesitzer in Heidelberg-Kirchheim über wiederholten Besuch von Schwarzkitteln, für die normale Maschendrahtzäune kein Hindernis sind. Im Februar 2017 war eine neunköpfige Wildschweinrotte rund eine Stunde lang nachmittags in der Weinheimer Innenstadt unterwegs. Als sich ein Tier auf der Flucht ein Bein brach, musste es noch vor Ort erschossen werden. Die übrigen acht verschwanden eilig wieder im Wald.

„Von Vorfällen mit Wildschweinen ist mir aus letzter Zeit gar nichts mehr bekannt“, sagt dagegen Wolfgang Gassner (SPD), der als Mitglied des Bezirksbeirats Käfertal und des „Runden Tischs Schwarzwild“ gut vernetzt ist. Der „Runde Tisch“ mit Vertretern von Bürgern, Jagdbehörden, Jägern, Landwirten und Wildbiologen war in Mannheim 2014 gegründet worden, nachdem Bewohner der Gartenstadt schockiert erleben mussten, wie Wildschweine aus dem nahen Wald ihre Vorgärten heimsuchten und Bereiche des Waldfriedhofs umpflügten. Die Fachleute waren anschließend übereingekommen, dass zur Dezimierung der übergroßen Schwarzkittel-Population an einer intensiveren Bejagung kein Weg vorbei führt.

Viele Abschüsse in Lampertheim

Doch ganz so einfach ist die Wildschweinjagd im Käfertaler Wald nicht. Große Treibjagden wie andernorts seien wegen der ungesicherten Autobahnstrecken und Bahngleisen im Waldgebiet nicht möglich. Vielmehr müsse aus Sicherheitsgründen wegen der weit fliegenden Projektile vom Hochsitz aus in Richtung Boden geschossen werden. Bei dieser sogenannten Kirrjagd wird etwas Futtermais als Lockmittel für die Tiere ausgelegt. Die verstärkten Anstrengungen haben sich offenbar ausgezahlt. Nach Angaben der Stadt steigerte sich in den letzten Jahren der Jagderfolg deutlich. Von durchschnittlich rund 60 erlegten Wildschweine in den Jagdjahren ab 2010 stieg die Zahl der Abschüsse auf 183 in der Saison 2018/19.

Laut einer Stadtsprecherin soll die Zahl der eben beendeten, noch nicht ausgezählten Jagdsaison 2019/20 noch darüber liegen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der zu Mannheim gehörende Käfertaler Wald mit 1150 Hektar Fläche nur ein kleiner Teil des großen, zusammenhängenden Waldes ist, der sich auf 8000 Hektar auf hessischer Seite über Lampertheim hinaus bis nach Lorsch erstreckt. „Im Staatswald Lampertheim war der Jagderfolg noch nie so groß wie in dieser Saison. Es wurden 700 Wildschweine erlegt, nicht mitgezählt die Abschüsse der privaten Jäger“, berichtet Ralf Schepp, Leiter des Forstamts Lampertheim. Eine zu große Schwarzwild-Population erschwere die Waldverjüngung, weil die Samen in Eicheln und Bucheckern gefressen würden. Neben den Schäden für die Landwirtschaft gebe es für ihn das Problem, Wildunfälle mit Schwarzwild auf einer Landstraße zu vermeiden. Ein Vorteil sei hier die neue technische Ausrüstung der Jäger mit Wärmebildkameras, die auch bei Dunkelheit einen präzisen Schuss möglich machten.

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