Pfälzische Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Das schwimmende Dorf: Die Holländerflöße auf dem Rhein

Ein Holländerfloß vor der Festung Ehrenbreitstein, Gemälde von Johann Adolf Lasinsky, 1828.
Ein Holländerfloß vor der Festung Ehrenbreitstein, Gemälde von Johann Adolf Lasinsky, 1828.

Wer Schiffe bauen will, braucht im 17. und 18. Jahrhundert Holz. Und so machen sich 300-Meter-Flöße auf die lange Rheinfahrt Richtung Niederlande.

Es sind Riesen, die da am Ende einer langen Fahrt in den Niederlanden ankommen: Holzflöße, über 300 Meter lang. Ein Dutzend Hütten auf dem Hauptfloß, „worauf ein mittelmäßiges Dorf Platz haben könnte, und die von 400 bis 500 Ruderknechten und Arbeitern“ bewohnt werden, so ein Rheinreisender 1789. Die seefahrenden Holländer entwickeln seit dem 17. Jahrhundert einen ungeheuren Appetit auf Holz, notwendig für den Schiffbau. Und der Rohstoff für die kolonialen Ambitionen läuft über den Rhein ein.

In Mannheim wird gestapelt – und gebunden

Ausgangspunkt der Fahrt sind die Schweiz und vor allem der Schwarzwald, wo die begehrten, großen und geraden Stämme auf Nebenflüssen des Rheins zum Hauptstrom gebracht werden können. Ein Floß wächst, auf seiner Reise rheinabwärts, und einen Wachstumsschub bekommt es oft in Mannheim: Die Stadt entwickelt sich zum wichtigen Stapel- und Bindeplatz für die Rheinflöße, über Nagold und Neckar fließt weiteres Material zu. Und sie entwickelt sich zum Ort für die Co-Finanzierung der Reise, einer Reise, auf der „bei aller Solidität (...) aus Reichen Leuten Bettler werden können“, so ein Beobachter 1790.

Ihre endgültige Größe erreichen die „Holländerflöße“ erst bei Koblenz oder Andernach, wenn der schwierig zu befahrende Mittelrhein passiert ist. Gesteuert werden die Giganten über „Knie“, beweglich verbundene Einzelflöße, und über Anker am Heck, von Floßschiffern auf kleinen Booten ausgebracht.

Aus dem Pfälzerwald dürfte dabei vor allem das vergleichsweise kurze Material für die „Knie“ gekommen sein: Die pfälzischen Zuflüsse des Rheins sind zu wasserarm, um wesentlich mehr als Scheite von etwa einem Meter Länge zum Rhein treideln zu können – und der Landtransport ist aufwendig und teuer. Getreidelt wird in der Pfalz vor allem Brennholz für die Orte auf der Rheinebene, schon im 18. Jahrhundert ziemlich kahlgeschlagen.

x