Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Feldhamster-Auswilderung von Erfolg gekrönt

Schwärmt von dem erfolgreichen Projekt: Umweltbürgermeisterin Diana Pretzell mit einem der Hamster.
Schwärmt von dem erfolgreichen Projekt: Umweltbürgermeisterin Diana Pretzell mit einem der Hamster.

Beim Bau der SAP-Arena ist seinerzeit ein wichtiger Lebensraum für die vom Aussterben bedrohten Feldhamster verloren gegangen. Seither werden im Zoo gezüchtete Nager auf Äckern im ganzen Stadtgebiet ausgewildert – gerade wieder zehn Tiere in Straßenheim. Und die wachsende Anzahl an Hamsterbauten zeigt, dass deren Bewohner sich dort wohlfühlen.

Ein letztes Zucken der schwarzen Fellnase, ein letztes Mal die Ohren geputzt, und dann entschwindet Romeo in seinen frisch angelegten Hamsterbau. „Ich habe ihn Romeo getauft, weil er mich die ganze Zeit angeschaut hat“, sagt Mannheims Umweltbürgermeisterin Diana Pretzell (Grüne) bei der Auswilderungsaktion. Zehn Feldhamster, Männchen und Weibchen, haben bei Straßenheim eine neue Heimat erhalten.

Insgesamt sollen in diesem Jahr rund 180 Feldhamster auf den Äckern Mannheims ausgewildert werden. Großgezogen wurden sie vom führenden Experten Ulrich Weinhold und seinem Team im Heidelberger Zoo. Die ersten zehn Tiere sind dabei fast schon die Methusalems unter den Hamstern. „Die sind jetzt rund zwei Jahre alt und haben eine Lebenserwartung von vier Jahren. Normalerweise wildern wir einjährige Exemplare aus“, erklärt Weinhold.

Hamster-Äcker für Landwirte kaum nutzbar

Ausgewildert wurden die neuen Mannheimer auf den Feldern von Gerhard Seitz. „Ich stelle dafür 50 Hektar zur Verfügung.“ Insgesamt sei der „Wohnpark“ mit Hamsterbaus allein bei Straßenheim zwischen Viernheim, Heddesheim und Wallstadt/Vogelstang aber rund 150 Hektar groß, schätzt er. Die Landwirte sind ein wichtiger Faktor des Auswilderungsprojekts, wie Weinhold und Projektleiterin Ribana Seliger aus dem Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums Karlsruhe erläutern.

Schließlich können die Hamster-Äcker nur sehr begrenzt als Produktionsfläche genutzt und bewirtschaftet werden. „Die Äcker hier dienen nur als Deckung und Nahrung für die Hamster“, verwies Seitz auf die mit der eiweißreichen Kleeart Luzerne bedeckten Felder, in denen weit über 20 Fähnchen die beobachten Höhlen markieren. „Und das Getreide daneben ist die Speisekammer.“ Auch hier haben sich bereits Hamster angesiedelt, wie Weinhold und sein Team wissen. Immerhin: „Wir erhalten dafür einen Ausgleich vom Regierungspräsidium“, erklärt Seitz.

Über Stadtgrenzen hinaus „gewandert“

Erste Erfolge gibt es bereits, denn nicht nur die Hamsterpopulation auf den Feldern rund um Straßenheim sei angewachsen. „Wir hatten dieses Jahr auch wieder richtig viele Feldhasen.“ Eine weitere geschützte Tierart, deren Population in Deutschland immer stärker zurückgehe. Außerdem wissen Seitz und seine Kollegen auch von einer kleinen Gruppe von Rehen, die sich auf der Freifläche zwischen Autobahnen und Landstraßen heimisch fühlt. Und wie zur Bestätigung zwitschert eine Nachtigall aus dem Gebüsch, als Bürgermeisterin Pretzell gerade von dem erfolgreichen Projekt schwärmt.

Immerhin 130 Hamsterbauten wurden im Frühjahr allein bei Straßenheim gezählt. Mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Sogar bis nach Heddesheim, Ladenburg und Viernheim seien die kleinen Wanderer mittlerweile gekommen, wie die Projektbegleiter anhand der erfassten Bewegungsdaten, aber auch durch Genproben gesammelter Hamster feststellen konnten. Aber selbst wenn die Population weiter in diesem Ausmaß ansteigt und die Hamster sich auf natürlichem Weg vermehren, sieht Weinhold noch lange kein Ende der Auswilderungen. „Fertig wären wir erst, wenn wir wieder auf jedem Feld im Rhein-Neckar-Kreis Hamster finden würden.“ Bis dahin sei es noch ein weiter Weg. Aber ein lohnender, betont Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder: „Wir müssen unsere biologische Vielfalt schützen.“ Der Hamster stehe dabei stellvertretend für alle Tiere, die durch intensive Landwirtschaft bereits verschwunden seien. Durch Projekte wie die Auswilderung und vor allem durch die Verträge mit den Landwirten erhalten diese Tiere ihren Lebensraum zurück, wachse die Population langsam wieder.

Das Wiederaussiedlungsprojekt ist ein Ausgleich für die zerstörten Hamsterlebensräume, die beim Bau der SAP-Arena im Mannheimer Bösfeld verloren gegangen sind.

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