Mannheim
Angst im Kiez: Erneut Gewaltverbrechen in Mannheimer Problembezirk
Es ist noch hell, als die Schreie eines Mannes zu hören sind. Wenig später ist die Mittelstraße, die zentrale Achse in der Neckarstadt-West in Mannheim, abgeriegelt. Die Polizei ist um 20.15 Uhr zu einem Großeinsatz ausgerückt. Während die Fahndung nach den Tätern läuft und die Spurensicherung ihre Arbeit tut, stirbt das Opfer an seinen Verletzungen in der Klinik.
Drei Personen festgenommen
Noch am selben Abend werden zunächst drei Personen, zwei Männer und eine Frau, festgenommen. Am Donnerstag erhärtet sich dann der Verdacht gegen die beiden Männer, die wie ihr Opfer aus Tunesien stammen sollen. Sie werden am Abend in Gefängnisse gebracht. Einem 22-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft vor, seinen Landsmann „aus nichtigem Anlass“ mit einem Messer tödlich an Herz und Lunge verletzt zu haben. Ein 26 Jahre alter Komplize soll sich an dem Angriff beteiligt haben. Die Frau kommt laut einer Polizeisprecherin als Zeugin in Betracht.
Zuvor anderer Mordfall in der Nähe
Es ist das zweite Gewaltverbrechen innerhalb weniger Tage. Am Montagmorgen ist nicht weit vom aktuellen Tatort entfernt ein 35-Jähriger tot in seiner Wohnung gefunden worden. Wie eine Obduktion ergeben hat, wurde der Mann ermordet. Eine 45-köpfige Ermittlungsgruppe arbeitet an dem Fall, bei dem noch viele Fragen offen sind. Möglicherweise lag das Opfer schon länger tot in seiner Wohnung.
Das ist die Neckarstadt-West
Für die Bemühungen von Politik und Behörden in dem Kiez sind die Ereignisse in dieser Woche ein schwerer Rückschlag. Auf ihrer Internetseite beschreibt die Stadt die Neckarstadt-West als einen „sehr urbanen Stadtbezirk“, der im innerstädtischen Mietvergleich sehr gut abschneide. Er sei vor allem bei Künstlern, Galeristen, Auszubildenden und Studenten beliebt. „Aufgeschlossenheit, Toleranz und Lebendigkeit diktieren die Atmosphäre, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass hier Menschen aus über 160 Nationen leben.“
Die Neckarstadt-West gilt aber auch als das Herz der Mannheimer Rotlichtszene. Viele Frauen, die aus Südosteuropa stammen, werden durch das Prostitutionsverbot in der Corona-Krise in die Illegalität getrieben. Die Behörden versuchen in erster Linie mit Kontrollen der vielen kleinen Gaststätten, Präsenz zu zeigen. Immer wieder gibt es Razzien.
Angst, sich auf die Straße zu trauen
Die Nachricht von der erneuten Bluttat hat sich in dem Bezirk bis Donnerstagmorgen wie ein Lauffeuer verbreitet. Vor einem größeren Supermarkt ist das Ereignis bei vielen Passanten Gesprächsthema Nummer eins. „Ich kenne viele Leute, die sich hier abends nicht mehr auf die Straße trauen“, sagt eine junge Frau. Sie will lieber anonym bleiben.