Ludwigshafen Zwischen Schlagerparty und Las Vegas-Show

Viel Glitzer, Glimmer, Glamour: Helene Fischer schwebt in die SAP Arena ein.
Viel Glitzer, Glimmer, Glamour: Helene Fischer schwebt in die SAP Arena ein.

Die unangefochtene deutsche Schlagerkönigin Helene Fischer schlägt mit ihrer Arena-Tour ein neues atemberaubendes Kapitel ihrer Live-Karriere auf. Zwei ausverkaufte Shows mit insgesamt 22.000 Fans an beiden Abenden hat sie in der Mannheimer SAP Arena auf Weltklasseniveau zelebriert. Spektakuläres Luftballett, großartige Choreographien, opulentes Design ließen keine Wünsche offen. Ein Abend, der das Phänomen Helene Fischer vorführte und eines deutlich machte: Das ist mehr als nur Schlager.

Helene Fischer

polarisiert. Gar keine Frage. Doch irgendetwas muss an dem Phänomen dran sein, denn die Zahlen sprechen für sich. Allein im Rahmen ihrer Tournee „Helene Fischer Live 2017/2018“ absolvierte Europas erfolgreichste Live-Künstlerin im deutschsprachigen Raum 63 Shows und legte diesen Sommer mit ihrer Stadion-Tournee nach. Nach einer krankheitsbedingten Unterbrechung holt sie nun im Spätherbst weitere Arena-Konzerte nach. Die Generalprobe dazu führte sie nach Mannheim. „Es ist ein tolles Gefühl hierher zurückzukehren“, ließ Helene Fischer verlauten. Eine Woche hätten sie in der SAP-Arena geprobt, sie seien buchstäblich dort weggeschlossen gewesen, witzelte sie. In der Tat, aus dem Stegreif wäre eine Show dieses Ausmaßes wohl auch kaum möglich. Die Show, die in Zusammenarbeit mit 45 Degrees, dem kreativen Herzstück des Entertainment-Unternehmens Cirque du Soleil, entstanden ist, setzt nicht nur technisch Maßstäbe. Sie katapultiert die deutsche Künstlerin überdies auf Augenhöhe mit US-Diven wie Madonna oder JLo. Das Ganze changierte irgendwo zwischen Schlagerparty und Las Vegas-Show. Doch die visuelle Opulenz, gepaart mit mitreißenden Rhythmen, musste der Zuschauer sich erst erobern. Überfüllte Parkplätze, lange Warteschlangen, längere Fußmärsche, stillgelegte Bahnlinien, eben der ganz normale Wahnsinn, den so ein Mega-Event im Schlepptau mit sich führt. Die Fans nahmen es gelassen, und wie durch Zauberhand hatte sich alles in Wohlgefallen aufgelöst, als das Konterfei der Künstlerin wie ein riesiges Hologramm auf dem Bühnenvorhang prangte und großes Kino ankündigte. Erwartungsgemäß schwebte Helene Fischer auf die Bühne herab, als wolle sie dem Sprichwort „Alles Gute kommt von oben“ Genüge tun. Die Zeile „Und wir steigen höher zu zweit“ ihres Openers „Nur mit dir“ zeigte dann auch gleich diese Richtung an. Es ging an diesem Abend des Öfteren in luftige Höhen, ob auf Hebebühnen, an Seilen oder auf Schaukeln. Die Arena wurde voll bespielt. Die deutsche Schlagergöttin bestieg buchstäblich den Olymp unter dem Hallendach. Und alle vier Elemente fanden sich in der Show wieder. Wasserfontänen schossen aus ihrer Hüfte und formten die Silhouette eines Reifrocks. Die Schlagerikone wurde zum lebenden Brunnen, ihre Ballade „Wenn du lachst“ plätscherte sanft dahin. An anderer Stelle flankierten Druckluftfontänen den Laufsteg ins Halleninnere, und dann war es auch schon passiert: Helene Fischers wohlgeordnete Frisur geriet in Konflikt mit der Luft und ihre Haare standen zu Berge – die einzige unübersehbare Panne an dem Abend. Sie wirkte fast schon angenehm menschlich angesichts einer nichts dem Zufall überlassenden, von A bis Z durchgestylten Bühnendramaturgie. Aber auch einige geerdete Momente rammte die Entertainerin wie emotionale Pfeiler in den Showboden, als sie mit einem Fan zusammen sang oder ein kleines Mädchen als Statistin auf die Bühne holte. Menschliche Momente, die fast schnulzig und wie Hollywood-Inszenierungen wirkten in dem pompösen Treiben, aber Helene Fischer möglicherweise aus dem Herzen sprachen. Andererseits bot sie auch einige ihrer Titel pur an, beispielsweise „Schmetterling“ oder „Mit keinem andern“, wenn sie alleine den Laufsteg entlangschritt. Es war gerade dieser Drahtseilakt zwischen Pomp und Bodenständigkeit, der das Phänomen Helene Fischer markierte und eine fesselnde Magie verbreitete. Königin Fischer kann mit einer sechsköpfigen Band und rund zwanzig Tänzern einen beachtlichen Hofstaat vorweisen. Das war noch Zukunftsmusik, als Jelena Petrowna Fischer 1984 im sibirischen Krasnojarsk in der damaligen Sowjetunion das Licht der Welt erblickte. Sie wuchs in Rheinland-Pfalz auf, wo die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte ihren Ausgang nahm. Eine Ausbildung zur Musical-Darstellerin an der Stage & Musical School Frankfurt trug ihr in Windeseile Engagements am Staatstheater Darmstadt und dem Volkstheater Frankfurt ein und dient ihr bis heute als solides Fundament. In kürzester Zeit avancierte sie zum Allrounder unter den Medienstars. Ihre Fernsehpremiere hatte sie 2005 in der ARD-Show „Hochzeitsfest der Volksmusik“, eine wahrhaft schicksalhafte Begebenheit. Mit über 13 Millionen verkauften Tonträgern zählt sie zu den erfolgreichsten Künstlern Deutschlands. Ihre Alben „Best of Helene Fischer“, „Farbenspiel“ und „Weihnachten“ sind Mega-Seller, ihr aktuelles, siebtes Studioalbum nennt sich schlicht „Helene Fischer“. Ein Blick ins Mannheimer Publikum ließ eine Facette des Phänomens Helene Fischer aufleuchten. Hier stand Alt neben Jung, Liebespärchen oder Freundinnen beisammen und schienen glücklich im Moment verhaftet. Das Bild glich einem bunten Gesellschaftsmix. Fast scheint es, als hätte Fischer eine Formel gefunden, die alle diese Menschen vereint. Bloßer Schlager vermöchte das kaum zu bewerkstelligen. Zweifelsohne hat das Multitalent eine Gabe, Menschen anzusprechen, sie zu erreichen. In all der Euphorie, die von ihren Fans ausging, meinte man beim Mannheimer Mega-Konzert so etwas wie eine Woge der Liebe zu erahnen, die sanft die Arena erfüllte. „Die schönste Reise“ widmete Helene Fischer ihren kleinen Fans, darunter der achtjährigen Sara Heidi Tratter aus Worms. „Sie singt tolle Lieder“, sagt sie über den Star, den sie bereits zum zweiten Mal live erlebte. „Herzbeben“ sei ihr Lieblingssong. Im Konzert wurden die Titel „Lieb mich dann“, der Helene Fischers persönliches Liebesglück beschreibt, und das ihren Eltern gewidmete Stück „Du hast mich stark gemacht“ die Feuerzeug-Songs des Abends – das vierte Element nach Wasser, Luft und Erde. Mit Gänsehautfaktor in Anbetracht tausender glitzernder Handy-Lichter. Das Hit-Medley aus älteren Titeln wie „100 Prozent“, „Bumerang“ und „Die Hölle morgen früh“ entfachte nostalgische Begeisterung in einer ansonsten auf das neue Album ausgerichteten Setlist. Ausflüge in Country, Rock und Pop bis hin zudem in elektronische Tanzmusik getauchten Titel „Achterbahn“ zeigte, dass reine Schlagermusik an Zugkraft verloren hat. Bei der poppig angehauchten Ballade „Flieger“ hob das Publikum dann endgültig ab. Hier ist eine Künstlerin auf dem Zenit ihres Erfolges, das legte der Auftritt nahe. Die Zugabe, klar: „Atemlos durch die Nacht“ aus ihrem Erfolgsalbum „Farbspiel“. Sie spielte sich in buntem Konfettiregen ab. Helene Fischer und ihre Tänzerinnen schwangen dazu mädchenhaft verspielt auf Schaukeln. Einer von vielen magischen Momenten. Ein bisschen wie Disney.

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