Mannheim
Eine App für den Sport: Viele Anfragen aus den USA
Viele Trainer kennen das Problem: Wie erreiche ich die Spieler außerhalb des Trainingsgeländes? Am besten dort, wo Jugendliche und junge Erwachsene ohnehin einen Großteil ihrer Freizeit verbringen: am Smartphone. Mit ihrem Start-up „Playerdash“ haben Lukas Fieber und Aditya Pasarakonda eine App für Sportvereine entwickelt: Videoanalysen, Taktikvorgaben und Trainingspläne lassen sich so bequem über Handy oder Laptop teilen. In der deutschen Hockey-Bundesliga hat sich die digitale Plattform bereits etabliert, nun wurden sie mit dem Mannheimer Existenzgründerpreis ausgezeichnet. Doch das ist nur der erste Schritt, auch den amerikanischen Sportmarkt wollen die jungen Hockeytrainer mit ihrer App erobern – und sich in Deutschland an König Fußball heranwagen.
Wenn Lukas Fieber erklärt, wie es zur Idee kam, muss er erstmal weit ausholen. Angefangen hat im Grunde alles beim Mannheimer Hockeyclub. Hier griff der heute 31-Jährige schon im Grundschulalter zum Schläger und arbeitete selbst früh als Jugendtrainer. „Videoanalysen spielen im Hockey eine große Rolle. Sie kommen schon früh, schon im Jugendbereich und auch in den unteren Spielklassen zum Einsatz“, verrät er. Immer mehr fokussierte sich Fieber, der selbst in der Bundesliga spielte, auf diese Arbeit abseits des Spielfelds – und wurde 2015 Co-Trainer für Videoanalyse bei der deutschen Damen-Hockey-Nationalmannschaft.
Olympia-Gold als Lohn
Mit Erfolg: 2016 räumten die Hockey-Damen die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ab. Vielleicht auch dank Fiebers Videoanalysen. Kurz darauf wurden er und weitere National-Trainer von China abgeworben. Auch in den USA trainierte der gebürtige Mannheimer mehrere College-Mannschaften. Mit einem Problem aber hatte er als Video-Trainer immer zu kämpfen. „Die Frage war, wie ich außerhalb der Besprechungen Informationen an die Spielerinnen und Spieler bekomme, unabhängig vom Training oder den Spielen“, verrät er.
Natürlich konnte er Videoclips hochladen. Doch dann hieß es nur: Daten anklicken, scrollen und vergessen. „Bei einer langweiligen Darstellung im Ordner-System ist vielen der Aufwand zu groß, sodass sie es sich erst gar nicht anschauen“, weiß er. Auch Aditya Pasarakonda, zur damaligen Zeit Co-Trainer der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, stand vor ähnlichen Problemen. Bis sie einfach selbst eine Lösung (er)fanden. „Unser Ziel war es, sportrelevante Themen möglichst gebündelt an einen Ort zu packen – und den Zugriff für die Spieler dabei so einfach und überschaubar wie möglich zu halten. Ohne langes Suchen gelangen sie mit nur einem Klick zu dem Inhalt, den sie brauchen“, erklärt Fieber.
Spielzüge bis Essensplanung
Herausgekommen ist Playerdash, das sich schon dem Namen nach an einem Dashboard (zu Deutsch: Armaturenbrett) orientiert. „Wer schon einmal mit Power Point gearbeitet hat, kommt damit auch klar“, sagt der Trainer über die grafische Benutzeroberfläche, die je nach Sportart und Verein ganz individuell gestaltet werden kann. Die Beispiele, die Fieber zeigt, erinnern ein wenig an einen Fußball-Simulations-Manager oder den Fifa-Karrieremodus auf der Playstation. Nächste Gegner (samt Wappen), Spielvorbesprechung, Standard-Situationen, Spielzüge bis hin zur Reise- und Essensplanung fürs nächste Auswärtsspiel: Die Bausteine, die angeklickt werden, erzeugen schon beim Hinsehen Spannung, ein Wettbewerbsgefühl. „Gamification“ nennt Fieber das.
Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Die Herren-Hockey-Nationalmannschaft nutzte als erste eine Testversion. 2020 entschlossen sich Fieber und Pasarakonda, eine Firma zu gründen und die Plattform zu veröffentlichen. Die ersten Nutzer, die weiblichen und männlichen Vertreter der Hockey-U19, wurden prompt Europameister. Mittlerweile nutzen schon 70 Prozent der Hockey-Bundesliga-Teams die App, die sich aber nicht nur auf eine Sportart reduziert. Auch aus dem Eishockey, Handball und Fußball kommen Anfragen. Unter anderen die U17 des VfB Stuttgart macht von der App Gebrauch.
Ist das was für Hansi Flick?
„Hansi Flick hat aber noch nicht angefragt“, sagt Fieber lachend. Bei der Laudatio zum Gewinn des Mannheimer Existenzgründerpreises wurde der Name des Trainers der deutschen Fußballnationalmannschaft ins Spiel gebracht. Langfristig habe man auch den deutschen Profi-Fußball im Blick. Zunächst aber wolle man in den USA viele Anfragen abdecken. In den amerikanischen College-Ligen von Eishockey bis Fußball habe man sich bereits einen Kundenstamm aufgebaut – und auch bei Vereinen aus Europa bereits Interesse geweckt.
Sport und Digitalisierung: Für gewöhnlich werden die beiden Begriffe eher als Gegenspieler betrachtet. Dank der App aber bilden sie eine Symbiose, wird Technik genutzt, um Inhalte zu transportieren und Zeit zu sparen. Nur Fieber selbst ist vor lauter App-Entwicklung zu einer Sache noch gar nicht gekommen. Eigentlich hat der 31-Jährige Physik und Geografie auf Lehramt studiert. „Zur Zeit weiß ich gar nicht, ob ich mein Referendariat noch mache“, gesteht er. Doch bei näherer Betrachtung von Playerdash wird klar, im Grunde ist die App nicht nur für den Sport spannend. Auch für die Schule könnte der schlicht gehaltene und doch inhaltsgeladene Aufbau als Lehr- und Lernmethode vielleicht einmal von Interesse sein.