Handball
Zweite Liga: Eulen suchen Kontinuität und Selbstvertrauen
Marc Robin Eisel wirkte am Ende ratlos. Und seine Gemütslage wurde auf der Heimfahrt von Elsenfeld und in der Nacht zu Hause nicht besser. „Nach solch einem Spiel kann man nur schlecht schlafen“, stellt er fest. Dem 24-Jährigen gehen nach der 29:32 (10:19)-Niederlage beim TV Großwallstadt unzählige Gedanken durch den Kopf. Der angehende Bankkaufmann ist ebenso auf der Suche nach Erklärungen für das „kollektive Blackout“ über 15 Minuten in der ersten Hälfte, als die Eulen mit 5:16 Toren ins Hintertreffen gerieten.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Cheftrainer Johannes Wohlrab bereits zwei seiner drei Auszeiten aufgebraucht. Was er in der ersten Halbzeit auch versuchte, es funktionierte nicht: die Korrektur der Start-Sieben, in der Mex Raguse fehlte, der nach einem studienbedingten Berlin-Aufenthalt dem Coach etwas müde erschien, der frühe Torhüterwechsel, der Einsatz des siebten Feldspielers, der Versuch mit zwei Kreisläufern, die Neuordnung im Abwehrverbund, die Wechsel am Regiepult, der zwischenzeitliche Wechsel des Siebenmeterschützen. Nichts ging, nichts lief.
In Startformation
Das will auch Marc Robin Eisel nicht schönreden. Dabei freut er sich, dass der Trainer ihm erstmals von Beginn an die Chance gab, als Spielmacher aufzulaufen, während Sebastian Trost zunächst für Mex Raguse in den linken Rückraum rückte. Der gebürtige Saarländer aus Homburg bemühte sich, Akzente zu setzen, aber das misslang ihm. Beim 5:4 scheiterte er am griechischen Keeper Petros Boukovinas, dabei versuchte er auch selbst durch die Lücke zu kommen. Es gab da aber auch für ihn kein Vorbeikommen. Dann wagte er einen Kempa zu seinem Freund Kian Schwarzer, auch dieser misslang. Das führte dazu, dass Wohlrab wieder zur alten Formation ohne Eisel zurückkehrte.
„Es hatte leider nicht so funktioniert, wie ich es mir selbst erhofft habe“, stellt der 24-Jährige selbstkritisch fest. Dabei unterstützt ihn Wohlrab nach Kräften. „Marc Robin braucht Spielpraxis“, erklärte Wohlrab noch am Vortag der Partie. Unter Trainer Michel Abt spielte Eisel keine Rolle mehr. „Diese Situation hat mich sehr belastet“, gibt er einen Einblick in sein Seelenleben. „Aber im Endeffekt liegt es an mir, dass ich meine Leistung bringe. Ich weiß, dass ich Leistung bringen muss“, weiß Eisel.
Der Teamplayer
Sein Vertrag läuft am 30. Juni 2024 aus. Die Zukunft ist für den mit seiner Freundin Lucie Krein in Mundenheim lebenden Spielmacher ungewiss. Es ist keine einfache Zeit für Eisel, der stets mit Herz und Leidenschaft dabei ist, seine Mitspieler von der Bank aufmuntert und lautstark unterstützt. Ein Teamplayer, der aber noch nicht seine wahre Klasse über längere Zeit gezeigt hat. „Wir leisten uns sechs, sieben Fehlwürfe, dann geht das Selbstvertrauen in den Keller. Es kommt zu technischen Fehlern. Das wird in der Liga sofort bestraft“, meint Eisel.
Dass die Spielmacher-Position derzeit eine Schwachstelle ist, verhehlt er nicht. „Es fehlt uns sicherlich der klassische Spielmacher, aber ich bin sicher, Sebi und ich können in diese Rolle von Spiel zu Spiel hineinwachsen“, sagt Eisel. Er gibt sich nicht geschlagen. „Wir müssen einfach an den positiven Dingen, die wie in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, weiterarbeiten, dann sollten uns solche desolaten Abschnitte nicht mehr passieren“. Hier wird „Vize“-Kapitän Jannek Klein konkret: „Jeder muss sich erst einmal an die eigene Nase fassen. Wir müssen uns das Selbstvertrauen neu erarbeiten, um wieder unsere Leistung abzurufen. Dass wir es können, haben wir ja in Lübbecke gezeigt“. Das sieht auch Trainer Wohlrab so, der zunächst sichtlich enttäuscht war. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber auch nicht alles Asche“, sagt er. Und warnt davor, nun alles schlecht zu reden. Die beherzte Aufholjagd ist ein Beispiel dafür, dass es die Eulen besser können. Davon ist auch Marc Robin Eisel überzeugt, der weiter an seiner Form feilen will, um der Mannschaft helfen zu können.