Mannheim Unbändiger Lebenswille trotz schwerer Krebserkrankung
Das Leben kann mitunter grausam sein. Eine Erfahrung, die Stefano Ferrara (22) aus Mannheim in den vergangenen vier Jahren gleich dreimal gemacht hat. So oft wurde bei dem jungen Mann bereits ein schweres Krebsleiden diagnostiziert. Immer wieder hat er sich mit einem enormen Willensaufwand zurück ins Leben gekämpft, doch die Krankheit will ihn einfach nicht aus ihren Fängen entlassen. Seine letzte Hoffnung setzt Stefano jetzt auf eine Therapie in den USA, die allerdings sehr teuer ist. Das Geld wollen seine Angehörigen und Freunde mit Hilfe von Spenden zusammenbringen.
„Aufgeben ist für mich keine Option“, wird Stefano Ferrara nicht müde zu betonen und lächelt dabei tapfer. Sein unbändiger Lebenswille hat ihm nicht nur die Kraft gegeben, die für ihn schwere Zeit bisher durchzustehen, sondern auch noch viele Menschen inspiriert. Familie, Freunde und bis vor kurzem noch vollkommen Fremde ziehen an einem Strang, um dem an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankten Mannheimer zu helfen. Denn die Kosten für eine spezielle Antikörpertherapie in den USA sowie Medikamente und Unterbringung in Übersee belaufen sich auf rund 1,8 Millionen Euro.
Stefanos Grundsatz: Niemals aufgeben
Ursprünglich hatte er geplant, mit seiner Familie nach Barcelona zu fahren, wo die Therapie ebenfalls angeboten wird. Dort findet sie jedoch nur bei Patienten bis zu deren 18. Lebensjahr Anwendung. In den USA ist das anders, aber eben auch weitaus kostspieliger. Die Summe, die dafür aufgebracht werden müsste, ist ernüchternd, doch auch hier zählt für Stefano der eine Grundsatz, der lautet: Niemals aufgeben.
Eine Einstellung, die den jungen Mann schon während seiner aktiven Laufbahn als Eishockeyspieler mit großem Erfolg über das Eis getragen hat. Stefano hat 15 Jahre lang bei den Mannheimer Adlern gespielt. Als er vor drei Jahren eine offizielle Anfrage aus der NHL bekam, musste er schweren Herzens absagen, da er zu diesem Zeitpunkt schon gegen den Krebs kämpfte. „Für mich ist ein Traum geplatzt, weil jeder Eishockeyprofi den Wunsch hat, einmal in Kanada oder den USA zu spielen“, gesteht Stefano.
Die dritte niederschmetternde Diagnose
Am 8. März 2017, ein Datum, das er nie vergessen wird, stellte die Krebsdiagnose im Mannheimer Diakonissen-Krankenhaus mit einem Schlag sein bisheriges Leben auf den Kopf. Doch Stefano hörte nicht auf, an ein Happy End zu glauben. Nur ein paar Tage später unterzog er sich bereits einer Operation. Es folgten Monate der Chemotherapie. Sein Lebenswille war so stark, dass er noch in dieser Zeit wieder mit dem Training begann und im Jahr darauf als Kapitän seines Teams auf dem Eis stand. Der Krebs schien besiegt, doch die Freude währte nicht lange.
Im Jahr darauf kam die Krankheit zurück und das Martyrium wiederholte sich. Stefano kämpfte weiter, überstand erneut Chemo und OP. Wieder schien alles gut zu werden, bis ihn im November 2019 zum dritten Mal eine niederschmetternde Diagnose ereilte. Diesmal wurde ihm eröffnet, dass man den Krebs nur noch verlangsamen könne, da er Metastasen in den Lymphknoten gestreut habe. „Ich habe so geweint, doch ich weiß, ich bin stärker als der Krebs“, gibt sich Stefano ungebrochen.
Trinkgeld als Spendengeld
Sein Kampfgeist motiviert eine wachsende Zahl von Menschen, ihn zu unterstützen. So wurde auf der Internetseite „GoFundMe“ ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Auch sein alter Verein, die Mannheimer Adler, macht sich für Stefano stark. Prominente, darunter Bülent Ceylan und Pietro Lombardi, setzen sich für ihn ein. Seine Familie hat zudem eine Aktion ins Leben gerufen, an der sich Unternehmer aus Mannheim und der gesamten Region beteiligen können, indem sie in ihren Geschäften Spendendosen mit Stefanos Konterfei aufstellen.
Luana Giannachi (41), die in Frankenthal einen Friseursalon betreibt, gehört dazu. Sie ist mit Stefanos Familie befreundet. „Für mich war völlig klar, dass ich etwas tun muss“, sagt sie. Doch die gebürtige Mannheimerin wollte sich nicht damit begnügen, eine Spendendose aufzustellen. In ihrem Salon vertreibt sie auch Naturprodukte, deren Hersteller sich bereit erklärt hat, einen Teil der Erlöse zu spenden. Ihre Mitarbeiter wollen bis Ende des Jahres die Hälfte von ihrem täglichen Trinkgeld spenden.
Welle der Hilfsbereitschaft
Auch bei Uwe Bürkle, der in Frankenthal ein Autohaus betreibt, stieß sie mit ihrem leidenschaftlichen Engagement auf offene Ohren. Der Geschäftsmann brachte die Idee auf den Tisch, Gastronomen in Frankenthal, die sich keinen Lieferservice leisten können, zu unterstützen, indem er ihnen die dafür erforderlichen Fahrzeuge zur Verfügung stellen möchte. „Bei mir haben sich daraufhin eine Menge Leute gemeldet, die kostenlos als Fahrer einspringen wollen“, freut sich Bürkle über die Resonanz. Im Idealfall würde er gerne noch den einen oder anderen Prominenten aus der Region mit ins Boot holen. „Mal schauen, wen wir da noch finden“, sagt er optimistisch. Und Optimismus ist genau die Energie, die die Welle der Hilfsbereitschaft derzeit wachsen lässt.
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