Mannheim
Netzwerk unterstützt an Long Covid leidende Menschen
Aber wie kann man helfen, wenn nach einer überstanden geglaubten Krankheit besonders bei Frauen Langzeitbeschwerden auftreten? Eine Podiumsdiskussion in der Mannheimer Abendakademie machte deutlich, dass dieses Phänomen, bei dem weder Laborwerte, noch die übliche Vorgehensweise das Geheimnis lüften, ein neues Denken aller Beteiligten notwendig ist.
„Alle sollten voneinander lernen, die Medizin auch von den Patienten“, lautet das Motto auch von Uta Merle, Leiterin der Long-Covid-Spezialambulanz am Universitätsklinikum Heidelberg. Sie bedauert allerdings, dass nur ein Drittel der Betroffenen mit ihren Sorgen auch zum Hausarzt gehen. Diese Praxen seien der erste und zentrale Ansprechpartner für die Begleitung in einem gestuften Versorgungskonzept.
Kultur des „Voneinander lernen“ schaffen
Ziel des Netzwerks ist eine Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und der Long-Covid-Ambulanz im Universitätsklinikum Heidelberg. Hier könne nach entsprechenden Voruntersuchungen durch den Hausarzt bei medizinischer Notwendigkeit eine Vorstellung veranlasst werden. Patienten, Hausarztpraxen, Ambulanz, Fachspezialisten auf ambulanter und stationärer Ebene, Physiotherapie, Ergotherapeuten, Selbsthilfegruppen und Rehabilitationseinrichtungen könnten als Netzwerk eine Kultur des „Voneinander lernen“ schaffen.
Uta Merle ist sicher: Nur mit Offenheit und der Bereitschaft der Gesellschaft, die Leidenden ernsthaft zu unterstützen, könne man Schritt für Schritt vorwärtskommen. Es passiere oft, dass Menschen, die bis zu zwölf Monate nach einer Ansteckung weder an den Arbeitsplatz zurückkehren noch ihren Alltag bewältigen können. „Du siehst doch wieder gut aus, ich weiß gar nicht, was du hast“, seien Sätze, die dann häufig fielen. Wenn die Kranken auf Unverständnis und Unwissenheit stoßen, verstärkten sich Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Depressionen. Es sei an der Zeit, dass das Gesundheitssystem ganz pragmatische Hilfen entwickle und fördere, so die Wissenschaftlerin.
Tablette gegen Krankheit wird es nicht geben
Im Mannheimer Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI) hat man inzwischen eine Anlaufstelle für Long-Covid-Patienten eingerichtet, die unter Schwindel, Gliederschmerzen, Konzentrationsstörungen, Ängsten, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen leiden. Marco Heser leitet im ZI die Abteilung für Ergotherapie und verantwortet das individualisierte Therapieprogramm. „Ich würde mir wünschen, dass auch in anderen Praxen meiner Berufsgruppe Long-Covid-Betroffenen mit solchen maßgeschneiderten Übungen geholfen wird“, sagt der Mediziner. Eines wird deutlich aus seinen und den Ausführungen von Claudia Schilling, der Chefin der ZI-Spezialsprechstunde: Eine Tablette gegen die Krankheit wird es über kurz oder lang wohl nicht geben.
Im Netz
www.longcovidnetz.de