Mannheim
Fußgängerbrücke über die B 38: Wettstreit zweier grundverschiedener Varianten
„Die Taylorbrücke wird das erste Bauwerk sein, was von Norden kommend von Mannheim zu sehen ist“, sagte Achim Judt, Geschäftsführer der Konversions-Gesellschaft MWSP, bei der Präsentation des Entwurfs im Mannheimer Gemeinderat. Klar ist daher, dass deren repräsentativer Wirkung eine besondere Bedeutung zukommt.
In einem vorausgegangenen Gestaltungswettbewerb hatte eine Jury Ende September den Entwurf des Berliner Architekten Francis Kéré zum Sieger gekürt. Dieser sieht eine von zwei Betonsockeln getragene Holzfachwerkkonstruktion über die B 38 vor. Oben und an den Seiten sind ihre Benutzer sowie die Brückenkonstruktion selbst durch Schindeln aus Lärchenholz vor Wind und Wetter geschützt. Die spitzen Dachformen an den Brückenköpfen und seitlichen Öffnungen der „Schindelhaut“ vermitteln eine afrikanische Anmutung, aufgegriffen wird aber ebenso das historische Thema der gedeckten Holzbrücken aus dem Alpenraum.
Taylor-Brücke hat afrikanische Anmutung
Diébédo Francis Kéré, ein aus Burkina Faso stammender Architekt, lebt und arbeitet seit 1985 in Deutschland. Im Jahr 2013 hatte er zusammen mit den Landschaftsarchitekten von Man Made Land auch den Wettbewerb um die Neugestaltung des ehemaligen Taylor-Kasernengeländes gewonnen. Die Umgestaltung von Taylor nach diesen Plänen zu einem innovativen Gewerbepark mit durchgehendem Grünzug konnte bereits im Juli 2019 fertiggestellt und der Park eröffnet werden (wir berichteten).
Als letztes Element hat dort bisher noch ein Übergang für Radfahrer und Fußgänger über die B 38 zum Käfertaler Wald gefehlt. Ziel ist die regionale Vernetzung der Freiräume mit dem Mannheimer Grünzug Nordost. „Die durch Lärchenschindeln vor Verwitterung geschützte Holzkonstruktion kann bis zu 80 Jahre überdauern“, versicherte Judt den Gemeinderäten.
Waldwipfelpfad auf Holzstützen
Ein Problem für die Planer sei die bisher parallel zur B 38 verlaufende OEG-Trasse gewesen, erläuterte der MWSP-Geschäftsführer mit Hinweis auf das begrenzte Budget. Der weitere Auslauf der Brücke in den Käfertaler Wald solle deshalb nun als Waldwipfelsteg auf Holzstützen konstruiert werden. Die Planungen dafür dauerten aber noch an, sagte Judt.
Rund 1000 Meter südlich ist in Höhe der Stadtteilzentren Franklin und Vogelstang eine weitere Fuß- und Radwegeverbindung vorgesehen – der Franklin-Steg, Aus dem dem Franklin-Steg vorgeschalteten Gestaltungswettbewerb sind bislang allerdings gleich zwei siegreiche Entwürfe hervorgegangen, die sich deutlich unterscheiden. Da ist zum einen eine innovative Holzbrücke, zum anderen der Entwurf für einen elegant geschwungenen Stahlsteg. Mit ihrer „markanten, skulpturalen Holzkonstruktion“ sei diese zweite Brücke schon aus der Ferne ein Blickfang, lobt das Preisgericht den Holzbrücke-Entwurf der Ingenieure Knippers Helbig. Bei dem durch „besondere Einfachheit und Klarheit“ überzeugenden Beitrag der Ingenieure Leonhardt, Andrä und Partner, ebenfalls aus Stuttgart, füge sich hingegen die filigrane und zurückhaltende Stahlkonstruktion als in sich geschlossene Figur in die Umgebung ein und scheine über der B 38 und dem angrenzenden Columbus-Park zu schweben“, loben die Preisrichter.
Franklin-Steg soll 2022 fertig sein
„Beide Entwürfe haben uns gestalterisch überzeugt und könnten einen hervorragenden Beitrag zur Realisierung des angestrebten Boulevardcharakters der B 38 im Bereich des nordöstlichen Mannheimer Stadteingangs leisten“, betonte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Die beiden Kandidaten für den Franklin-Steg bekommen nun Zeit zur weiteren Überarbeitung. Eine endgültige Entscheidung für einen der beiden Entwürfe und die Beauftragung soll dann Anfang kommenden Jahres erfolgen. Der Baubeginn des Franklin-Stegs“ ist für 2022 vorgesehen.