Mannheim
Arbeitnehmerprotest mit Abstand
„ZeroCovid-Solidarität in Zeiten der Pandemie“ – die Forderung, die einige Aktivisten auf ihrem Banner formulierten, hätte auch gut zur gesamten Kundgebung gepasst. Zumindest Hauptredner Thomas Hahl, Geschäftsführer und Bevollmächtigter der IG Metall in Mannheim, stellte die Pandemie ins Zentrum seiner Rede. Corona, sagte Hahl, habe die Arbeitnehmer in jeder Hinsicht härter getroffen als die Konzerne, die teilweise auch im vergangenen Jahr wieder große Gewinne gemacht hätten. „Wir wollen optimistisch in die Zukunft gehen und die Krise gemeinsam und solidarisch besiegen“, rief er aus.
„Wir sind froh, dass uns die Kundgebung genehmigt worden ist und haben deshalb auf einen Demonstrationszug verzichtet“, erklärte DGB-Kreisvorsitzender Jens Lehfeldt. Demonstriert wurde in der Innenstadt trotzdem. Das „Solidaritätsnetzwerk Mannheim“ hatte seinen Zug offensichtlich gerichtlich durchgedrückt, forderte unter anderem die Unterstützung der Seenotrettung, internationale Solidarität und ganz einfach auch ein „schönes Leben“. Für die Demo wurden die Netzwerker von den Gewerkschaftsleuten beim Vorbeiziehen kritisch beäugt, später aber kam zumindest ein Teil von ihnen auch noch auf den Marktplatz.
Sorge um Zukunft der Pflegeberufe
Hier formulierte Lehfeldt seine konkreten Forderungen an die Stadt Mannheim: „Auftragsvergabe nur an Firmen mit gültigen Tarifverträgen und Tarifverträge des Öffentlichen Dienstes für alle städtischen Tochterunternehmen“, etwa auch für die Angestellten der KMD als Tochtergesellschaft am Mannheimer Klinikum. „Faire Tariflöhne haben eine große Hebelwirkung für soziale Gerechtigkeit“, mahnte er an.
Faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen forderte Klara Ronellenfitsch, Krankenpflegerin am Klinikum: „Rund 9000 erfahrene Pflegekräfte haben im Verlauf der Pandemie ihre Profession aufgegeben“, sagte die Vertreterin der Verdi-Jugend. Das sei ein niederschmetterndes Signal für die Zukunft der Pflegeberufe, zumal auch die Ausbildung unter Pandemie-Bedingungen nicht gewohnt qualitativ hochwertig gewährleistet sei. Im Zusammenspiel seien dies düstere Zukunftsaussichten. Man müsse weg von symbolischen Gesten und hin zu konkreten Verbesserungen.
Arbeitsschutz am Arbeitsplatz gefordert
Über allem stand aber der Wunsch nach einer Rückkehr zur Normalität. „Normalerweise sind bei unserer Kundgebung viele Informationsstände und Menschen, die sich freuen, dass sie sich treffen“, erinnerte sich Hahl mit Wehmut an vergangene Jahre. Er sei froh, dass es immerhin gelungen sei, eine coronakonforme Veranstaltung mit einer begrenzten Besucherzahl durchführen zu dürfen.
Arbeitsschutz in der Arbeitswelt sei ein Weg zur Rückkehr in die Normalität, sagte er weiter. Man müsse in Deutschland zur Bekämpfung der Pandemie lediglich den seit 1996 zwingend vorgeschriebenen vorbeugenden Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz anwenden. Dort seien technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen zu treffen. Stattdessen aber werde seit Jahren ein folgenschwerer Gesetzesbruch betrieben. Ein Skandal, waren sich die Aktivisten bei der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Mannheim einig.