Mannheim
Rettungsschwimmerin im Einsatz: Im Wasser lauern viele Gefahren
Während die Besucher am Stollenwörthweiher in Mannheim-Neckarau das kühle Nass sorglos und unbeschwert genießen, beobachten die Badeaufsichten aufmerksam das Geschehen. DLRG-Rettungsschwimmerin Silvia Schiller ist heute nur für das Gespräch mit der „Rheinpfalz“ an den „Stollen 2“ gekommen. Eigentlich hat sie die Wachleitung im Carl-Benz-Bad in der Gartenstadt. Doch als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der DLRG Mannheim kommt sie natürlich auch in die drei anderen Mannheimer Freibäder und an den Stollenwörthweiher, wo insgesamt rund 150 ehrenamtliche DLRG-Rettungsschwimmer das Personal vor Ort unterstützen.
Kürzlich erst war sie hier, als der Lions Club ein mit einem Elektromotor betriebenes Rettungsboot an den Schwimmverein übergab. Die Spende war an die Bedingung geknüpft, dass das Boot nicht nur am „Stollen 2“, sondern auch am vom Volkstümlichen Wassersportverein Mannheim betriebenen „Stollen 1“ zum Einsatz kommt. Beide Vereine wollen in Zukunft nach einem gemeinsamen Rettungskonzept arbeiten. „Das ist am Badesee aufgrund der Entfernungen natürlich eine ganz andere Situation als im Frei- oder Hallenbad“, sagt Schiller.
Gefahr durch Übermut
Nicht ohne Grund lautet ein Sprichwort „Wasser hat keine Balken“. Das gilt auch im Schwimmbecken. Zumal der Anteil von Nichtschwimmern steigt. Sich allein auf Schwimmhilfen zu verlassen, sei eine trügerische Sicherheit, warnt die 28-Jährige. Doch auch bei Älteren, die das Schwimmen eigentlich beherrschen, führe die Kombination aus Übermut, Hitze und mitunter Alkohol zu Situationen, in denen eine Badeaufsicht aktiv werden muss. „Auch wenn es dabei nicht immer gleich ums Ertrinken geht“, berichtet Schiller, die bislang das Glück hatte, noch in keiner solchen Extremsituation Ersthelferin sein zu müssen. Im Ernstfall könnte sie jedoch das immer und immer wieder Geübte jederzeit abrufen.
Silvia Schiller ist in Mannheim geboren und aufgewachsen und lebt noch immer hier. Sie unterrichtet an einer Beruflichen Schule. In Kontakt mit dem Rettungsschwimmen kam sie erst mit 17 Jahren. „Eine Freundin war bei der DLRG aktiv“, erzählt sie. Schwimmen gelernt hat sie als Kind von den Eltern. Aber dass sie nun eine besondere Beziehung zum Element Wasser gehabt hätte oder Schwimmen schon früh ihr Lieblingssport gewesen sei, würde sie so nicht sagen wollen. „Es hat sich so ergeben. Ich leiste gerne meinen Beitrag, damit andere im Sommer sicher Spaß haben können. Außerdem haben wir innerhalb der Truppe eine tolle Gemeinschaft“, erzählt Schiller.
„Ein Planschbecken reicht, um zu ertrinken“
Sie ist Inhaberin des Deutschen Rettungsschwimmabzeichens in Silber, das sie alle zwei Jahre auffrischen muss. Die Prüfungsordnung macht dabei genaue Vorgaben zu Theorie und Praxis. „Im praktischen Teil sind unter anderem verschiedene Schwimmstile gefordert, aber auch Tief- und Streckentauchen und natürlich Transportschwimmen sowie das Schleppen einer verunfallten Person und die Handhabung der Rettungsgeräte“, berichtet sie. Und natürlich muss die Erste Hilfe sitzen. „Denn als Rettungsschwimmer haben wir es auch mit kleineren und größeren Blessuren an Land zu tun, beispielsweise, wenn jemand am Beckenrand stolpert“, erzählt sie. Platzwunden müssen ebenso versorgt werden wie Bienenstiche oder diejenigen, bei denen der Kreislauf aufgrund von Hitze oder Überanstrengung schlapp macht.
Schiller engagiert sich zudem als Ausbilderin in verschiedenen DRLG-Schwimmkursen. „Es ist so wichtig, Kindern früh die Angst vor dem Wasser zu nehmen und ihnen alles an die Hand zu geben, damit sie sich sicher darin bewegen können. Auch ein Planschbecken reicht, um zu ertrinken“, weiß sie. Doch da aufgrund von Corona Schwimmunterricht an Schulen sowie Schwimmkurse in den Hallenbädern ausfallen mussten, ist der an sich schon hohe Nichtschwimmeranteil weiter gestiegen. „Wir von der DLRG haben uns daher entschlossen, erstmals in drei der vier Mannheimer Freibäder während des laufenden Badebetriebs Schwimmkurse anzubieten. Diese waren gleich ausgebucht.“
Warnung vor den Flüssen
Wer mindestens zehn Jahre alt ist und das Deutsche Schwimmabzeichen in Gold hat, den versucht sie fürs Rettungsschwimmen zu begeistern und zum Junior-Retter auszubilden. „Um Gefahren am und im Wasser zu erkennen und darauf reagieren zu können, sowohl für sich als auch für andere“, sagt sie und warnt zugleich davor, trotz allem Können in fließendem Gewässer zu schwimmen. „Neckar und Rhein sind aufgrund von Strömungen und Schiffsverkehr ein gefährliches Terrain. Viele verschätzen sich zudem, was die Entfernungen angeht. Das kann auch erfahrene Schwimmer in Lebensgefahr bringen“, sagt Schiller. Aus diesem Grund sei die DLRG Mannheim gegen die Aufhebung des in Mannheim bestehenden Badeverbots an Flüssen. Doch auch beim Baden in Seen ist Vorsicht geboten. Kinder dürften nicht aus den Augen gelassen werden, sagt Schiller mit Blick auf die zwei schweren Badeunfälle im Juni am Vogelstangsee. Eines der Kinder konnten die DLRG-Rettungstaucher nur noch tot bergen.